"Nichts kann einem die Tür zu sich selber besser öffnen, als ein Spaziergang durch schlechtes Wetter."
--Mark Twain (1835-1910)
(24. März)
Liana war fast völlig bewegungsunfähig in dieser Truhe eingesperrt, und es war stockdunkel. Sie hörte ihren eigenen Atem, ihren Herzschlag, ihr Schluchzen, das sie nicht unterdrücken konnte. Alle Sinne waren zum Äußersten angespannt. Dieses Kribbeln auf ihrem Rücken. War das eine Spinne? Kaum war ihr dieser Gedanke gekommen, begann es überall zu kribbeln. Sie fürchtete sich vor Spinnen. Arachnophobie. Eine dumme, irrationale Angst, wie sie sich immer wieder sagte. Doch das änderte nichts. Der Gedanke an Spinnen auf ihrer Haut ließ ihren Atem stocken und bereitete ihr Magenkrämpfe und Herzrasen.
Sie hatte Rainer von ihrer Angst vor Spinnen erzählt, und er hatte sie deswegen ausgelacht. Hatte er absichtlich Spinnen in der Strafkiste ausgesetzt? Liana schrie leise auf, als sie ein Kribbeln an ihrem Po fühlte. Ein Kribbeln, das sich auf ihre Vulva zu bewegte. Nein! Würde die Spinne in sie eindringen? Liana schüttelte sich, so gut es in der Enge der Kiste und mit der Folienfesselung ging und presste ihre Oberschenkel und ihre Po-Backen zusammen. Das Kribbeln hörte auf.
Nur um gleich wieder einzusetzen. Am Rücken, in den Haaren, am Po, am Bauch. Liana fühlte, wie ihr der Schweiß aus allen Poren schoss. Außerdem meinte sie nun auch, ein Rascheln vernommen zu haben. Sie hielt die Luft an, um besser zu hören. Eben als ihre Brust fast zu platzen schien, und sie keuchend, schluchzend den Atem ausstoßen musste, um ihre Lungen erneut mit dieser abgestandenen, nach Panik riechenden Luft der Kiste zu füllen, raschelte es erneut. Sie kreischte entsetzt auf und warf sich hin und her.
Zur Übersicht aller Geschichten von:
salomé