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Therapie - Band 2, Teil 6 (illustriert)

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Therapie - Band 2, Teil 7 (illustriert)

 

Die Tagebücher einer Verwandlung – Fortsetzung von Band 1

Storyline: Nach einem desaströsen Wiedersehen und einem radikalen Entschluss in Band 1 geht die Verwandlung weiter. Gleichzeitig beschließt ein „Zurückgelassener“, sich nicht mit der Situation abzufinden und greift zu drastischen Mitteln, um seine Ehe, wie er glaubt, zu „retten“, ohne jedoch zu wissen, ob es überhaupt noch ein Zurück geben kann und so scheint die Geschichte allmählich auf eine Katastrophe zuzusteuern. Gibt es eine Rettung? Wer muss denn eigentlich gerettet werden? Und … wovor?

 

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Princess, 08. August

Mit Freude stellte ich fest, dass ich – natürlich – richtig vermutet hatte: Der Sulky war für Snowflake und mich bestimmt und wir wurden schon am nächsten Morgen angeschirrt. Diesmal wurden jedoch nicht unsere Vorderläufe an der Gabel befestigt, was wegen der Fesseln auch gar nicht möglich gewesen wäre. Stattdessen stülpte Martin Ringe über die Gabel, an denen stabile Gürtel befestigt waren, die er uns umlegte.

Auf diese Weise wurden wir fest mit dem Sulky verbunden.

Ich konnte kaum erwarten, dass es endlich losging und Snowflake schien es nicht anders zu gehen, denn wir scharrten beide ungeduldig mit den Hufen.

Immerhin schafften wir es damit, Martin ein seltenes Lächeln ins Gesicht zu zaubern, als er an uns vorbeiging, um in den Wagen zu steigen. Er wusste genau, wie wir dachten.

Er hatte seine Peitsche natürlich dabei, aber es bedurfte nur eines Schnalzens mit der Zunge, um uns in Marsch zu setzen. Es hatte sich ergeben, dass ich die Führungsarbeit leisten musste und so waren es meine Flanken, die die Peitsche bekamen, wenn eine Richtungsänderung erforderlich wurde. Es tat nicht weh, denn Martin wusste ja, dass er mich gut trainiert hatte und so konnte er sich darauf beschränken, die Peitsche nur ganz sanft an meine Haut zischen zu lassen. Ich trug nicht einmal Striemen davon. Dennoch – so ganz fair war das nicht, denn Snowflakes Po hatte noch größere Implantate bekommen als meiner. Dabei hatte ich anfangs schon geglaubt, ich würde beim Sitzen zur Seite wegkullern. Das war natürlich Unsinn gewesen, aber Snowflake hatte ganz schön große Kissen in ihrem Hinterteil. Naja, ich fand, dass es ihr gut stand. Sie hatte ja auch noch größere Euter als ich und da passte das einfach.

Martin hatte uns vor einem alten, baufällig wirkenden Holzhaus am Rande des großen Areals, das ich inzwischen als mein Zuhause betrachtete, angeschirrt und von dort aus dirigierte er uns auf einen Weg, der durch ein geöffnetes Tor in dem äußeren, mit Stacheldraht versehenen Zaun des Geländes führte. Unser Ausritt würde uns in eine unbekannte Gegend führen. Ich war aufgeregt und neugierig. Ich glaube, dass ich vor Begeisterung sogar schneller ausschritt, als Martin es vorgesehen hatte. Natürlich blieb Snowflake ganz präzise im Takt. Das war zu ihrer Natur geworden, wie es schon längst auch meine war. Dafür waren wir bestimmt. Ich fand es an diesem Tag noch großartiger als sonst, ein Ponygirl zu sein. Ich genoss die frische Luft und die Natur. Ich war glücklich.

Meine Begeisterung war so groß, dass ich mich regelrecht danach sehnte, in Trab oder sogar Galopp gezwungen zu werden, doch Martin ließ uns schön brav den Gleichschritt üben, bis er uns wirklich perfekt fand. Es macht schon einen Unterschied, ob ein Pony frei läuft oder eine Last zieht.

So wurde es ein wunderschöner, entspannter Ausritt an diesem Tag.

Und an den Tagen, die folgten.

Das Wetter spielte mit, was in dieser Gegend nicht selbstverständlich war, denn schnelle Wetterwechsel sind dort normalerweise an der Tagesordnung.

Es spielte auch mit, als – endlich – die Zeit des gemächlichen Dahinschreitens vorüber ging und Snowflake und ich in den Trab gebracht wurden.

Irgendwann folgte dann der Galopp.

Ich muss zugeben, dass meine Freude an der Natur darunter ein klein wenig litt und dass wir an den Abenden mit schmerzenden Waden und vollkommen erschöpft ins Heu sanken.

Nachdem wir auch mit Sulky synchron galoppierten, war die Zeit der Ausritte vorbei. Wir blieben von da an in einer großen Koppel und Martin brachte ein neues Utensil mit – eine Stoppuhr.

Ich wunderte mich ein wenig, denn Sir Lucas hatte doch aus mir ein Showpony machen wollen. Nun jedoch lernte ich Tempo!

Tagelang hetzte uns Martin durch die Koppel und die Zeit der sanften Peitsche war vorbei. Nigel hatte sichtlich Freude daran, am Abend unsere gestriemten Körper mit Salbe zu behandeln. Ich gönnte ihm diesen Spaß.

Irgendwann kam Nigel jedoch nicht mehr zum Zuge, denn Snowflake und ich waren inzwischen so schnell, dass Martin Mühe hatte, nicht vom Wagen zu stürzen … bis es dann doch passierte. Wir Ponies verkniffen uns jedes Wiehern, aber sahen uns triumphierend an. Snowflake zuckte leicht mit den Schultern, soweit es unsere Fesseln zuließen. „Das hat er nun davon“, sollte das bedeuten. Ich schnaubte, um auszudrücken: „Das geschieht ihm recht“. Im Rahmen der trotz unserer Trensen verbliebenen Möglichkeiten grinsten wir uns zu, als Martin sich stöhnend zurück auf den Sitz hievte. Es war ein schöner Tag.

Ein unreifer Vollidiot (nein, ich nenne jetzt keine Namen, die mit „R“ beginnen) hätte uns vielleicht für dieses Missgeschick, das überhaupt nicht in unserer Verantwortung lag, bestraft. Martin war jedoch Profi genug, um zu wissen, dass zwei perfekt trainierte Ponygirls in vollem Galopp ganz zwangsläufig für Erschütterungen des Sulky sorgen und wenn der Fahrer nicht auf Bodenunebenheiten achtet … dann passiert eben, was passieren muss.

Martin wusste das. Okay, er war immun gegen unsere Reize und unseren Charme. Er stand nicht auf Ponygirls, wie er ja nicht einmal auf Girls stand. Was mich jedoch überraschte, war, dass er uns am folgenden Tag zu belohnen schien: Er brachte uns zwei Vibratoren mit. Wir wieherten vor Freude. Ich hoffte ja, dass Nigel uns die Dinger in unsere tropfenden Pony-Mösen schieben würde, denn der hätte das bestimmt seeeehr einfühlsam gemacht, aber weit und breit war nichts vom Trainer-Azubi zu sehen. Martin steckte uns die Vibratoren in unsere Körper. Wir waren wie immer nass, wir waren wie immer offen und daher kam es nicht auf besonderes Einfühlungsvermögen an. Als ich spürte, wie mich das phallusförmige Plastikding ausfüllte, wäre ich fast schon allein aufgrund dessen gekommen. Ich wollte das Gefühl jedoch vorher noch ein wenig genießen.

Snowflake konnte sich weniger gut beherrschen. Ich hörte es an ihrem Atem und schließlich konnte sie auch ein Schnauben nicht mehr unterdrücken. Ihre Zuckungen übertrugen sich durch die Fesselstange zu mir und ich musste mich noch mehr beherrschen, um nicht laut wiehernd einem Orgasmus nachzugeben.

Das Ding in mir rumorte und pulsierte leicht, aber trotz meiner seit Monaten extrem angeregten Libido war das nicht so stark und nicht so unwiderstehlich, dass ich zum Höhepunkt gezwungen wurde. Ich bedauerte es fast. Der Vibrator schien ein handelsübliches Teil zu sein, doch es gab einen Unterschied: Am unteren Ende befand sich eine kleine Metallplatte, die in unsere Schamlippenringe eingehängt wurde. So blieben die Dinger in uns stecken, solange Martin es für richtig hielt. Die Vibrationen würden bleiben.

Ich ahnte, was kommen würde, als Martin sich auf den Wagen setzte. Nachdem wir uns in Marsch gesetzt hatten, war ich froh über das befohlene Schritttempo. Ich hätte nie gedacht, wie seltsam sich ein an Schamlippenpiercings aufgehängter Vibrator anfühlt, wenn man nicht wie ein Mensch, sondern wie ein Pony geht. Ich glaube, das wäre sogar einer Frau, die kein Pony ist, mehr als gewöhnungsbedürftig vorgekommen.

Ich begriff: Das war keine Belohnung.

Es war auch keine Bestrafung.

Es war Teil des Trainings.

Es war ebenso einfach wie perfide – wehrte ich mich gegen das vibrierende Ding in mir, wurde es unangenehm. Gab ich mich hin, hatte ich größte Mühe, meine vorgeschriebene Haltung einzuhalten. Es war, als wären die Wochen (Monate?) des Trainings vergessen. Snowflake und ich lieferten eine katastrophale Leistung ab, denn natürlich wehrten wir uns nicht. Wir waren schließlich Ponygirls.

Zuckend, schnaufend und vor Orgasmen wiehernd torkelten wir an der Deichsel entlang. Ich schämte mich – zum ersten Mal seit langer, langer Zeit.

Wir mussten unser Training nahezu von vorn beginnen – gestopft wie Mastgänse. Es folgten einige Tage voller sexueller Höhepunkte und leistungsmäßiger Tiefpunkte.

Dann, plötzlich, bekamen wir den Bogen raus!

Ich verstand auf einmal, worin der Sinn des Ganzen lag: Das Besondere – die Vibratoren in uns und die Gefühle, die sie erzeugten – konnten wir nicht ausblenden. Wir mussten uns darauf einlassen. Das Vertraute – unser Dasein als Ponygirls, unsere Bewegungen, unseren Schritt, den Trab und sogar den Galopp – mussten wir automatisieren. Das hatte instinktiv zu erfolgen. Wir wussten ja ganz genau, wie es ging und was von uns erwartet wurde. Solange unser Bewusstsein die scheinbar widersprüchlichen Eindrücke zu verarbeiten suchte, hatten wir keine Chance. Als wir – und auch das schafften wir fast zeitgleich – aufhörten, darüber nachzudenken, wie wir unsere Aufgaben trotz der Dinger in unseren Körpern erfüllen konnten und es einfach taten, es geschehen ließen, es (und uns) laufen ließen, stellten sich die erlernten Automatismen ein. Wir eilten von Orgasmus zu Orgasmus und unsere Hufe bewegten sich wie von selbst. Wir fanden den Gleichschritt wieder, als wir aufhörten, danach zu suchen.

Ich bemühte mich nicht mehr, ein Ponygirl zu sein.

Ich war ein Ponygirl.

Von diesem Tag an brachte Snowflake und mich rein gar nichts mehr aus dem Tritt. Irgendwann entfernte Martin die Vibratoren wieder, wodurch wir uns leer und einen Moment lang so unglücklich fühlten, dass einige Tränen kullerten. Martin registrierte es. Vermutlich hatte er damit sogar gerechnet.

Es folgte einer dieser seltenen Momente, in denen er mit uns sprach: „Ihr würdet mindestens so sehr herumheulen wie jetzt, wenn ich Euch Euren geliebten blauen Zucker vorenthalten würde, also regt Euch nicht auf! Sir Lucas hat gesagt, dass Ihr gedeckt werdet, falls Ihr den Pokal für ihn gewinnt.“

Gedeckt? Snowflakes Tränen versiegten so schnell wie meine. Von wem? Naja, ehrlich gesagt … eine so große Rolle spielte diese Frage für mich nicht. Nach Monaten mit täglicher „Zucker“-Dosis hätte ich mich jedem Hengst hingegeben. Um ganz ehrlich zu sein: Ich hätte es auch ohne Zucker getan. Als Pony hatte ich kein Mitspracherecht und wollte auch gar keins mehr haben. Mein Wunsch, absolut gehorsam zu sein, stand meiner extremen Läufigkeit kaum nach.

Ein Pokal? Ich hatte mich noch nie für Pferderennen interessiert. Ich fand die sogar total doof - als Zuschauerin. Als Teilnehmerin war das natürlich etwas ganz, ganz Anderes! Perfekt synchron waren wir inzwischen sogar unter härtesten (hihi!) Bedingungen. Hoffentlich waren wir aber auch schnell genug!

Tja. Ich war guter Dinge. Da kannte ich die Konkurrenz noch nicht.

Am nächsten Morgen schon sollten wir abtransportiert werden. Bis dahin wurde es die unruhigste Nacht seit einer Ewigkeit. Wir waren so aufgeregt und voller Spannung!

Entsprechend schläfrig fühlten wir uns am Morgen unseres Abtransportes. Immerhin wurden wir durch die Höhepunkte beim Melken wenigstens psychisch geweckt und gegen die dadurch noch verstärkte körperliche Müdigkeit half die Wäsche. Wir hofften, während des Transportes noch ein Nickerchen machen zu können, aber das sollte sich schwierig gestalten, denn wir wurden artgerecht verladen. Es ist gar nicht so einfach, auf Hufen grazil und synchron eine schräge Rampe heraufzuschreiten. Wir schafften es aber dennoch im ersten Anlauf. Martin „half“ uns dabei mit einer Gerte.

Weder gab es in dem Anhänger eine Möglichkeit, uns irgendwo festzuhalten, noch hätten wir eine solche mit unseren Vorderhufen nutzen können. Auch ohne Fesseln wäre es nicht wirklich leichter gewesen. Also mussten wir notgedrungen darauf verzichten, während der Reise die Landschaft zu bewundern und setzten uns in eine Ecke der Box. Als der Motor des Zugwagens aufheulte und sich das Gespann in Bewegung setzte, stellten wir fest, dass es auch so eine unruhige Fahrt werden würde. Tatsächlich wurden wir ganz schön hin und her geschaukelt. Weder unsere nackte Haut noch unsere glatten Hufe waren geeignet, uns eine gewisse Stabilität zu verschaffen.

Die Fahrt dauerte gar nicht allzu lange, aber das Schaukeln und der vorausgegangene Besuch der Tränke sorgten dafür, dass wir irgendwann in unseren eigenen Pfützen saßen.

Unsere Pfleger waren darauf vorbereitet, denn als wir schließlich am Ziel waren und sich das Gespann nicht mehr bewegte, öffnete Martin die vordere Rampe und gab uns den Befehl zum Aufstehen. Er hatte einen Schlauch in der Hand, mit dem er sogleich uns sowie das Innere der Transportbox abspritzte.

Anschließend übernahm Nigel es, uns mit Tüchern zu trocknen, was wir durchaus genossen, denn Nigel machte das stets sanft und verweilte dabei gerade so lange an unseren Intimregionen, dass wir schnell auf Touren kamen. Damit war natürlich klar, dass er uns nie gänzlich „trocken“ bekam.

Naja – das war uns ja längst zum vertrauten Dauerzustand geworden.

Wir hatten kaum Gelegenheit, ums umzusehen, aber ich spürte eindeutig salzige Luft an meinen Nüstern. Wir mussten uns am Meer befinden.

Leider war an einen Strandspaziergang nicht zu denken, denn wir wurden sofort in einen Verschlag gebracht. Dort standen wir herum und harrten der Dinge, die auf uns zukommen würden.

Nach einer Weile hörten wir Hufklappern, welches sich näherte. Es klang wie unsere eigenen Schritte, aber die Abstände waren geringer. Dieses Pony legte offenbar keinen allzu großen Wert auf einen gut dressierten Gang. Dann wurde die Tür des Verschlages geöffnet. Wir erhielten Besuch von der „Konkurrenz“. Ich musste spontan an eine Walküre denken.

Dieses Pony trug weder eine Trense, noch hatte es Vorderhufe. Auch die Hinterhufe waren lediglich „angezogen“. Das kannte ich ja aus der Anfangszeit meiner Ausbildung (mir kam das wie eine lang verblichene Erinnerung vor). Dafür hatte es Muskeln wie ein Kerl. Mir schwante nichts Gutes. Diese amazonenhafte Erscheinung sah so aus, als würde sie uns im Alleingang abhängen können.

Zu allem Überfluss sprach sie auch noch. „Das ist ein Scherz, oder? Ihr zwei Süßen sollt gegen uns antreten? Mit den Titten? Na, das wird ja ein Spektakel! Mal ehrlich, Ihr Schätzchen – Ihr gehört auf eine Bühne, aber nicht in ein Rennen.“

Snowflake und ich sahen uns an. Ich wusste sofort, was meine Gefährtin dachte: Wie sollten wir gegen dieses Kampfbiest bestehen können?

„Svenja, komm mal her! Das musst Du Dir ansehen! Die lassen zwei Porno-Häschen gegen uns antreten.“

Ein weiteres, schnelles Hufklacken näherte sich. Die Herbeigerufene trat in die Tür. Snowflake schnaubte. Deutlicher konnte sie ein „Puh!“ nicht ausdrücken. Svenja war ein ebensolcher Brocken wie ihre sichtlich amüsierte „Kollegin“.

„Ik geloof het niet!“, verfiel Svenja in ihre Muttersprache und meinte nach einem Moment der Überraschung: „Das wird ein entspanntes Rennen.“

„Hast Du so etwas schon mal gesehen?“, wollte Walküre Nummer 1 wissen.

„Nee. Diese Korsetts halten doch gar nichts. Das wird vielleicht ein Gehüpfe!“

„Sir Lucas wird sich mit diesen beiden Silikonwundern bis auf Knochen blamieren.“

„Na und? Das kann uns doch egal sein. Hübsch sind sie ja schon, oder, Tessa?“

„Klar. Für den Laufsteg, aber wenn die japsend einen Sulky ziehen, wirken sie längst nicht mehr so hübsch. Das wird ein gemütlicher Nachmittag für uns.“

„Warum tragen die denn jetzt schon ihre Trensen?“, wollte Svenja wissen.

„Soweit ich gehört habe, tragen sie die immer. Sir Lucas bevorzugt Fulltime-Ponygirls. Sieh Dir mal die Hufe an! Die sind operiert. Vermutlich können die zwei Süßen auch gar nicht mehr sprechen.“

„Oh. Das ist heftig.“

„Mitleid? Spar Dir das! Es ist egal, was die können. Hauptsache, sie sind langsam genug und so, wie die aussehen, sind sie das. Also, Ihr zarten Pferdchen – wir sehen uns nachher. Schade, dass Ihr zu unserer Siegerehrung nicht applaudieren könnt.“

Die Pseudo-Ponies schlossen die Tür und gingen. Als ihre Schritte verklungen waren, wieherte Snowflake und scharrte mit dem Huf. Ich verstand genau, was sie sagen wollte: „Fakes!“

Auch ich war wütend über die Arroganz dieser beiden Gäule. Andererseits muss ich zugeben, dass mir das Herz ganz schön in die nicht vorhandene Hose gerutscht war. Diese Muskelberge abzuhängen würde sich ganz sicher nicht leicht bewerkstelligen lassen. Naja … ich wollte ja eine Herausforderung haben und da war sie nun.

Kurze Zeit später brachte Martin uns Futter und Wasser. Es dauerte dann noch ungefähr bis zum Mittag, bis er uns holte. Vorher reinigte er uns noch, denn wir hatten unser „Frühstück“ zwischenzeitlich verarbeitet. Ich war diesmal ganz froh, dass uns das während des Rennens erspart blieb.

Wir wurden vor dem Holzhaus angeschirrt und Martin setzte sich auf den Wagen. Langsam führte er uns dann zur Startposition, an der einige Zuschauer Aufstellung genommen hatten. Ich erkannte Sir Lucas, der uns aufmunternd zunickte und dann klopfte mein Herz plötzlich ganz schnell in meiner Brust, denn Henry war auch da. In diesem Moment vergaß ich die Psycho-Spielchen der Fleischberge. Wir mussten einfach gewinnen. Wir mussten!

Nur … wie?

In einem Bogen wurden unsere Konkurrentinnen zur Startlinie geführt, so dass ich genau erkennen konnte, dass sie nach wie vor keine Vorderhufe trugen. Sie würden die Gabel mit Händen halten und hatten damit vermutlich einen weiteren Vorteil. Wenigstens konnten sie nicht mehr lästern. Ich wünschte ihnen, dass ihre Trensen ganz besonders unbequem waren. Die beiden Walküren wirkten allerdings wirklich siegessicher.

Auch ihr Fahrer saß eher lässig in seinem Sulky.

Das änderte sich, als wir parallel an der Startlinie aufgestellt wurden. Martin und der andere Fahrer bekamen ihre Peitschen gereicht.

Mir war das egal. Adrenalin schoss durch meinen Körper und als das Startsignal gegeben wurde, rannten wir los.

Es war frustrierend.

Schon auf den ersten Metern eilten uns die Muskelpakete davon. Das konnte doch nicht wahr sein! Ich brauchte keine Peitsche und ich spürte, dass es Snowflake nicht anders erging. Wir taten wirklich, was wir konnten, aber die Kraft unserer Konkurrentinnen ließ uns fast verzweifeln.

Fast.

Die Strecke war kein Stadionrund. Es ging über asphaltierte Wege am Meer entlang und ich hätte es bestimmt dort wunderschön gefunden … wenn ich Muße gehabt hätte. Der Schweiß floss nach kurzer Zeit ebenso in Strömen wie der Speichel aus unseren durch die Trensen offengehaltenen Mäulern. Wir waren so schnell, dass ich die Nässe durch den Fahrtwind auf meinen Wangen spürte. Dennoch näherten wir uns einer Biegung und plötzlich war das andere Gespann dahinter verschwunden.

Wir gaben nicht auf. Irgendwann, so hoffte ich, würde der Blickkontakt hinter der Kurve wiederhergestellt.

So kam es auch.

Nach einer Weile fingen meine Hinterläufe an zu brennen. Es wurde immer schwieriger, ausreichend Luft in meine Lungen zu pumpen. Auch Snowflake keuchte.

Zu meiner Verwunderung wurde der Abstand zu den Führenden jedoch nicht mehr größer – im Gegenteil.

Ganz allmählich holten wir auf. Das Gefühl, vielleicht doch nicht ganz chancenlos zu sein, ließ mich jeden Schmerz vergessen. Da ich das Tempo vorgab (Martin benutzte die Peitsche nur für Richtungsänderungen – er wusste, dass wir alles gaben), beschleunigten wir sogar noch weiter. Snowflake hielt mit und der Sulky der Konkurrenz kam immer näher. Ich hörte die Peitsche des Fahrers und bald auch das Keuchen der Ponies. Wir saugten uns regelrecht heran.

Als wir ungefähr auf gleicher Höhe waren und Snowflake direkt neben Tessa – das war die Dunklere mit dem frechen Maul – galoppierte, war deren wütendes Schnaufen nicht zu überhören.

Dann passierte es.

Tessa, die im Vergleich zu ihrer Partnerin Svenja besonders ausgepumpt wirkte, hatte offenbar die Führung dieses Gespanns und wollte sich auf keinen Fall überholen lassen. Sie riss sich zusammen und forcierte nochmals den Galopp. Die beiden Walküren hatten jedoch vermutlich längst nicht so hart trainiert wie wir. So perfekt, dass ein Pony sofort antizipieren kann, was das andere macht, schienen sie nicht aufeinander eingespielt zu sein. Sie wurden asynchron und beim Versuch, irgendwie wieder ihren Rhythmus zu finden, stolperte erst Svenja und dann auch Tessa. Sie kamen dadurch fast zum Stehen und wären beinahe gestürzt.

Wir flogen geradezu vorbei.

Wir waren das bessere Team und unsere Ausdauer siegte über die schiere Kraft der Walküren.

Wir absolvierten noch eine lange, qualvolle Wegstrecke und kamen schließlich schwitzend, sabbernd, mit schmerzenden Läufen und wippenden Eutern, aber mindestens so glücklich wie erschöpft, über die Ziellinie.

Unser Vorsprung war riesig.

Der Applaus der Zuschauer tönte in meinen Ohren, als mir schwarz vor Augen wurde. Gehalten von der Gabel, an der mein Körper befestigt war, sackte ich in die Knie. Sir Lucas (freudestrahlend) und Henry (besorgt) eilten auf uns zu.

Dann sah ich nichts mehr.

Ich kam in der Holzhütte zu mir. Martin und Nigel wuschen und striegelten uns. Wir erhielten eine Extra-Portion Zucker und wurden danach zur Siegerehrung geführt. Als Sir Lucas den Pokal in Empfang nahm, wieherten Snowflake und ich vor Freude. Ein Fotograf machte Fotos. Stolz und glücklich blinzelten wir Ponygirls uns gegenseitig zu. Dann präsentierten wir uns der Kamera für das Siegerfoto. Wir waren nicht nur die schönsten Ponygirls – wir waren auch die schnellsten. Ich werde diesen Moment nie vergessen.

Es fällt mir schwer, in Worte zu kleiden, was dieser Pokal für mich bedeutete. Eigentlich war es ja nur ein goldlackierter Blechtopf. Eigentlich war es ja nur eine Auszeichnung dafür, einen Wagen schnell von A nach B gezogen zu haben – als Pony.

Für mich war es der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, für die mich vermutlich die meisten Leute schlichtweg zur Verrückten stempeln würden. Ich bin mir dessen durchaus bewusst.

Vielleicht war ich verrückt. Vielleicht bin ich es, aber … bin ich denn so viel verrückter als Leute, die barfuß über Kohlen laufen, ohne Sauerstoffgerät höchste Berge erklimmen (und dabei ihr Leben aufs Spiel setzen) oder auf schmalen Brettern durch tonnenschwere Wassermassen surfen?

Möglicherweise können mich die hübschen Mädchen dieser Welt verstehen, die nie etwas anderes als ihr Aussehen hatten, auf das sie stolz sein konnten – nichts „Erarbeitetes“, keine „Leistung“.

Ich habe ein Leben, das mir gefällt. Ich habe Menschen, die mich toll finden – natürlich wegen meines Äußeren, natürlich wegen meiner Weiblichkeit. Daran ist nichts Schlechtes. Ich habe aber noch etwas: Ich habe das Gefühl, gut zu sein, in dem, was ich tue. Wer kann das sonst von sich behaupten? Kommt es darauf an, worin ich gut bin? Ist ein guter Professor „besser“ als ein guter Hausmeister? Ist eine gute Managerin „besser“ als ein gutes Ponygirl? Wer beurteilt das? Ist mein Streben nach Perfektion weniger wert, weil ich ein perfektes Ponygirl sein will? Bin ich weniger wert, weil ich mich jetzt tatsächlich perfekt fühle?

Es ist Zeit für die Fütterung. Ich schreibe danach weiter, wenn man es mir erlaubt.

 

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