Trine - (Teil 5)

 

"Ja, gehen Sie ruhig! Schnappen Sie frische Luft. Hier drin ist es immer ein wenig zu warm, weil wir die Räume für die nackten Frauen immer auf 28 Grad halten. Aber Sie sind das natürlich nicht gewöhnt."

Es war nicht allein die Wärme, die mir zu schaffen machte. Vielmehr beschäftigte ich mich mit dem Gedanken, ob ich etwas gegen den außergewöhnlichen Einsatz von Memori tun konnte. Und mich enttäuschte die Gewissheit, dass sie dem Kunden zustand und nicht mir. Auch wenn ich für sie in dieser kurzen Zeit ein Gefühl entwickelt hatte, das ich vorher gar nicht kannte.

Als ich wieder zurückkam, ging ich gleich auf die Scheibe zu und sah nach ihr. Sie war noch etwas weiter in den Raum getippelt, oder vielmehr musste sie gehüpft sein. Auf jeden Fall stand sie mittlerweile in der Mitte. Ihr Blick war noch etwas hilfesuchender als zuvor.

Sie weiß nicht, was sie erwartet, dachte ich, und doch hat sie schon Angst und nun sah ich auch, wie sie wieder vorwärts tippelte, auf den Stuhl in der äußersten Ecke des Raumes zu. Wie musste sie sich nur fühlen in diesem weiß gekachelten, grell erleuchteten Raum. Abgeschottet von mir und von allen Geräuschen. Und wie erklärte sie sich wohl all die Leinen, die Halsbänder und Bürsten, die an den Ständern herumhingen und die auch ich erst jetzt so richtig wahrnahm.

„Geht es Ihnen wieder besser“,

erschreckte mich der Doktor regelrecht mit seiner Frage und legte dabei eine Hand auf meine Schulter.

„Ja“,

log ich und wandte meinen Blick nicht von Memori.

„Apropos: ich habe vergessen, ihren Chef zu fragen … Sie hat doch nicht etwa schon Erfahrungen mit Rüden?“

„Ich weiß es nicht, aber ich glaube nicht.“

Mir war es unangenehm, dass ich so wenig über meine Lieferung wusste, aber der Doktor ging gar nicht weiter auf meine peinliche Unkenntnis ein und sprach einfach weiter.

"Im Moment sind fünf Sklavinnen hier. Mit 12 werden es dann sechs sein. Ich gehe davon aus, dass sie unerfahren aber ausreichend devot ist. Sie wird das alles lernen. Machen sie sich keine Sorgen. Wir werden behutsam vorgehen, glauben Sie mir. Schließlich sind wir ja keine Unmenschen",

fügte er noch hinzu und ich überlegte, ob er damit recht haben konnte.

Ich biss mir auf die Zunge. Schließlich wollte ich mir den Ast nicht absägen, auf dem ich einigermaßen fest saß. Memori ließ ich nicht aus den Augen, während sie versuchte, den Stuhl zu erreichen. Irgendwann, als sie in meine Richtung blickte, winkte ich ihr zu. Das war mehr eine automatische Geste gewesen. Eigentlich ahnte ich schon, dass ich sie, sie aber mich nicht sehen konnte und prompt vernahm ich die Stimme meines Gastgebers:

„Sie kann uns weder sehen noch hören. Nur wenn ich den Knopf hier drücke, vernimmt sie die Geräusche aus dem Schaltraum.“

Er lachte leise, bevor er mit offensichtlicher Belustigung fortfuhr

„Im Grunde wie bei der Kripo“.

Dann drückte er den Mikrofonknopf, wie, um seine Worte unter Beweis zu stellen.

„12! Bleib, wo du bist und komm nicht auf die Idee, dich hinzusetzen! Der Stuhl ist absolut tabu für dich!“

Memori war sofort stehen geblieben und hatte, als sei sie bei einem riesigen Vergehen erwischt worden, ihre Arme reumütig auf den Rücken gelegt. Mir fielen wieder Charlys Beschreibungen zu Memori ein:

„Sie ist die Gehorsamste von allen. Im Grunde sind diese Fußketten bei ihr überflüssig. Wer ihr ein paar Streicheleinheiten gibt, dem würde sie ans Ende der Welt folgen. Aber des Kunden Wille ist uns heilig, also leg ihr die Dinger an und nimm die schweren und nicht den Spielzeugkram.“

Also hatte ich ihr den Stahl an die Fußgelenke geschraubt. Schon dabei hatte sie mir mehr als leidgetan und dann kam auch noch das Schloss hinzu, das ihr jetzt schwer und wahrscheinlich schmerzhaft bei jedem Schritt auf die Knöchel fallen musste. Und zum Teil aus Mitgefühl, oder vielleicht auch, weil ich mir gewünscht hatte, sie würde MIR ans Ende der Welt folgen, hatte ich sie gestreichelt, bevor ich sie auf meine Arme gelegt und zum Wagen getragen hatte. Als ich sie dann auf dem Beifahrersitz absetzte, hatte sie ihren Kopf auf meinen Arm geschmiegt und ihn einmal ganz kurz nur mit ihrer Wange gestreichelt. Es dauerte eine Weile, bis ich in der Lage war, meinen Arm wegzuziehen und die Tür zuzuschlagen. Und Charly musste wohl genau diese Szene mit angesehen haben.

Pass auf Dich auf,

hatte er mich kopfschüttelnd gewarnt. Sie hat das Zeug, einen mit ihrer verdammten Unterwerfung in komplette Abhängigkeit zu stürzen. Du wärst nicht der Erste, der sie am liebsten entführen würde. Es ist das reine Glück, dass sie mir nach wie vor treu ergeben ist. Sie könnte schon längst, wenn sie wollte, ein Leben, wie eine Göttin in Frankreich führen. Angebote von Kunden gab es genug, sie voll und ganz bei sich aufzunehmen.“

Und jetzt, dachte ich mitfühlend. Was stand ihr nun bevor, anstelle eines vielleicht sehr komfortablen Lebens, das ihr offensichtlich geboten worden war. Das Leben wie eine Hündin, was anderes war es doch nicht, dachte ich bitter.

Auf der Fahrt hatte sie mich gefragt, wie lange diesmal ihr Einsatz dauern würde. Charly hatte kein Wort darüber verlauten lassen. Aber auch wenn er mir die Länge des Aufenthaltes von Memori verraten hätte, hätte ich ihr kein Sterbenswort darüber verraten dürfen.

„Wenn sie wissen, wann sie wieder nachhause dürfen, gehorchen sie zumindest zum Ende hin nicht mehr gescheit, weißt Du? Nur die Ungewissheit, wie lange sie dem Auftraggeber noch ausgeliefert sein werden, jagt ihnen genügend Furcht ein, dass sie bis zur letzten Sekunde spuren wie ein geöltes Rädchen“, hatte Charly mich über die „Anwendung“ von Sklavinnen gelehrt.

„Wie lange haben sie 12 denn eigentlich gebucht“,

wollte ich jetzt nur so für mich wissen.

„Naja, unter ein,zwei Monaten macht das Ganze sicherlich keinen Sinn. Sie ist teuer, ihre 12, wissen Sie. Da muss man sehen, dass man so viel wie möglich rausholt, wenn sie erst einmal eingearbeitet ist.“

„Eingearbeitet“, hallte es in meinem Kopf nach. Ich sah zu ihr runter, wie sie gehorsam dastand, die Hände auf dem Rücken. Am liebsten hätte ich sie gepackt, ins Auto getragen und wäre auf und davon mit ihr. Und augenblicklich kam mir diese Bemerkung vom Chef, dass ich auf mich aufpassen muss, fast prophetisch vor.

„Passen Sie auf“, erschreckte mich der Doktor förmlich, „wir machen einen kleinen Test, ob sie sich überhaupt eignet. Sollte sie den nicht bestehen, können Sie sie gleich wieder mitnehmen.“

Ein kleiner Hoffnungsschimmer keimte in mir auf. Was, wenn sie sie hier für ungeeignet hielten? Ich würde sie zurück in den Wagen tragen und mit ihr davonfahren können. Dann hätte ich sie bei mir bis zum nächsten Einsatz. Wie herrlich wäre das, dachte ich kurz, bevor ich aus meinen Träumen gerissen wurde, denn der Doktor hatte einen anderen Knopf gedrückt und das anschwellende Gebell zog meine Aufmerksamkeit auf sich.

„Klaus, lass mal vier oder fünf zu unserer Neuen in den Versuchsraum“,

wies er irgendjemanden an. Wenig später sprang der erste Hund durch eine Klappe zu Memori. Ein zweiter folgte und als der auch freudig mit den Vorderpfoten direkt an ihren Busen sprang, konnte sie sich nicht mehr halten und fiel zu Boden. Die Ketten an ihren Fußgelenken hatten verhindert, dass sie sich ausbalancieren konnte und nun lag sie, den beiden stürmischen Rüden ausgeliefert, wehrlos vor ihnen. Deswegen also die Fesseln, wurde mir schlagartig klar. Wie perfide, sie den ganzen Tag schon mit den Dingern rumlaufen zu lassen, nur um sie für diese eine Sekunde vollkommen chancenlos zu machen.

Während die Hunde sich auf die nackte Stelle zwischen ihren Beinen stürzten, sah sie sich hilfesuchend um und mir krampfte es in der Brust, weil ich ihr nicht helfen konnte. Bald waren es vier kräftige Hunde, die neben und auf ihr herumsprangen. Sie leckten sie im Gesicht an den Beinen und dazwischen. Sie hatte keine Chance, sich zu wehren. In ihren Zügen stand nackte Panik. Immerhin handelte es sich um Exemplare, bei denen man sich, wäre man ihnen in einem Park begegnet, besorgt nach einem dazugehörigen Besitzer umgesehen hätte. 

Mit ihren Pfoten und indem sie trotz aller Freundlichkeit rücksichtslos auf ihr herum trampelten, zerlegten sie ihre Strümpfe nun vollends und das Oberteil gleich mit. Sie hatte keine Sekunde, zu verschnaufen und konnte sich höchstens damit helfen, indem sie ihr Gesicht Richtung Boden wandte. Der Doktor drückte wieder das Mikrophon.

„Keine Angst,12. Sie sind alle freundlich. Kraule sie ein wenig. Dann beruhigen sie sich.“

Memori versuchte, gehorsam wie sie war, dem Rat des Doktors zu folgen. Ein zynischer Tipp, den er ihr da gegeben hatte. Wie sollte sie diese geballte Power und Lebensfreude, die um sie herumsprang durch Kraulen besänftigen? Einer war auf ihre Hüfte gesprungen und vollführte dort eindeutige Bewegungen in den luftleeren Raum. Ein anderer zerrte mit seinem starken Gebiss knurrend an ihrem kurzen Rock. Je mehr das Gewebe hörbar einriss, desto mehr seiner „Kollegen“ animierte er, sich seinem Spiel anzuschließen. Als drei der Rüden sie mit ihren starken Gebissen ein Stück weit über die Kacheln zogen, ließ sie einen kleinen spitzen Schrei los.

Plötzlich ertönte ein Pfiff und die Rüden merkten auf. Geklapper war zu hören, es musste wohl aus dem Zwinger gekommen sein und dann stürmten alle bis auf einen, der wohl Gefallen an Memori und ihrem Rock gefunden hatte und sie partout nicht loslassen wollte, zurück durch die Klappen. Ich konnte erst ein wenig aufatmen, als auch der endlich verschwand. Memori lag völlig orientierungslos und verstört am Boden.

„Ihre Sklavin ist tapfer und hat sich sehr klug verhalten. Haben Sie gesehen“,

begeisterte sich der Doktor, ohne sich weiter um die Frau und ihre offensichtliche Panik zu kümmern, die ihr immer noch im Gesicht geschrieben stand.

„Wirklich, alle Achtung! Sie hat nicht ein einziges Mal um Hilfe geschrien. Was hat sie denn für ein Temperament?“

wollte er mich ausforschen, hatte sich aber bereits an seinen PC gesetzt. Offensichtlich, um diese Informationen über Memori gleich schriftlich festzuhalten.

„Ich kenne sie auch erst seit ein paar Tagen, da kam sie von ihrem letzten Einsatz zurück“, musste ich eingestehen, „aber sie ist mir, wie gesagt, als die Gehorsamste von den Frauen beschrieben worden. Sie soll auch die Sanfteste sein. Ob sie auch mutig ist? Es sieht zumindest danach aus, oder?“

„Allerdings“,

gab mir der Doktor Recht.

„Ich hätte gewettet, sie plärrt uns den ganzen Hof zusammen. Stattdessen war sie mucksmäuschenstill. Das lässt sich wirklich sehr gut an.“

Ich spürte meine Enttäuschung bei den Worten des Doktors. Aber im Grunde hatte ich nicht wirklich damit gerechnet, dass Memori den Test nicht bestehen würde. Und weil der Doktor auf eine Reaktion wartete, stellte ich ihm die Frage, die mich beschäftigte

„Was sind das eigentlich für Hunde. Ich meine, ich kenne mich ja nicht aus, aber eine Rasse kann man nicht direkt erkennen, oder?“

„Rassen als solche spielen für uns keine Rolle. Wir wollen ja schließlich nicht züchten“, klärte er mich auf. „Sie sollten muskulös sein und nicht zu lange Läufe haben. Sie werden es vielleicht nicht glauben, eine Dogge sieht zwar so aus, als sei sie zwischen den Beinen da hinten am besten gebaut“,

er hatte kurz zwischen seine eigenen Beine gedeutet, um mir zu veranschaulichen, was er mit „da hinten“ meinte

„das stimmt aber keineswegs. Die niedrigen, muskulösen, die die im Verhältnis zu ihrer Größe ordentlich schwer sind, haben die festesten Schwänze.“

„Hm“,

konnte ich nur erwidern, als er fortfuhr.

„Und eine ansprechende Physiognomie müssen sie haben“, fuhr er fort. „Kräftige Körper, sanfte Augen. Dann entsteht automatisch Zuneigung der Sklavinnen zu den Rüden. Das ist mit Männern schließlich nicht anders. Die gut gebauten mit den sanften Augen, die schnappen uns doch die Besten Frauen immer weg," lachte der Doktor und sprach dann weiter."Sie werden sehen, wie auch ihre 12 da, wenn sie erst einmal Gelegenheit hatte, mit einzelnen der Rüden alleine zu sein, eine Art Liebe zu dem einen oder anderen entwickeln wird. Oder kennen Sie etwa Frauen, die nicht sofort auf einen Hund fliegen, solange sie keine schlechten Erfahrungen mit einem aus dieser Spezies gemacht haben?“

Ich ertappte mich dabei, wie ich die soeben vom Doktor in den Raum gestellten, ziemlich einfach klingenden Kriterien für den Beginn einer Liebe, in Bezug auf meine Person abcheckte. Einigermaßen beruhigt machte ich mir klar, dass ich es gegen erste Widerstände im Gefängnis erreicht hatte, meinen Hometrainer in die Zelle gestellt zu bekommen. Das führte dazu, dass ich mich zwar kaum noch auf den paar Quadratmetern bewegen konnte, aber wenigstens körperlich so ausgelastet war, dass ich die Gefangenschaft physisch und psychisch einigermaßen ohne große Blessuren überstanden hatte. Bücher ohne Ende und der Hometrainer, beides hatte mich gesund und positiv gestimmt gehalten. Und so konnte ich stolz von mir behaupten, dass ich nach Meinung dieses Pornoproduzenten hier, alle Voraussetzungen erfüllte, eine Art Liebe für mich zu entwickeln. Höchstens was die Sanftheit meiner Augen betraf, da hatte ich offen gestanden keine Ahnung.

Wahrscheinlich hatte ich den Doktor ungläubig angesehen, denn jetzt riss er mich erneut aus meinen Gedanken:

„Das glauben Sie mir jetzt nicht. Aber Sie werden sehen, die Sklavinnen können sozusagen gar nicht anders. Sie brauchen gar keine Liebesgefühle zu entwickeln. Die liegen bereits ganz tief in ihnen. Sie wollen Beschützen, entwickeln Zärtlichkeit und bieten sich wie automatisch als Spielpartnerinnen an. Alles sozusagen aus ihrem Instinkt heraus. Der Rest ist ein Kinderspiel.“

Sein Vortrag hatte mich gefesselt, nur hin und wieder fiel mein Blick auf Memori und lenkte mich etwas ab. in der Zwischenzeit stand sie wieder auf zwei Beinen. Es sah so aus, als lausche sie nach wie vor etwas verwirrt dem Gebell, dass offenbar noch immer, zwar verhalten aber wahrnehmbar, zu ihr drang. Und plötzlich sah es so aus, als wolle sie den Knopf an ihrem Rockbund öffnen. Sie nestelte an dem seitlichen Knopf  herum, als ich den Doktor fast hektisch ins Mikro rufen hörte.

„Anlassen! Anlassen, den Rock!“

Memori ließ sofort ab von dem kläglichen Rest ihrer Kleidung und stand wieder reglos und mit Armen auf dem Rücken im Raum.

„Ein durchschnittlich gebauter Mitteleuropäer kommt da sicherlich nicht ran", beantwortete er mir die Frage, die ich schon vergessen hatte. "Apropos, wie ist ihre Sklavin eigentlich gebaut, wissen Sie das? Sie sieht ja doch eher zierlich aus.“

Ich musste wohl mit den Schultern gezuckt haben. Auf eine solche Frage war ich natürlich nicht vorbereitet. Und woher hätte ich solche Details auch wissen sollen. Ein weiteres Mal musste ich zugeben, dass ich im Grunde keine Ahnung von der Ausstattung „meiner“ Sklavin hatte. Der Doktor sah in mein etwas verwirrtes Gesicht und lächelte.

„Dann finden Sie das doch einfach heute Nacht für uns heraus. Nehmen Sie sie mit auf ihr Zimmer. Aber lassen Sie ihr die Fetzen an, die noch übriggeblieben sind. Sie soll bis morgen ihren eigenen Geruch entwickeln und der hält sich in Stoff nun mal am besten, auch wenn davon nicht mehr viel übrig ist.“

Ich musste an das anregende Parfum denken, das Memori während der Fahrt im Innenraum des Wagens verströmt hatte. Es war ein pudriger, sehr angenehmer Duft gewesen. Genau passend zu ihrem Wesen, wie ich fand.

„Wie meinen Sie, „ihren eigenen Geruch“, fragte ich.

Sehen Sie, Hundenasen haben einfach andere Vorlieben als Menschen. Sie stehen auf unverfälschten, reinen Körpergeruch. Nutzen Sie also heute Nacht die Gelegenheit und sagen mir morgen früh, wie ich sie einstufen kann. Und keine Dusche danach. Denken Sie dran. Das werden Sie ihr doch untersagen können, oder etwa nicht?“

„Ja, natürlich, dafür kann ich selbstverständlich sorgen“,

wiederholte ich gedankenverloren und war etwas verlegen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Memori sollte mir gehören? Sie war devot, sie würde nicht „nein“ sagen können, soviel war fast sicher. Ich konnte nicht leugnen, dass mein Herzschlag mich aufmerksam auf meinen Allgemeinzustand machte.  Dieses wundervolle Wesen, für das manche einen Haufen Geld hinlegten, das sollte heute Nacht mir gehören. Wenn das mein Job war, dann wollte ich nie wieder eine andere Arbeit verrichten, dachte ich und freute mich auf ihre Brüste.

Die Stunden nach der Ansage des Doktors war ich dann auch dementsprechend nervös um den Hof herumgelaufen und hatte die Gegend etwas erkundet. Immer mit dem Gedanken an das Kommende. Der Doktor hatte mich weggeschickt, weil sie etwas ausprobieren wollten.

Später hatte ich Memori aus dem Vorbereitungsraum wieder zu mir geholt. Fast unverändert abwartend und hilflos hatte ich sie vorgefunden. Man sah ihr die bleierne Müdigkeit an, aber ihr Gesichtsausdruck entspannte sich, als sie mich erblickte und genau diese Geste war es, die sie mir noch ein wenig fester in mein Sentiment drückte.

Mit einer hilfesuchenden Geste, die mich erneut ohne Vorwarnung anrührte und zugleich in Erwartung des Kommenden erregte, schmiegte sie sich an mich, als ich sie wieder auf meine Arme nahm, um sie die paar Stufen hoch zu hieven. In der Küche, in der wir laut Anordnung des Doktors noch ein Abendessen vorfinden sollten, trafen wir die Frau wieder, die mir vorhin die Tür zum Versuchsraum aufgehalten hatte.

Hoffentlich wird Memori nicht mit ihr sprechen, und sie fragen, was hier ihre Aufgabe sein sollte, dachte ich. Aber diese leicht pummelige Frau war sehr schweigsam und servierte uns das Essen wortlos an dem großen Tisch. Sauerkraut mit Würsten und Kartoffelbrei gab es, offenbar ein zu deftiges Essen für Memori, in dem sie nur im Sauerkraut und im Kartoffelbrei etwas herumstocherte und einige Gabeln davon aß. Ich hingegen hatte das Gefühl, schon lange nicht mehr etwas so köstliches und Deftiges gegessen zu haben, als wir fertig waren und ich mir den Mund mit der Serviette abwischte.

„Hat es dir nicht geschmeckt“,

bat ich sie, mir zu antworten und nahm einen großen Schluck von dem köstlichen, kalten Bier, das mir die Rothaarige hingestellt hatte.

„Ich darf so etwas wie Würste oder Kartoffelbrei nicht essen. Aber das Sauerkraut war auch lecker“.

„Was steht alles auf deiner Verbotsliste?“

„Jede Art Wurst, Weißbrot, Kuchen, Sahne, Schokolade, Chips und sonstiges, das man so zwischendurch isst.“

Gesprochen hatten wir während des ganzen Essens sonst kein Wort. Die Rothaarige war die ganze Zeit neben uns gestanden und so hatte ich es vorgezogen, zu schweigen. Außerdem, was hätte ich schon mit ihr besprechen sollen? Das einzige, das mir durch den Kopf ging, waren die kommenden Stunden mit ihr und ihre Zukunft. Und darüber wollte ich auf keinen Fall reden.

Als ich sie nach dem Essen die Treppen hinauftrug, in das Zimmer, das man für mich vorbereitet hatte, genoss ich wieder den Duft ihrer Haare. Vor dem Bett stellte ich sie ab und ging zum Fenster, um hinaus auf den Hof zu sehen. Sie blieb einfach stehen und als ich mich umdrehte, sah ich in ihre geröteten Augen. Durfte ich sie eigentlich noch darum bitten, was mir im Grunde aufgetragen worden war? 

Aber dann sagte mir mein körperlicher Zustand ganz eindeutig, dass er keine Rücksicht mehr nehmen konnte. Sie war müde, ja, aber sie war auch devot genug, um ihre Bedürfnisse hinten an zu stellen.

 

 

 

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Kommentare

Hallo Alexander,

deine Geschichte von Trine und ihren Kolleginnen ist momentan der Hauptgrund, warum ich regelmäßig auf dieser Seite lande. Mir gefällt das Szenario, das du entwirfst, auch wenn ich es noch nicht ganz durchschaue und viele Fragen bleiben. Aber ich mag, wie du das Geschehen nach und nach enthüllst, wie du in Erinnerungen und Rückblenden, ebenso wie im gegenwärtigen Erleben allmählich ein Bild dessen entstehen lässt, was sich hier abspielt.

Eine Frage, die mich seit Beginn immer wieder umtreibt, ist die nach der Motivation der Frauen: Sie sind devot, ja, aber dennoch wüsste ich gerne, was sie dazu treibt, sich zu prostituieren. Was bindet sie an Charly? Warum streichen sie das Geld, das sie verdienen, nicht einfach selber ein? Und warum verzichten sie auf eine echte Liebesbeziehung? Ich bin gespannt, ob du uns noch Antworten auf diese Fragen enthüllst und sehe der Fortsetzung deiner Geschichte schon mit Neugier entgegen.

Herzliche Grüße,

Campanula

 

In reply to by Campanula

Moin Campanula,

das Interesse einer "Schreiberin" wie Dir, geht mir natürlich runter wie wohl temperiertes Rosenöl. Vor allem riecht es auch so gut.

Weißt Du, dass ich vor gefühlt hundert Jahren, genau an deinen Geschichten hier kleben geblieben bin wie eine kleine Mücke am Fliegenfänger? Ich erinnere mich da an eine, die - ich glaube - in einem Keller spielte? Bestechend ! Leider finde ich sie nicht mehr, weil es keine Suchfunktion mehr gibt und weil ich daher nicht weiß, wie ich all Deine Geschichten finden könnte. Vielleicht kannst Du mir den Titel noch einmal mitteilen?

Und Fragen, Fragen, Fragen hast Du. Das kommt mir sehr gelegen. Sollte doch die aller-aller-letzte Ungewissheit eines Lesers erst auf der letzten Seite aufgeklärt werden (wenn überhaupt). 

Also: gemach, gemach. Und gute Nacht meine Schöne.

Alexander

 

In reply to by Alexander

Hallo Alexander,

dass mein Name dir ein Begriff ist und dir meine Texte sogar in so positiver Erinnerung geblieben sind, freut mich natürlich sehr - und es überrascht mich auch. Schließlich ist es schon eine ganze Weile her, dass ich mich hier literarisch betätigt habe. Meine Geschichten sind relativ einfach zugänglich, wenn du mein Profil anklickst. Dann findest du sie auf der rechten Seite alle aufgelistet - diejenige, die du suchst, ist wahrscheinlich "Im Keller".

Mit meinen Fragen wollte ich auch nicht meine Ungeduld zum Ausdruck bringen, sondern dir eher verdeutlichen, dass du mich als Leserin "am Haken" hast. Ich mag es, wenn beim Lesen Fragen entstehen, wenn Figuren mein Interesse wecken und ich nicht schon im dritten Absatz weiß, wie die Geschichte enden wird.

Herzliche Grüße,

Campanula