UCS 2

 

Am nächsten Morgen saßen wir am Frühstückstisch, aNdrea hatte sich erholt und jUlia für ihre Schwester und mich den Tisch gedeckt. aNdrea war noch von der gestrigen Folterung ziemlich mitgenommen und sprach nicht viel, sah mich aber immer wieder vorsichtig an. Offensichtlich hatte mein Gewaltausbruch sie aus dem Gleichgewicht gebracht. jUlia hingegen plapperte munter gegen die gespannte Stimmung am Tisch an, stieß damit aber weder bei mir noch bei ihrer Schwester auf Gegenliebe.

Ich grübelte innerlich, warum ich eigentlich so eine schlechte Laune habe. Hatte sich nicht mein ewiger Traum von zwei jungen sexy Sklavinnen nur für mich erfüllt? Hatte ich mich nicht gestern Abend herrlich meinen Gewaltfantasien hingeben können? Was störte mich also jetzt daran, äußerst befriedigt und zufrieden am Tisch zu sitzen?

Könnte es seien, dass meine liberale Erziehung mir den Genuss am SM nahm? Fragte ich mich innerlich nach den Gefühlen meiner Gespielin, wenn ich mit Wachs und Nadeln traktierte? War ich vielleicht nur ein Weichei, ein Möchtegerne-Dom? Waren meine beiden Sklavinnen eventuell dominanter in ihrer Rolle als Subbys als ich in meiner Position als Dom? Gab es einen gravierenden Unterschied zwischen meinen Träumen vom Leben als Herr und der Realität mit zwei willigen jungen Frauen?

Nach zwei Tassen Kaffee regten sich meine positiven Lebensgeister wieder und ich beteiligte mich ernsthaft am Tischgespräch. jUlia wurde ebenfalls munterer und begann vorsichtig Fragen zu stellen. Eine der ersten ging nach meiner Beziehung zu ihren Eltern. Mich traf fast der Schlag als sie dabei von Edward Snowden und Anna Chapmann sprach. Woher wussten sie die Namen ihrer Eltern, insbesondere da es die echten Namen vor dem jeweiligen Abtauchen waren? iGor hatte mir doch versichert, dass seine beiden Augensterne nichts über ihre Eltern wussten!

Zusätzlich verwunderte mich die Tatsache, dass sie völlig unbefangen die inzwischen veraltete Namensschreibweise benutzten, welche im Rahmen der Globalisierung unserer Kulturen durch die in der Karibik gebräuchliche ersetzt worden war. Auf einer internationalen Konferenz der UN hatte man damals Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens vieler Kulturen weltweit vereinheitlicht. Gab es unterschiedliche Bräuche, entschied das Losverfahren. Bei der Schreibweise von Personenname fiel die Wahl damals seltsamerweise auf die Variante der Insulaner. Sie schrieben den zweiten Buchstaben des Namens groß und hängten den Nachnamen unbürokratisch dran. Eine Computerfirma hatte Anfang des Jahrtausends diese Form für ihre MP3-Player, Smartphones sowie Tablett-PCs übernommen und weltweit bekannt gemacht.

"Ähm, eigentlich sollten euch doch die Namen eurer Eltern unbekannt seien. Und ihr wisst sogar die Klarnamen? Kennt ihr euren Vater doch persönlich?"

"Ja klar. iGor wollte das zwar nicht, aber unsere Pflegeeltern waren für zwei neugierige Teenager einfach zu sorglos. Als wir begannen, uns über die leiblichen Eltern Gedanken zu machen, fanden wir zwar keinerlei Dokumente und Unterlagen bei ihnen. Allerdings waren auf ihren Kontoauszügen erhebliche Zahlungseingänge aus der Schweiz. jUlia hat sich dann mit einem Bankazubi angefreundet und der konnte uns die Daten des Kontoinhabers besorgen. Es hat dann einiger weiblicher List und unseres geballten körperlichen Einsatzes bedurft, aber dann hatten wir den Namen unserer Mutter gefunden. In alten Nachrichtenarchiven des Internets fanden wir dann die Liebesgeschichte zwischen Anna und Edward. Die Zeit passt und Bilder von Anna zeigten zwar keinerlei Ähnlichkeit mit uns, aber Annas Urgroßmutter war in ihrer Zeit eine bekannte Artistin. Ihr gleichen wir Zwillinge als ob sie unser dritter Zwilling wäre. Die Spur von Anna und Edward war gut, aber total kalt. Erst als wir in den internen Fahndungsunterlagen der Polizei Bilder von iGorVogel fanden, wussten wir was Sache war. Ohne die Bilder von Annas Urgroßmutter wären wir aber heute noch ahnungslos."

"Habt ihr euren Vater über seine Enttarnung mal informiert?"

"Nein, nie. Erst waren wir nicht sicher, später waren wir in einem Internat und als wir es dann wollten, wurden wir entführt sowie zu Sklavinnen deklariert. Wir hatte nie eine Chance ihn anzusprechen oder kennen zu lernen."

"Wisst ihr denn, wer euch entführt hatte?"

"Nein, richtig wirklich nicht. Während der kurzen Ausbildung zur Sexgespielin waren wir quasi achtzehn Stunden mit dem Lernstoff beschäftigt, da gab es keine Zeit für Privatgespräche. Einmal hat aNdrea zufällig eine Unterhaltung des Schulleiters mit einem Aufkäufer belauscht. Sie sprachen davon, dass wir vom Geheimdienst verschleppt worden waren und uns bereits ein Käufer erworben habe. Für uns völlig unerklärlich, wir hatten nichts mit dem Geheimdienst zu tun. Der Käufer warst ja dann du, warum eigentlich?"

"Sorry Mädels. Ich habe euch als Geschenk erhalten. Bis gestern wusste ich nichts von eurer Existenz. Klar habe ich iGor mal meinen schönen Keller gezeigt und ihm auch im Internet verschiedene Seite zu Thema gezeigt. Ich denke, er hat sogar mal auf bdsm-geschichten.net etwas intensiver die Beiträge verfolgt. Zumindest hat er diesbezüglich eines Abends beim Bier etwas angedeutet. Meine Gedanken waren frei, mein Keller ein unbenutztes Museum. Deshalb bin ich vermutlich auch so extrem mit dir, aNdrea, umgegangen. Aus heiterem Himmel hatte ich plötzlich ein Mädchen zum Spielen. Es war absolut geil, aber es tut mir Leid, wie ich dir wehgetan habe. Kannst du meine Entschuldigung annehmen?"

"Herr" sprach mich nun aNdrea demütig an, "Ich bin ein wertloses Subjekt und gehöre euch. Ihr dürft mit mir machen was immer euch beliebt. Im Unterricht der Sklavenschule haben wir deutlich unsere Position beigebracht bekommen. Ich habe keinerlei Willen oder Wünsche mehr. Ihr braucht euch nicht bei mir entschuldigen oder entschuldigt ihr euch auch wenn ihr einen Stein vom Gehweg kickt? Eine Stechmücke erschlagt? Ihr seid mein Herr, euer Wille geschehe."

"aNdrea, nein! Ich möchte euch nicht als Spielzeugpuppen ohne eigenen Willen oder Persönlichkeit haben. Ihr seid meine Sklaven, ja. Ihr macht was ich möchte, noch mal ja. Zusätzlich seid ihr aber zwei wunderschöne junge Frauen mit eigenen Träumen und Wünschen an euer Leben. Teilt diese mit mir und wir können dann besprechen, was wir davon verwirklichen können. Freiheit, Träume und Wünsche sind für Menschen wie Wasser für Blumen, ohne sie vertrocknen wir und sterben zu schnell."

"Aber wir sind deine Sklavinnen! Wir haben alle bürgerlichen Rechte verloren und du willst sie uns wiedergeben?"

"Nein, leider lässt unsere Gesellschaft eine Rückkehr aus dem Sklavinnenstatus nicht zu. Aber ich verfüge dank eurem Vater über einen beachtlichen Reichtum und kann mit euch daher vieles für euch ermöglichen. Allerdings gibt es einen Pferdefuß bei der Sache, euer Vater verlangt Enkelkinder. Also muss ich euch zu Müttern machen, könnt ihr euch vorstellen mit mir zusammenzuleben und sogar Kinder von mir zu haben?"

Die Mädchen schauten sich verwundert an. Erstmals seit sie gefangen wurden, fragte sie jemand nach ihren Wünschen. Ihr Herr hätte jedes Recht der Welt sie eine Schwangerschaft nach der anderen haben zu lassen bis sie ausgelutschte Karikaturen ihrer selbst geworden wären. Trotzdem fragte er sie um ihre Meinung als ob sie seine rechtmäßigen freien Lebensgefährtinnen wären. Sollte er es ernst meinen? Sie hatten eine gute Schulbildung genossen, beherrschten die guten Sitten und konnten sich in Gesellschaft benehmen, dank der Sklavenschule beherrschten sie auch, zumindest theoretisch, alle geläufigen Spielarten des Geschlechtlichen.

"Ihr braucht nicht weinen. Ich werde mit euch weiterhin Sex haben und auf diverse Brutalitäten könnt ihr euch auch gefasst machen. Ich will viel Spaß haben, bisher haben mich Frauen eher nur mitleidig angesehen, aber ihr habt mir den Jackpot mitgebracht. Nur habe ich Schwierigkeiten, euch als Vieh, Nutztier oder Sextoy anzusehen. Was immer möglich ist, damit ihr glücklich werdet, möchte ich euch von Herzen gern geben. Mein erster Vorschlag ist ein Umzug. Ich habe die Befürchtung, der Geheimdienst jagt noch euren Vater und wir wollen doch keinesfalls in einem Arbeitslager landen. Was haltet ihr vom Leben in einem ehemaligen Lustschloss der Herzöge von Holstein auf der Halbinsel Eiderstedt? Es ist sehr abgelegen und fast vergessen, aber wunderschön mit seiner Anlage. Ein großer Wassergraben mit Zugbrücke schützt es, aus den meisten Wohnräumen blickt man auf die Nordsee und es gehört ein halber Landkreis an Grundbesitz dazu. Jede von Euch könnte mir ihren Kindern und ihrem Personal in einem eigenen Flügel wohnen. Ich hätte den Mittelbau und damit genug Platz für Sport, Spiel und Spaß. Im Turm gibt es sogar ein mittelalterliches Gefängnis mit Folterkammer, ideal für unsere Bdsm-Neigungen."

"Glaubt du, Herr. Dort wären wir sicher? Der Geheimdienst könnte uns doch auch dort finden?"

"Ich denke nicht. Wir haben, dank der Kontakte eures Vaters neue Papiere und eine saubere Legende, die uns als entfernte Verwandte des dänischen Königshauses ausweist. Dank dieser Tarnung haben wir sogar eine gewisse diplomatische Immunität. Das sollte reichen und mich armen Schlucker sucht bestimmt niemand mit Verstand in den Kreisen des Hochadels. Euch dürfte weder der inländische noch ein ausländischer Dienst kennen und suchen."

"Uns dürfte nun wirklich niemand suchen, aber dein Vorschlag klingt wirklich gut. Ich hätte schon Lust auf ein Leben mit Kindern und einem Mann, auf den ich mich verlassen kann. Auch wenn das bedeutet, dich mit meiner Schwester jUlia teilen muss. Wie viele Kinder möchtest du denn von uns? Und wann? Dürfen wir mit entscheiden oder bestimmst du allein?"

"Nein, es ist mir wichtig euch so viel Normalität wie möglich zu bieten. Ich wäre ohne die Großzügigkeit eures Vaters nie in diese Lebenssituation mit zwei Sklavinnen und Kohle ohne Ende gekommen. Warum er euch mir als Sklavinnen geschenkt hat, keine Ahnung. Ich habe ihm mal an einem bierseligen Männerabend von meinen Träumen über SM und eine eigene Sklavin erzählt, aber bisher waren das wie gesagt nur Träumereien. Ich finde es toll, wie es jetzt ist. Allerdings ist es mir wichtig, eure Persönlichkeiten nicht zu zerstören."

"Du willst uns also sowohl als Freundinnen wie auch als Sklavinnen. Möchtest als Herr ohne Einschränkung über uns bestimmen und gleichzeitig sollen wir zwei normale Mädchen darstellen. Keine Seite hat zwei Medaillen, könnte es sein dass du gar nicht wirklich ein Dom bist, sondern eher ein Poser? Wir sollen dir als Spielzeuge gehorchen, aber du möchtest nicht die Verantwortung dafür tragen? Wie geht das?"

"Ja, da hat meine Schwester recht. Deine Idee funktioniert nicht. Du kannst mich nicht mit Wachs und Nadeln quälen sowie in die Zelle sperren. Wie reagierst du denn dann, wenn ich in der Zelle plötzlich mental umschwenke und nach Hamburg zum Shoppen möchte? Eben hast du mich noch dominiert und nun darfst du mich zur Mönckebergstraße chauffieren, kriegst du das hin?"

Puh, die Beiden scheuten sich nicht unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Meine Selbstzweifel waren wieder da und ich fühlte mich ziemlich deprimiert. Als meine Augen dann noch überfeucht wurden, rannte ich aus der Küche in mein Schlafzimmer. Shit, ich hatte mir das Alles jahrelang wunderbar ausgemalt und mit meiner inneren rosa Brille gesehen. Nun zeigten mir zwei gerade achtzehn Jahre alte Zwillinge meine Grenzen auf. Ob ich mich umbringen sollte?

 

Zur Abwechslung heute nur kurz gefragt: Weiter?

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Kommentare

...ist der Gott seiner Geschichte. Und was ist das für ein Gott, der die Bewohner seiner Welt nach jeder Umdrehung fragt; "Noch ne Runde?" Und was fängt er mit der Antwort an? Wenn von acht Milliarden Menschen deren 2 sagen "ja", 1.9 "nein" und der Rest "ist mir egal", oder "ich hab die Frage nicht verstanden"? Wie entscheidet er dann?

Okay, vermutlich hat diese Geschichte eher unter 8 MIlliarden Leser, aber das Problem ist dasselbe. Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn jemand weiss, ob du die Geschichte weiterschreiben sollst, dann nur du selber. Ich persönlich kann unabgeschlossene Mehrteiler absolut nicht ausstehen, deshalb finde ich, falls man unsicher ist, ob man weiterschreiben wird oder nicht, sollte man jeden Teil so enden lassen, dass es auch gleich der Abschluss der ganzen Geschichte sein könnte....

Die zweitletzte Frage in dieser Folge: "Soll ich mich umbringen?" würde ich hingegen mit einem klaren "Nein" beantworten. Der Tod holt uns früh genug, da brauchen wir nicht nachzuhelfen. Und das Sterben würde deinen Protagonsiten der Möglichkeit berauben, noch etwas Sinnvolles zu tun, zum Beispiel jUlia und aNdrea behilflich zu sein.

Die Erklärung für das Rätsel der nAmen ist witzig, und mit Snowden kommt Aktualität rein, also alle Bausteine für einen Thriller sind vorhanden. Dein immer leicht distanzierter, ironischer Stil führt allerdings dazu, dass man nie allzu betroffen von den Grausamkeiten ist, die du ja im Grunde beschreibst. Die Diskrepanz zwischen Form und Inhalt sollte m.E. nicht allzu gross werden, sonst entsteht "Unruhe" im Leser, der sich über diesen "falschen Ton" aufregt. Etwa so, wie wenn dir jemand freundlich lächelnd die Faust in die Magengrube rammt.