Unerwartet Teil 1

 

Es ist schon spät, kalt und dunkel. Dennoch laufe ich durch die verlassenen Strassen und hänge meinen Gedanken nach. In manchen Häusern brennt noch etwas licht. Bei der Bushaltestelle, an der ich nach langer zeit wieder auf IHN traf, setze ich mich auf die kleine Bank und denke über unsere gemeinsame Zeit nach. Hier ist er damals aus dem Bus gestiegen.

Fast 8 Jahre ist es schon her. Ich war mit Freundinnen in der Disco und fuhr mit der Nachteule wieder nach Hause. Ich setzte mich nach ganz hinten. Da es noch nicht sehr spät war, gab es noch nicht sehr viele die mit dem Bus fuhren.

Ich bemerkte ihn erst gar nicht. War mit meinen Gedanken schon so gut wie zu Hause. Das Erste was ich bemerkte, war sein Starren. Er hatte sich so hingesetzt, dass er mir direkt ins Gesicht blicken konnte. Als ich zu ihm auf sah, grinste er mir mit einem funkeln in den Augen ins Gesicht, welches mir eine Gänsehaut verschaffte.

An der nächsten Haltestelle stand er auf und verabschiedete sich mit den Worten: „Wir werden uns wieder sehen Jana“.

Ich war wie vor den Kopf geschlagen! Wer war dieser Typ und wieso kennt der meinen Namen? Der kann doch nicht einfach abhauen und mich hier so sitzen lassen, ohne zu erklären woher er mich kennt!

Die ganze Nacht über habe ich kein Auge zu gemacht. Ständig kreisten meine Gedanken um diesen Unbekannten der meinen Namen kannte, ich aber nicht seinen. Er schien groß zu sein, dunkle, fast schwarze, kurze Haare und dunkle Augen. Aber egal wie lange ich in meinen Gedanken auch suchte, nirgends konnte ich diesen Mann finden.

Wochen lang fuhr ich jeden Freitag und jeden Samstag mit der Nachteule. Immer die gleiche Strecke. Ich wollte ihn unbedingt wieder sehen um heraus zu finden, wer dieser Typ ist! Man glaubt gar nicht, was einem so alles passiert, wenn man nachts mit einem Discobus durch die Gegend fährt oder was für Menschen man so begegnet. Nur dieser eine Mann war einfach nicht dabei.

Erst ein halbes Jahr später sollte ich ihm wieder begegnen. Auf der Geburtstagsfeier meiner Freundin war er plötzlich da. Ich saß auf dem Sofa und er kam rein und grüßte ganz allgemein, sah aber nur mich an. Er schaute mir direkt in die Augen und mein Körper durchlief ein regelrechter Schauer bei diesem Blick. Diese dunklen Augen schienen einen regelrecht zu durchleuchten. Ich hatte das Gefühl, er schaut mir direkt in die Seele und kennt jeden meiner Gedanken.

Mich durchfloss es heiß und kalt als er sich direkt neben mich setzte. Er beugte sich ganz nah zu mir herüber und sagte leise, „Ich habe dir gesagt, dass wir uns wieder sehen werden Jana.“

Ich war immer noch zu geschockt. Konnte nicht glauben ihn nach all den Wochen und vergebenen Busfahrten, ihn doch wieder zu sehen. Es dauerte bestimmt 2 oder 3 Minuten bis ich endlich meinen Mund auf bekam. „Woher kennst du mich?“

Er schien mich zu mustern. Schaute mich von oben bis unten an und grinste mir ins Gesicht. „Es wird dir schon noch einfallen meine Liebe.“ Und wieder kam ich mir wie vor den Kopf geschlagen vor. Warum sagt er es mir nicht einfach. Er wirkt so unnahbar. Und das obwohl er mich so durchdringend musterte. Irgendwie fühlte ich in seiner Nähe so klein und hilflos. Wusste einfach nicht wie ich reagieren sollte und fragte einfach nur „Wie heißt du?“.

 

Wieder dieses Grinsen. Und wieder durchlief mich dieser Schauer. Wenn er mir nur nicht so in die Augen starren würde.

„Hey Michael. Darf ich dir meine Freundin Jana vorstellen?“, kam es plötzlich von meiner Freundin.

„Danke Maja, aber ich erinnere mich noch sehr gut an Jana!“

Michael. Michael Stein, er ist der Bruder meiner Freundin. Er war 8 Jahre im Ausland, deshalb habe ich ihn auch nicht erkannt und nun viel es mir siedendheiß ein. Ich verstehe nur nicht warum er nix gesagt hatte. Wir hätten uns doch schon vor Wochen in diesem Bus unterhalten können. Aber er wollte es wohl nicht.

Zum Glück wurde Maja gleich wieder an anderer Stelle beansprucht, sonst wäre ihr auch noch aufgefallen, wie geschockt ich über die Info war.

Wieder musterte er mich und immer noch mit diesem Grinsen. „Es scheint mir, als wäre dir eingefallen wer ich bin.“ Als wenn er meine Gedanken lesen könnte. Es war keine Frage! Er wusste einfach, dass es mir eingefallen ist und deshalb brachte ich auch nicht mehr als ein, „Ja“, heraus.

„Gut Jana, dann brauchst du ja auch nicht mehr jedes Wochenende Bus fahren, um mir zu begegnen.“ Ich glaube das mein Mund weit offen stand. Woher wusste er das schon wieder? Im Erdboden wollte ich versinken.

„Wie kommst du darauf, das ich jedes Wochenende wegen dir Bus fahren würde?“

„Ich habe dich beobachtet Jana.“

Mich schüttelte es. Warum sagt er nicht einfach was er will, oder warum er mich beobachtet hat?

„Ich werde jetzt gehen.“

Plötzlich packte er mir ans Kinn und hielt meinen Blick mit seinem fest.

„Am Samstag werde ich dich um 20 Uhr abholen. Zieh dich hübsch an!“

Er ließ mich los und ging.

Ich fasste es nicht. Wut stieg in mir hoch. Wie konnte er nur davon ausgehen, dass ich mich darauf einlasse? Einfach zu glauben, das ich überhaupt Zeit habe? Gehen ohne sich überhaupt mit mir zu unterhalten oder meine Fragen zu beantworten?

Ich hatte das Gefühl immer noch seine Hand an meinem Kinn zu spüren. Und diese Ausstrahlung, der man sich nicht entziehen kann.

Ich verabschiedete mich mit einer höflichen Ausrede bei meiner Freundin und ging nach Hause. Ich brauchte Ruhe um über Michael nach zu denken!

Wieder einmal verschaffte mir dieser Mann eine schlaflose Nacht. Aber diesmal anders. Wenn ich an seine durchdringenden Augen dachte, an seine Hand an meinem Kinn oder nur allein schon an seine Nähe, fühlte ich so ein Kribbeln in mir.

In der Woche bis zum darauf folgendem Samstag verging ohne besondere Aufregung. Bis auf das Michael ständig in meinen Gedanken war.

Warum machte ich mich eigentlich für dieses Treffen fertig? Ich habe sogar viel Zeit damit verbracht mich zurecht zu machen. Vor allem schon die Frage, was man anziehen soll, wenn man nicht weiß wohin es geht.

Was Schickes hat er gesagt. Ich entschied mich für etwas Schlichtes. Einen schwarzen langen Rock und eine einfache schwarze Bluse. Hautfarbene Strumpfhose und schwarze Sandaletten. Meine langen blonden Harre steckte ich mir hoch. Wenn ihm daran was nicht passt, hätte er sich ja besser ausdrücken können.

Ich erschrak regelrecht, als es pünktlich um 20 Uhr klingelte. Schnell nach der Handtasche geschnappt, machte ich mich auf den Weg nach unten.

Er stand an seinen Wagen gelehnt da und musterte mich von oben nach unten. Als wenn er mich mit seinem Blick ausziehen wollte. Ich spürte Erregung bei diesen Blicken. Wie schafft er es nur, mich so zu verwirren?

„Steig ein Jana“, sagte er und hielt mir die Tür auf.

Ich stieg in den Wagen. Warum kann ich bis heute nicht sagen. Aber schon damals hatte er diese Wirkung auf mich, der ich mich einfach nicht entziehen konnte. Von Anfang an habe ich gemacht, was er wollte.

Die Wagentür schloss sich und er stieg auf der Fahrerseite ein. Er fuhr mit mir etwas außerhalb zu einem Haus, das mir schon von außen die Sprache verschlug. Es sah aus wie eine kleine Mini-Villa. Anders kann ich es nicht beschreiben.

„Wo sind wir?“, wollte ich wissen. Doch eine genaue Antwort sollte ich nicht bekommen.

„Ich will dir heute ein wenig etwas über mich zeigen Jana. Es ist eine Seite von mir, die dich vielleicht schockieren wird. Wir werden hier an einer kleinen privaten Feier teilnehmen. Bitte sieh dich einfach nur um und schau dir alles genau an. Ich werde die ganze Zeit über bei dir bleiben.“

Was meint er nur damit? Warum sollte mich eine Feier schockieren? Mit seinen Worten machte er mich mehr als nervös und dennoch folgte ich ihm, als er meine Hand nahm und mich mit zum Eingang zog.

Bewertung

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Kommentare

Schön und spannend geschrieben, gefällt mir gut.

Irgendwie hoffe ich auf ein Happy End aber ich lass mich auch überraschen.

Schreib schnell weiter!

getraut hast Süße. Ich kannte dein Werk ja schonvorher und auch wenn sicher Entwicklungspotential drin ist, finde ich es gut geschrieben und sauber umgesetzt. Bitte setze es fort und schreibe weiter, denn das macht den wahren Schriftsteller aus. Er entwickelt einen Bezug und eine Liebe zu der eigenen Geschichte, taucht in sie ein und findet sich selbst darin wieder. Gelingt dir das, entsteht hier eine wunderschöne Geschichte und sicher eine interessante Beziehung zwischen Maledom und Femsub. 

Drück Dich! 

Deine Sena

...der fast-Unbekannte, der sein offensichtliches Interesse zeigt und sich beinah als Stalker aufführt und genau weiss, wann sie welchen Bus nimmt. Unheimlich, und doch ist sie fasziniert von ihm. Der Leser ahnt, auf was für eine Art von Feier es gehen wird, aber da stutze ich dann schon. Würde sie das wirklich tun? Würde nicht erst ein "normales" Treffen stattfinden müssen?

Für einen handfesten Cliffhanger hättest du die Feier in diesem Teil schon beginnen lassen müssen :-)

Orthographie: Ein paar "das" mit "dass" verwechselt, mindestens einmal "fiel" mit "viel" und ein kleines Säckchen Kommas könnte auch noch hilfreich sein ;) Ansonsten gut lesbar.

Bin gespannt, wie es weitergeht

 

Liest sich nett und läßt Erwartung aufkommen für die Zukunft, gefällt mir.

Gute Idee. Besionders gefällt mir der spannende Einsteig und die szenenhafte Schilderung. High Five gebe ich dir dafür ;-)

 

Natürlich hab ich auch versucht was zu Meckern zu finden und da sind besonders aufgefallen

a) viele Wortwiederholungen; in einer Zeile sogar ein ganzer Satz  (Ich bemerkte ihn erst gar nicht.  ... . Das Erste was ich bemerkte,)

b) Wortwahl

- Gäsehaut verschaffte

- Bei der Bushaltestelle

- Ich fasste es nicht

-  In dem Absatz "Das erste was ich bemerkte" starrt und blickt er,  sie sieht ihn an und er grinst dann mit funkelnden Augen; ein bischen viel und auch etwas widerprüchlich. Abgesehen davon, muss unbedingt Starren das erste sein, was ihr auffällt? 

uws

 

Im Gegensatz zu salomé  finde ich der Cliffhanger ist zwar sehr gut plaziert, du gibst dir völlig freie Hand die Geschichte weiterzuenwickeln, aber ich finde die Story ist zu kurz.  Außderdem seh ich auch nicht unbedingt einen Stalker am Werk.

... in eine (wahrscheinlich) Liebesgeschichte. Deine Beschreibung ihrer Unsicherheit, seines bestimmten Auftretens und damit Durchblicks, genau so wie Frau es sich wünscht. Am gemeinsten aber auch gelungendsten seine Feststellung, dass sie auf der Suche nach ihm war. Wir wollen doch so gerne undurchschaubar sein und sind leider doch offen wie ein Buch, zumindest für diese Sorte Mann, der gleichzeitig auch ein bisschen düster wirkt. So richtig was zum mehr lesen.  ;-)

und das Geheimnisvolle sind fast mit Händen zu greifen und machen Lust auf mehr. Auch der Cliffhänger gefällt mir. Für eine Bewertung möchte ich noch etwas mehr in die Geschichte eintauchen und freue mich auf die Party in Teil 2.

Du bist perfekt in die Geschichte gestartet, sie lässt sich gut lesen und macht Lust auf mehr. Ich bin sehr gespannt wie es weiter geht.

Ich finde es als Erstgeschichte sehr schön geschrieben und es macht spaß es zu lesen!

Bin gespannt wie es weiter geht!

Ich finde es toll, dass es nicht extrem zur Saache geht. Das läßt Raum für mehr :-)

LG

Bee

und Michael kommt geheimnisvoll rüber, auf der Party bleibt er mir aber zu blass, um gleich mit ihm auszugehen. Da hätte ich mir mehr von ihm gewünscht. (z.B Kennt er ihren Lieblingsdrink und kann er ihn korrekt mixen ?) Lieber noch mehr von diesem scheinbar so allmächtigen Wissen. Das er weiß, dass sie jeden Samstag Bus fährt, fand ich super, aber dass er zugibt, sie beobachtet zu haben, wirkt auf mich eher schwach. Diese Info sollte er für sich behalten, weil es ihn noch geheimnisvoller macht.

Sprachlich sind mir auch die von borderl1ne schon angesprochenen Dinge aufgefallen. Höhepunkt hier ist für mich die "kleine Mini-Villa" Steht neben an eine große Riesen-Villa? ;-)

Aber alles in allem so, dass ich mir morgen auf jeden Fall Teil zwei durchlesen werde.