Unverhoffter Abend

 

Entspannt stand ich vor dem Spiegel und machte mich bereit für eine spontane Nacht hinterm Tresen. Ich freute mich auf all die Leute, denen ich in dieser Nacht begegnen würde.
Heute stand eine Veranstaltung an, die ich eigentlich viel lieber zusammen mit meinem Herrn vor dem Tresen verbracht hätte. Aber leider hatte er schon sehr lange im Voraus angekündigt, das er an diesem Wochenende leider keine Zeit für mich hätte.
Also habe ich, statt mit meinen Mädels um die Häuser zu ziehen oder gar alleine zu Hause zu hocken, diesen Dienst angenommen, als ich gefragt wurde, ob ich Zeit hätte für einen ausgefallenen Kollegen einzuspringen.
Man gönnt sich ja sonst nichts.

Pünktlich stand ich vor dem Personaleingang. Ging in die Umkleide und packte meinen Krempel in den Spind. 
Small Talk in der Küche, die "üblichen Verdächtigen" an Barkräften und der Koch. 
Ich wunderte mich zwar ein wenig, das wir scheinbar mehr Bar Personal waren wie nötig, denn für diesen Abend waren nur zwei Bar Bereiche eingeplant, wie immer. Dann ging es an die Verteilung. Alle bekamen ihren Bereich zugewiesen, nur ich blieb übrig. 
Auf meine Frage an die Teamleitung, welchen Barbereich ich denn betreuen würde, bekam ich nur ein breites Grinsen und die Antwort: "Warte mal eben. Ich hab da was für Dich." 
Er drückte mir eine geschlossene Tasche in die Hand und meinte dann, immer noch grinsend zu mir: "Nimm Dein Smartphone, nimm Dir ein Glas Wein und entspann Dich."
Ich guckte ihn an und guckte dann auf die Tasche. Mein Blick hatte wohl verraten, das ich neugierig auf den Inhalt dieser Tasche war. 
"Du darfst die Tasche erst öffnen, wenn Du eine entsprechende Nachricht bekommst!"
Mit diesen Worten drehte er sich um und ließ mich ratlos und voller Fragen in der Küche zurück.
Ich stellte die Tasche vor mich auf den Boden und schob sie dann mit dem Fuß unter einen der hohen Tische. Dann ging ich nach vorne und schenkte mir ein Glas Weißwein ein.
Was wird das?
Eine Verschwörrung? 
Ich setzte mich mit meinem Glas Wein in eine der Lounge Ecken und beobachtete, wie das eingeteilte Team die Bar startklar machte. Saß einfach nur da und fragte, mich was das sollte.
Dann der Ton vom Smartphone – sein Benachrichtigungston.
Eine Nachricht von meinem Herrn.
Ich las seine Nachricht:
"Ich möchte, das Du um 21.30 Uhr die Tasche öffnest und um 22.00 Uhr, wenn vorne die Türen aufgehen, damit nach hinten gehst, Dich umziehst und dann dort auf meine nächste Nachricht wartest!"
Erneut entfachte sich wieder diese Neugier auf den Inhalt der Tasche.
Gehorsam blieb ich sitzen, trank in Ruhe meinen Wein weiter und beobachtete dabei gebannt wie sich die Zahlen auf dem Display vom Smartphone immer mehr der Uhrzeit näherten.
Es dauerte noch ungefähr eine Viertelstunde. Ich wurde unruhig. Verdammte Neugier! 
Nach einer gefühlen Ewigkeit, stimmten nun die Zahlen auf dem Smartphone.
21.30 Uhr – ich erhob mich und ging mit dem restlichen Wein wieder in Richtung Küche, zur Tasche zurück. 
Mir wurde klar, das ich scheinbar in eine Art Falle gelockt worden bin.
Mit dieser Erkenntnis in mir ging ich am Tresen vorbei, wo mein Kollege mich breit angrinste: "Show Time Baby!?" 
Also wusste auch er mehr und womöglich auch was auf mich zukommen könnte.
Ich versuchte mein Pokerface aufzusetzen, um ihm nicht die Zunge auszustrecken und ihm meinen Mittelfinger zu präsentieren – eine derartige Aktion hatte mir in der Vergangenheit immerhin schon einmal eine öffentlich Bestrafung mit 30 Schlägen auf einem Strafbock eingebracht.

Endlich!! 
21.30 Uhr.
Ein wunderschönes schwarzes "Kleid der O" – fließender Stoff in Wet Look, ein Fesselset in unserer Farbe, Halterlose und eine Augenbinde.
Mein Puls fängt an zu rasen, mein Herz schlägt schneller und in meinem Bauch kribbelt die Vorfreude auf das was passieren wird.
Ich fange an zu ahnen, das meine Theorie mit der Falle wohl nicht ganz verkehrt war.
Mein Sadist hat sich mit meinen Kollegen verbündet!
Der Countdown läuft – mein Countdown.
Dann die laut hörbare Ansage an das Team: Alle auf Position – Tür auf – Party on!
Ich verschwinde in die Personal Umkleide, entschließe mich aber dann, das ich mich auf der Toilette umziehen werde, falls doch noch jemand von den Kolleginnen oder Kollegen reinkommt.
Fertig angekleidet, mit angelegtem Fesselset bewunder ich meine heutige Aufmachung in der Spiegelung der Fensterscheibe.
Die Sub in mir erwacht aus ihrem Dämmerschlaf.
Dann wieder der Ton vom Smartphone – sein Benachrichtigungston.
Die nächste Nachricht von meinem Herrn:
"Geh in die Halle zu den anderen Subs! Wenn ihr präsentiert werdet, wirst Du dir die Augenbinde aufziehen und Dich dann in einer angemessenen Position, in der Du lange aushalten kannst, warten!"
"Dein Wunsch – mein Befehl", anworte ich ihm, bevor ich mein Smartphone für den Rest des Abendes einschließe.
Ich spüre eine leichte Unsicherheit in mir, aber auch das Vertrauen, was ich ihm gegenüber habe.
Fesselset überprüfen. Ja, es sitz alles und sieht verdammt gut aus.
Und raus.
Ich gehe mit den anderen Subs in die Halle. Es folgen die üblichen Erklärungen, ich kann sie schon fast mitsprechen, so oft wie ich sie schon anhören durfte.
Dann geht es für alle wieder raus.
Ich suche mir einen Platz, lege meine Augenbinde an und begebe mich in meine Position.
Ist er schon da?
Beobachtet er mich und die, die länger bei mir stehen bleiben, wieder ganz genau, so wie er es immer macht?
Was hat er diesmal vor?
Ich höre Schritte. Schritte die vorbei gehen oder auch mal kurz oder sehr lange stehen bleiben.
Eine gefühlte Ewigkeit vergeht, kein Zeitgefühl mehr.
Meine Sinne bestehen inzwischen nur noch aus Hören, Riechen und Fühlen – ich versuche mich zu konzentrieren.
Versuche zu erahnen.
Dann werden die Herren aufgefordert ihre Subs abzuholen.
Ich werde nervös!
Ich werde unruhig!
Werde ich abgeholt?
Von wem werde ich abgeholt? 
Das Gefühl ein Restposten zu sein, wächst in mir. Und ich ahne sehr genau, das ihm das durchaus bewusst ist und das er es genießt – elender Sadist!
Ich spüre – jemand steht nun direkt neben mir.
Dann klickt es an meinem Halsband.
Er berührt mich und zieht mich dann vorsichtig hoch. 
Erleichterung macht sich in mir breit.
Er ist da! Ich bin in Sicherheit.
Er hält mich solange fest, bis er sich sicher ist, das ich wieder sicher auf meinen Beinen stehen kann.
Er führt mich und ich folge und vertraue ihm blind.
Zum Aufwärmen und zur Begrüßung fixiert er mich auf dem Strafbock.
Ich höre, wie er seine Tasche öffnet, streicht mit einer Gerte über meinen Körper – Gänsehaut breitet sich aus.
Ich spüre seine Lippen ganz nah an meinem Ohr:
"Vertraust Du mir?"
"Ja mein Herr."
"Gut so mein Miststück!"
Ich höre förmlich sein Grinsen und ich spüre, wie er seine inszenierte Überraschung in vollen Zügen genießt. Dann beginnt er mit sehr leichten Schlägen, die ich immer als zärtliches Streicheln werte, da ich die beißenden Schmerzen liebe und für mich brauche.
Er steigert die Schlaghärte, ich fange an zu genießen, merke dabei wie ich anfange abzuheben.
Als er aufhört, komme ich langsam wieder runter.
Ich höre, wie er mit jemanden redet:
"20 Schläge. Mehr nicht! Und ich kann und werde dich jederzeit stoppen, wenn ich sehe, das es nicht funktioniert."
Er stellt sich vor mich, drückt mein Gesicht fest an sich. Und ich weiß er wird den- oder diejenige sehr genau beobachten, während er mich liest. 
Dann der erste noch zaghafte Test Schlag. Zwanzig hatte er ausgemacht.
Ich zähle in Gedanken mit. 
Ab dem zehnten Schlag hat er oder sie ihren Rythmus gefunden.
Bei zwanzig stoppt mein Herr: "Stopp!"
Er löst meine Fixierung und zieht mich fest an sich: "Sehr gut gemacht!"
Er gibt mir einen Kuss auf die Stirn und führt mich dann weg.

Zurück im Barbereich. Dort ist er so gnädig und löst die Augenbinde. 
Ich bestelle unsere Getränke und wir ziehen uns in den Raucherbereich zurück.
Als wir nebeneinander am Tisch sitzen, kann ich mir ein Grinsen nicht mehr verkneifen:
"Du elender Sadist! Ich hasse Dich."
Er lacht und ich sehe ihm an, wie sehr er dieses Spiel bis hierher genoßen hat und ahne bereits, das das für heute Nacht noch längst nicht alles gewesen ist.
Ich merke ihm an, das er Ideen im Kopf hat und sie alle umsetzen werden wird.
Fragen erspare ich mir, denn ich werde – wie immer – keine Antworten in verbaler Form bekommen.

Bewertung

4 Votes with an average with 4.3

Kommentare