Valentin

Die Kerzen hüllen den Raum in flackerndes Licht. Die Schatten, deiner und meiner, tanzen an der Wand. Leise pfeift der Wind, Eiskristalle an den Fenstern, Rosen auf dem Bett.

Blind wie du bist, hebe ich dich auf das Bett. Dein Stöhnen folgt, deinen Kopf legst du in den Nacken, krallst dich am Laken fest.

Genießend schaue ich dir zu, koste dein Leid aus. Du wirst ruhig, die Dornen sind in deine Haut eingedrungen, du entspannst, wirkst abwesend. Die vereinzelten Blätter liegen neben dir, die Farbe rot.

Ich führe die Ketten zu deinen Manschetten, du streckst dich mir helfend entgegen, öffnest dich bis zur Bewegungslosigkeit. Deinen Körper bewundernd streichle ich deine zarte gezeichnete Haut. Gänsehaut ist deine Antwort.

Mein Mund geht auf Reise, meine Zunge kostet deinen Geschmack, meine Nase nimmt deinen Duft wahr. Eine Mischung aus Erregung und leichtem Seifengeruch. Ich wandere, erreiche deinen Schoß, schenke dir Zärtlichkeit, ein wenig nur.

Das Kodan verteilt sich, die Partikel landen auf deiner Haut, du riechst es. Du bist wissend, du atmest tief ein, hältst die Luft an, atmest langsam aus. Die Stelle, an der ich war, bestücke ich. Langsam dringt die Spitze ein, ich führe sie, durchstoße deine Haut. Weitere Hohlnadeln folgen ihr, deine Schamlippen sind mehrfach durchdrungen.

Mit einer Kanüle ziehe ich die Spur bis zu deinen Brüsten. Deine Haut zeigt, teilweise blutig schimmernd, den Weg, du lächelst geknebelt.
Noch langsamer als zuvor geht der Stahl unter deine Haut. Bevor sie austritt halte ich inne, sehe wie sie langsam zum Vorschein kommt, wieder auftaucht, nach außen dringt. Vielfach wiederhole ich es, habe viel Zeit und noch mehr Material.

Ich erschaffe ein Kunstwerk, zeichne dich anders, folge der Symmetrie. Alle Nadeln zeigen auf eine Stelle, dein Bauchnabel ist mein Bezugspunkt, ich genieße dein Bild, halte es fest. Du nimmst das Klicken des Auslösers nicht wahr, bist in deiner Welt gefangen.

Erneut desinfiziere ich dich, dein Mund verzieht sich, ich weiß um das Brennen, nutze mehr als notwendig ist. Ich befreie dich, helfe dir auf und du kniest dich auf dem Boden vor mich. In deinem geöffnetem Mund vergehe ich mich, entferne blind einige Nadeln. Fühle dein klebriges Blut, rieche es.

Mein Samen wandert deine Speiseröhre hinab, die Nadeln verlassen dich, das letzte Brennen beendet es.

Bewertung

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Kommentare

Ich verstehe nicht, wieso diese Geschichte nur 2,4 Sterne hat.

Ja sie ist kurz - aber es steht Kurzgesschichte drüber.

Ja, Hohlnadeln etc. sind nicht Jedermann und Jederfau Sache - aber es steht Kliniksex drüber.

 

Aber Sie ist mit einer wunderbaren und vornehmen Wortwahl und einer tollen Satzstellung geschrieben, die wahrlich nur wenige Menschen beherrschen. Ja, sie mutet fast schon wie ein Gedicht an.

 

Also von mir volle 6 Sterne und die Hoffnung, noch mehr in dieser Richtung lesen zu dürfen.

 

Liebe Grüsse

Bianca

Hallo Total,

mich stört die Kürze der Geschichte auch nicht. Wenn eine Geschichte erzählt ist, dann ist sie erzählt :). Außerdem ist sie schön geschrieben. Eine schöne Wortwahl.

Allerdings gibt es auch zwei Punkte, die ich zu kritisieren hätte. Zum einen finde ich die Doppelung am Anfang von "Licht" nicht besonders schön, die könntest du vermeiden.

Zum anderen ist mir nicht ganz klar, woher dein Erzähler weiß, dass sie zum Beispiel etwas riecht usw. Das sind irgendwie Brüche in der Perspektive, die meinen Lesefluß stören und mich aus der Geschichte herausbringen.

Alles in allem ist die Geschichte aber gut geschrieben. Hoffentlich kannst du mit der Kritik etwas anfangen.

Viele Grüße
Nana

Nana,

danke, diese Doppelung war mir entgangen. Wenn man so nah an der anderen Person ist, dann hört und sieht man, dass sie etwas riecht. Dieses Atmen nimmt man sehr deutlich wahr.

Bianca,

mehr in der Richtung, auch in der Kürze, wird es immer mal geben.

In reply to by Total

das mit dem riechen war auch nur ein Beispiel (auch wenn ich das immer noch ein bisschen anders sehe als du ... Aber Menschen sind verschieden :)). Sowas kam mehr als einmal in deinem Text vor. Das mit dem riechen war das erste, das mit beim Kommentieren einfiel.

Wesentlich unwesentlich punktuell im ganzen Bild. Satz für Satz, Komma für Komma, Wort für Wort. Gedanken halt ... und Gefühle. Kein russisch beseeltes Volksmärchen oder französisch gehauchte Romantik. Real, da, seiend. Konzentriert im Fokus. Verbal visuell.

Nicht ganz die Klasse manch anderen Textes, trotzdem zum Genießen.

Auch meine kalt wirkende, eher nicht vorhandene Romantik, kann romantisch sein. Gut, dass sie nicht nur mein Genuss ist. Danke.

Ja, Göttin !

...für Deinen Stil. Jede Geschichte anders, aber stets extrem und auf höchstem sprachlichen Niveau geschrieben. Man merkt, dass Du Deine Geschichten planst, Dich in Deine "Opfer" hineinversetzt... Kalter Stahl, warmes Blut, heiße Lust ! Perfekt !

der mich zum schweben bringt, auch wenn ich den Inhalt bis auf den Anfang so absolut nicht mag. Es eher zum gruseln finde. Und trotzdem in der kalten Präzision wunderschön. Ich freue mich auf weitere Texte von dir ;-)