Von einer, die auszog, Sklavin zu werden - Teil 6

absolutist

 

Präsentiert

Elena stoppte abrupt, nachdem sie die Tür passiert hatte und feststellen musste, dass aller Augen auf sie gerichtet waren. Das Klicken, mit dem hinter ihr die Tür zufiel, dröhnte in der Totenstille merkwürdig laut in ihren Ohren. Sie war zu perplex, um die Situation auf einen Schlag zu überblicken; trotzdem fiel ihr sofort auf, was für eine außergewöhnliche Gruppe sich hier versammelt hatte, vermutlich um dem finalen Akt ihrer Versklavung beizuwohnen.

Die Szene, der Elena sich unvermittelt gegenüber sah, wirkte auf sie wie der Sektempfang im Rahmen eines Vampirbanketts, der soeben von der sehnlich erwarteten Ankunft des Hauptgangs unterbrochen worden war. Die Kleidung der Gäste oszillierte zwischen Hochzeitsfeier-förmlich und Fetischball-seltsam, Smokings und Abendkleider wechselten sich munter mit Gummianzügen und Ledergeschirren ab, die aber durchweg genauso hochklassig wirkten, wie die sie tragenden Personen. Sie war konfrontiert mit den Reichen und Schönen unter den Perversen (oder vice-versa) und eine Reihe vage vertrauter Gesichter legte nahe, dass auch die Prominenten eine Abordnung geschickt hatten. Sich selbst unvermittelt als Ehrengast inmitten einer solch illustren Runde wiederzufinden, war schlimm genug, aber ihre hungrigen Blicke auf ihrem nackten, gepiercten und in stählerne Bande geschlagenen Körper zu spüren, war noch schlimmer.

Elena war froh, als sie Greg entdeckte, der in seinem Smoking eine tadellose Figur machte. Dr. Mangels Anwesenheit überraschte sie dagegen und beinahe hätte sie ihn nicht wiedererkannt, da er diesmal keinen seiner üblichen dunklen Anzüge trug; stattdessen bekannte er sich mit seinem offenbar ziemlich eng geschnallten, schwarzen Lederharness zur Latex- und Lederfraktion. Gleichzeitig erschien er ungewohnt gelöst, was aller Wahrscheinlichkeit nach das Verdienst der gut aussehenden Blondine war, die mit lässiger Geste die Leine zu seinem Halsband hielt.

Elena war weniger erfreut, als sie die arrogante Dame erspähte, deren Konsultation sie mit ihrer verfrühten Ankunft in Gregs Praxis vorzeitig beendet hatte. Diesmal befand sich die elegant gekleidete Frau in Begleitung eines großen Mannes, der in einem schwarzen Gummianzug steckte und trotz seines beeindruckend muskulösen Körperbaus in ihrer Gegenwart zu kauern schien. Elenas Blick überflog schnell die versammelte Menge, aber das eine, von ihr herbeigesehnte Gesicht konnte sie nirgends entdecken. Schlimmer noch, die meisten der sie anstarrenden Personen hatte sie noch nie zuvor gesehen. Sie fühlte sich in den vertrauten Alptraum versetzt, wo sie sich vor einer großen Gruppe wildfremder Leute wiederfand und plötzlich feststellen musste, dass sie offenbar vergessen hatte, sich etwas anzuziehen. Immerhin war sie diesmal nicht die Einzige, die (fast) nichts anhatte.

Zuerst versuchte sie instinktiv, irgendwie ihre Blöße zu bedecken und das Übermaß an beschämendem Körperschmuck zu verstecken, mit dem sie ausgestattet worden war; aber sie musste bald einsehen, dass dafür weit mehr als nur die zwei Arme nötig gewesen wären, die ihr zu Gebote standen. Sie war gerade dabei, hinter Alex in Deckung zu gehen, als ihr endlich der Ausdruck auf den Gesichtern der Anwesenden ins blockierte Bewusstsein drang. Statt schockierter Missbilligung oder Geringschätzung entdeckte sie ehrfürchtige Scheu, Respekt und sogar offene Bewunderung in den sie taxierenden Blicken. Natürlich waren auch begehrliche oder schamlos lüsterne darunter, aber selbst diese verstärkten ihr plötzliches Hochgefühl eher, als dass sie es dämpften. Sie richtete sich gerade auf und brachte damit die atemberaubenden Reize ihrer Figur besser zur Geltung, wofür sie mit einer Art kollektivem Luftholen belohnt wurde. Später konnte sie nie genau sagen, wie lange dieser magische Moment gedauert hatte, aber es war Alex, der den Bann schließlich brach, indem er sich räusperte.

„Meine Damen und Herren, darf ich ihnen vorstellen... Elena! Wie sie wissen, hat sie sich in den Kopf gesetzt, Viktors Sklavin zu werden. Diejenigen von ihnen, die noch nicht das Glück hatten, sich von der außerordentlichen Stärke ihrer Hingabe persönlich überzeugen zu können, werden heute Gelegenheit dazu haben. In Kürze werden wir alle Zeugen davon, wie Elena den ultimaten Schritt ihrer Mission vollzieht: Sie wird aufhören, die Rolle einer Sklavin nur zu spielen, und stattdessen zu einer Sklavin werden.“

Seine kleine Rede wurde mit lautem Applaus bedacht, begleitet von lebhaftem Getuschel. Währenddessen fühlte Elena, wie sich ihre Wangen röteten. Die klaren Worte machten einmal mehr deutlich, worauf sie sich eingelassen hatte - nämlich ihr Leben als selbständige und selbstbestimmte, junge Frau aufzugeben, um die Sex-Skavin eines Mannes zu werden; sein Eigentum, sein Spielzeug, das er fortan nach Belieben benutzen oder missbrauchen konnte. Wieder einmal hatte Viktor den Einsatz in diesem Spiel erhöht, indem er sie vor seinen Peers herausforderte, ihren Gehorsam zu beweisen. Wenn sie ihn jetzt beschämte, würde er sie niemals wieder als Sklavin akzeptieren können.

Alex hob seine Hand und das Klatschen und Tuscheln verstummte augenblicklich.

„Ich weiß, dass wir alle auf den Beginn der Versklavungszeremonie gespannt sind. Die notwendigen Vorbereitungen sind im Konferenzraum getroffen worden und ich bitte sie, uns dorthin zu folgen und ihre Plätze einzunehmen“, wies er seine gebannten Zuhörer an, die daraufhin wieder in aufgeregtes Wispern ausbrachen. Er nahm Elena an die Hand und führte sie zu einer Tür auf der anderen Seite des Foyers. Während sie durch die Menge schlüpften, schnappte Elena Fetzen der halblauten Gespräche auf.

„Hast du ihre Piercings gesehen? Es ist also alles wahr!“, flüsterte ein in Leder gekleideter junger Mann aufgeregt.

„Sie muss ihn sehr lieben“, hauchte das Mädchen an seiner Seite.

„Glaubst du, sie hat wirklich keine Ahnung, was ihr bevorsteht?“ wunderte sich eine andere Frau.

„Du hast gehört, was Viktor gesagt hat. Ich neige dazu, ihm zu glauben“, erwiderte ihr Begleiter gelassen.

Die Erwähnung von Viktors Namen riss Elena aus ihrer Duldungsstarre und mit ein paar schnellen Schritten schloss sie zu dem führenden Alex auf.

„Waff ifft daff für eine Fferemonie, von der du geffproffen hafft? Und wo ffteckt Viktor?“, flüsterte sie ihm heftig zu.

„Er beobachtet alles aus der Nähe“, gab Alex knapp zurück. „Wie ich dir schon erklärt habe, wird er nicht in das Geschehen eingreifen, bis du selbst deine Unterwerfung vollendet hast.“

„Iff habe für ihn mein Leben aufgegeben. Iff habe miff für ihn Beringen laffen. Iff trage ffeine Ketten und Feffeln. Waff will er denn noff von mir?“

Es gab eine vielsagende Pause, bevor Alex antwortete.

„Du wirst es sehen. Du bist stark, du schaffst das.“

Dann hatten sie ihr Ziel erreicht, was Elena um die Gelegenheit brachte, die Frage weiter zu verfolgen. Sie würde es vermutlich früh genug erfahren, ob sie wollte oder nicht. Die Tür öffnete sich und gab den Zugang zu einem großen, gediegen eingerichteten Raum frei, der offenbar für Kundentermine und Besprechungen gedacht war. Jetzt jedoch hatte man den Konferenztisch entfernt und durch eine niedrige Bühne nahe der hinteren Wand ersetzt, vor der mehrere Reihen Stühle weiträumig aufgestellt waren. Alex half Elena auf die hell erleuchtete Bühne, während hinter ihnen die angeregt plaudernden Gäste in den Raum strömten. Es gab das übliche Durcheinander, als alle die Sitzkärtchen studierten, um die ihnen zugewiesenen Plätze zu finden. Allerdings wurde diesmal nicht jedem Gast das Privileg eines Sitzplatzes zuteil; offenbar sollten die Sklavinnen und Sklaven zu Füßen ihrer Herrschaft knien.

Elena stand unterdessen mitten auf dem Podium und schaute sich um. Links neben sich bemerkte sie einen niedrigen Stahltisch, der mit einer weißen Decke abgedeckt war, unter der sich die Konturen ominöser Gegenstände abzeichneten. Weiter hinten, umstellt von einer Menge Kisten und einem Paar Arzthocker, ragte eine weitere, von einem weißen Tuch verhüllte Apparatur auf, während zur rechten eine Videokamera auf einem Stativ thronte; die rot blinkende Leuchtdiode neben ihrer großen Linse zeigte an, dass sie alles, was auf der Bühne geschah, getreulich aufzeichnete. Elena nahm an, dass die Kamera ihre freiwillige Unterwerfung nicht nur für die Nachwelt dokumentierte, sondern Viktor auch mit einer diskreten Möglichkeit versah, das Geschehen zu verfolgen. Sie haderte noch mit dem Impuls, in die Kamera zu winken, als unter ihr der Tumult langsam abebbte.  

Endlich hatten alle Gäste ihre Plätze gefunden und sich darauf niedergelassen. Als Elena in die erwartungsvollen Gesichter blickte, kam sie sich wie das unglückselige Lamm vor, welches einer Essenseinladung gefolgt war und sich unversehens als Hauptperson bei einem Opferfest wiederfand. Offensichtlich gingen alle davon aus, dass ihnen gleich ein außergewöhnliches Spektakel geboten würde, und unglücklicherweise war sie selbst es, die für die Unterhaltung sorgen sollte.

Alex schlüpfte wieder in seine Rolle als Zeremonienmeister.

„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Sklaven!“ Seine Worte wurden mit amüsiertem Gelächter aufgenommen, das er mit einem ironischen Grinsen quittierte.

„Wir sind heute zusammengekommen, um den Entschluss dieser tapferen, jungen Frau zu würdigen, unwiderruflich auf ihre Freiheit zu verzichten und sich unserem Freund Viktor als Sklavin hinzugeben. Ein so kostbares Geschenk kann entweder aus freien Stücken oder überhaupt nicht gemacht werden. Tatsächlich wäre seine Annahme auf kriminelle Weise unverantwortlich, wenn diese folgenschwere Entscheidung nicht ein Akt freien Willens, sondern das Ergebnis irgendeiner Form von Zwang wäre.

Nun stehen einer so mächtigem Persönlichkeit wie Viktor viele Wege zu Gebote, wie er Einfluss ausüben kann, auch ohne es überhaupt zu wollen, und darum, um bei niemandem auch nur den kleinsten Zweifel an der Freiwilligkeit von Elenas Entschluss aufkommen zu lassen, hat Viktor den unkonventionellen Ansatz gewählt, selbst Distanz zu wahren und Elena die Stationen ihrer Wandlung zur Sklavin allein auf sich selbst gestellt durchlaufen zu lassen. Elena hätte es sich jederzeit anders überlegen können, dennoch steht sie hier und heute vor uns, bereit die letzte Hürde zu meistern.“

Elena verzog das Gesicht. Obwohl sie - von außen betrachtet - aus ureigenem Antrieb zielstrebig auf diese finale Prüfung zugesteuert war, hatte sie selbst ihre Verwandlung viel zwiespältiger erlebt! Indem Viktor ihre bedingungslosen Unterwerfung zur Vorbedingung für ihre Rückkehr zu ihm machte, hatte er sich einen äußerst mächtigen Verbündeten zur Beschleunigung seiner sie betreffenden Pläne gesichert: ihre eigene Sehnsucht nach ihm und der ihm eigenen, kompromisslosen Dominanz. Wenn er sie ohne Vorbehalte als Sklavin akzeptiert hätte, wäre sie vermutlich nicht bereit gewesen, sich so schnell und so weitgehend auf seine Wünsche einzulassen. So jedoch hatte er all ihre sorgfältig errichteten, aber letztlich fehlgeleiteten Verteidigungslinien elegant umgangen. Glaubte Viktor tatsächlich selbst an das, was er Alex verkünden ließ? Sie hatte da so ihre Zweifel, wohingegen das Publikum alles begierig aufzusaugen schien und lautstark ihrer Tapferkeit applaudierte - oder eher ihrer Torheit, wie Elena selbst ihr Verhalten zu bezeichnen geneigt war. Nichtsdestotrotz sah sie für sich keine andere Möglichkeit, als die Sache durchzustehen.

Nachdem der Applaus abgeflaut war, fuhr Alex mit seiner Rede fort.

„In Kürze wird Elena aufgefordert werden, ihre Unterwerfung zu vollenden. Sie wird aufgefordert werden, Viktors Halsreif zu tragen und ihren Körper unauslöschlich als seine Sklavin kennzeichnen zu lassen. Bis zu dieser finalen Kennzeichnung wird sie jederzeit die Wahl haben, die Zeremonie abzubrechen. Wenn sie sich dazu entscheiden sollte, wird Viktor jeglichen Anspruch auf sie aufgeben; sollte sie aber zu ihrem Entschluss stehen, wird sie sein Eigentum werden... unwiderruflich, und er wird mit ihr machen können, was immer er will.“

Alex machte eine Pause, um seine Worte wirken zu lassen, dann wandte er sich direkt an Elena.

„Verstehst du die Wahl, vor die du gestellt bist?“

Die plötzliche Frage riss sie aus ihren chaotisch durcheinander wirbelnden Gedanken, die noch um die Erwähnung der „unauslöschlichen Markierung“ kreisten, die sie erhalten sollte.

„Ja, iff verfftehe“, antwortete sie leise in die angespannte Stille hinein, wobei das Metall in ihrem Mund keine Rücksicht auf den feierlichen Ernst des Moments nahm.

„Lauter, bitte!“ Alex war erbarmungslos.

„Ja!“

„Ausgezeichnet. Dann können wir anfangen.“

Mit großer Geste hob er das Tuch, das den nahen Tisch bedeckte, und enthüllte die matt schimmernden Hälften eines schweren Stahlovals: den Halsreif. Genau wie bei ihren Hand- und Fußschellen waren seine eleganten, organisch-geschwungenen Linien optisch ansprechend, nichtsdestotrotz wurde er durch die stabilen Befestigungspunkte zum Anketten vorne und hinten sowie beiden Seiten als formidables Disziplinierungsinstrument ausgewiesen. Alex nahm die beiden Hälften und hielt sie hoch, damit sein fasziniertes Publikum sie genauer betrachten konnte.

„Hier haben wir das vordere und hintere Segment von Elenas Halsreif. Sie wurden aus der gleichen, unzerstörbaren Legierung wie ihr Körperschmuck und ihre anderen Fesseln hergestellt. Die Enden sind mit den gleichen, integralen Einmalverschlüssen versehen, so dass es – nachdem der Reif um ihren Hals herum geschlossen wurde – keine Möglichkeit mehr gibt, ihn wieder zu entfernen... jemals!“

Seine letzte Äußerung ließ seine Zuhörer nach Luft schnappen und die Hände einiger der knienden „Sklaven“ fanden unwillkürlich den Weg zu ihren eigenen, mit weniger endgültigen Bändern versehenen Hälsen. Wie jeder gute Showmaster mit einem Gespür fürs Dramatische war Alex bestrebt, alles aus dem Moment herauszuholen.

„Das gilt natürlich nur, solange man ihr nicht den Kopf abschneidet. Wobei eine Amputation für ihre Gliedmaßen zumindest theoretisch in Frage käme, aber für ihren Kopf sicherlich keine praktikable Option wäre.“

Mit Befriedigung registrierte er die von seinen absichtlich drastischen Worten ausgelöste Schockstarre und drehte sich wieder zu Elena um.

„Im Namen Viktors frage ich dich, Elena: Bist du aus freien Stücken gewillt, diesen Halsreifs zu tragen?“

Dieses Mal hatte sie die Gelegenheit gehabt, über ihre Antwort vorher nachzudenken, allerdings ohne dass es ihr geholfen hätte, ihre stille Panik zu bezwingen. Wieder einmal haderte sie damit, wie wenig sie eigentlich über Viktor - als Person - wusste. Gewiss, vor ihrem untauglichen Versuch, sich von ihm loszusagen, waren sie über ein Jahr zusammen gewesen, aber in dieser ganzen Zeit hatte sie nie einen seiner Freunde oder gar ein Familienmitglied kennen gelernt. Es war von vornherein klar gewesen, dass sein sozialer Zirkel so exklusiv wie unzugänglich war. Wie auch immer, sie hatte nie das Bedürfnis verspürt, tiefer nachzubohren: Wann immer sie sich trafen, war ein anderes Verlangen viel dringlicher gewesen. Bei ihrer Beziehung hatte es sich um eine, „Amour fou“ gehandelt, gespeist aus und getragen von ungezügelter Lust. Wenigstens hatte sie es so empfunden; wenn sie aber die kühle Distanziertheit bedachte, die Viktor jetzt aufrecht erhalten konnte, kamen ihr Zweifel, ob seine Leidenschaft jemals so tief gegangen war wie ihre. Elena sah unwillkürlich zu dem teilnahmslosen Kameraauge, natürlich ohne dort Trost oder Bestätigung zu finden.

Nichtsdestotrotz stand sie zu ihrem Entschluss. Da sie bereits mit einer Fülle von nicht wieder entfernbarem Körperschmuck ausstaffiert war und schon Fesseln an Hand- und Fußgelenken trug, würde ein weiteres Metallband um ihren Hals keinen großen Unterschied mehr machen. Außerdem - wie sie sich widerwillig eingestehen musste – beeinträchtigte ihr unangebracht nackter Hals schon beinahe ihr körperliches Wohlbefinden. Ohne Halsreif fühlte sie sich seltsamerweise unvollständig.

„Ja, iff bin einverfftanden!“, verkündete sie mit lauter Stimme.

„Sehr gut.“

Alex trat an ihre Seite und arrangierte die Segmente des Reifs sorgfältig um ihren Hals, so dass die aus einer Hälfte ragenden, starken Sperrzapfen in die passenden Aufnahmelöchern in der jeweils anderen Hälfte gleiten konnten, dann presste er die beiden Teile gegeneinander. wobei er demonstrativ den Kraftaufwand zur Schau stellte, den es ihn kostete, die Enden zusammenzubringen. Zunächst sah es so aus, als würde ihm das auch gelingen, aber als die Lücke zwischen ihnen auf ca. fünf Millimeter zusammengeschrumpft war, ging es auf einmal nicht mehr weiter. Bereits jetzt lag der Reif eng um Elenas Hals, wenngleich – dank seiner heiklen Platzierung - nicht ganz so fest wie ihre anderen Fesseln. Ein paar Millimeter zusätzlichen Spielraums minimierten das Risiko fataler Konsequenzen, sollte ihr Hals aus irgendeinem Grund einmal anschwellen.

„Zeit für Plan B“, brummelte Alex, noch vor Anstrengung schnaufend.

Elena sah ihn fragend an. Eingedenk ihrer eigenen, jüngsten Erfahrungen mit dem hartnäckigen Widerstand, den ihre anderen Schellen dem Verschließen entgegengesetzt hatten, drängte sich ihr der Verdacht auf, dass diese Situation für ihn nicht völlig überraschend kam. Offenbar wollte Alex die Show für sein Publikum spannender machen, höchstwahrscheinlich auf ihre Kosten, aber bevor sie ihre Vorbehalte äußern konnte, fasste er sie bei den Schultern.

„Komm! Knie dich hin!“, befahl er.

Er dirigierte Elena zu dem Tisch, vor dem er sie zwang, auf die Knie zu gehen, dann packte er sie im Nacken und drückte sie nach vorne, so dass sie ihren Oberkörper über die Tischplatte beugen musste. Ihre nackten Brüste berührten die kalte Metallfläche zuerst und ihre Brustringe verursachten ein klirrendes Geräusch, als sie darüber glitten. Aufgrund ihres neuen, stählernen Innenlebens wurden ihre normalerweise nachgiebigen Brüste nicht wie üblich zusammengedrückt; stattdessen wurde diesmal die Last von den axialen Stäben aufgenommen und über die radialen Stäbe direkt auf ihren Brustkorb übertragen. Es war ein äußerst merkwürdiges und nicht unbedingt angenehmes Gefühl, so dass sie schnell ihre Arme unterhalb ihrer Brust faltete, um den Druck abzumildern. Diese Haltung ließ ihren Hals ein paar Zentimeter frei über dem Tisch schweben, während ihr Kopf über seine Kante hinausragte.

„Bleib so!“, wies Alex sie an und ließ sie los.

Wie aufs Stichwort hörte Elena schnelle Schritte näher kommen und als sie verstohlen über ihre Schulter schaute, sah sie, wie Lisa das Podium erklomm. Zuerst fiel Elena auf, dass Lisa ihren Arztkittel gegen ein schwarzes Lederkorsett eingetauscht hatte, welches ihren spektakulären Körper zur Geltung brachte, anstatt ihn zu verhüllen. Ihr Outfit wurde durch kniehohe Stiefel ergänzt, die sich als Quelle des für High Heels charakteristischen, lauten Klick-klacks erwiesen. Noch unerwarteter waren das schwere Lederhalsband, das ihren Hals zierte, und die dazu passenden breiten Bänder um ihre Hand- und Fußgelenke. Die Gegenstände, die sie in ihren Händen hielt, bemerkte Elena erst, als sie diese einen nach dem anderen an Alex übergab. Beim ersten handelte es sich um einen Holzblock mit einer halbrunden Aussparung, der sogleich unter Elenas von Metall umhüllten Hals geschoben wurde. Ein schwerer Gummihammer war der zweite, den Alex mit beiden Händen am Stiel ergriff und dann hoch den Kopf schwang.

„Augen nach vorne und stillhalten!“, kommandierte er mir lauter, klarer Stimme.

Elena gehorchte verängstigt. Ohne ihr bewusstes Zutun baute sich die ganze Szene vor ihrem inneren Auge auf. Sicherlich würde den Zuschauern die Ähnlichkeit mit einer mittelalterlichen Enthauptung nicht verborgen bleiben. Hoffentlich würde das ganze unwürdige Spektakel bald vorüber sein. Mit großer Mühe unterdrückte sie ein Stöhnen und wappnete sich gegen das Fallen des Hammers.

Alex schlug aber nicht unmittelbar zu, stattdessen behielt er seine dramatische Pose bei, während Lisa vor Elena in die Knie ging und sicherstellte, dass ausreichend Raum zwischen ihrem Hals und dem ihn umgebenden Metallband blieb. Nur der jetzt noch vergleichsweise lockere Sitz des Halsreifs machte es möglich, ihn auf diese dramatische Art zu schließen, ohne Gefahr zu laufen, dabei ihre Haut zu verletzen. Lisa hielt Elenas Kopf zwischen ihren Händen fest und fixierte ihn so, wobei sie Elena fragend in die Augen schaute.

„Bereit?“

 Ermutigt von Elenas kaum merklichen Nicken, gab sie Alex ein Zeichen.

Der mächtige Hammerschlag traf das hintere Segment des Halsreifs genau in der Mitte und die Wucht des Aufpralls trieb seine Hälften zusammen, so dass sie augenblicklich ein einziges, scheinbar nahtloses Band aus Stahl um Elenas Hals formten. Sie schrie unwillkürlich auf, denn obwohl der Reif ihren zarten Hals vor dem Hieb geschützt hatte, war sie durch den scharfen Ruck und den donnernden Schlag erschreckt worden. Ein kollektiver Stoßseufzer aus den Reihen der Zuschauer bewies, dass auch sie in das vor ihren Augen aufgeführte Drama hineingezogen worden waren.

Ein sehr selbstzufrieden wirkender Alex machte Platz, während Lisa der noch etwas zittrigen Elena beim Aufstehen half. Sofort hob sie ihre Hände zum Hals; dort wo vorher nur glatte und weiche Haut gewesen war, stießen ihre tastenden Finger jetzt auf harten Stahl. Vollständig geschlossen lag das Metallband noch einmal enger um ihren Hals, dessen Kontur es jetzt genau folgte. Mit etwas Mühe gelang es ihr, die Spitze ihres kleinen Fingers unter die gerundete Kante zu schieben, aber viel weiter konnte sie nicht zwischen Haut und Stahl vordringen. Wenigstens hatte sie keine Schwierigkeiten, ihren Kopf zu drehen oder zu nicken, obwohl der Reif seine Anwesenheit bei jeder ihrer Bewegungen deutlich fühlbar machte. Elena erschauerte bei dem Gedanken, dass sie niemals wieder frei von seiner autoritären Kontrolle und der Last seines Gewicht sein würde. Zugleich verursachte ihr der selbe Gedanke aber auch ein Prickeln im Schoss, das sie aufkeuchen ließ.  

„Geht es dir gut?“, erkundigte sich Lisa besorgt.

Elena riss sich zusammen. Es ging nicht an, dass sie hier vor Publikum ihre Contenance verlor und sich so noch weiter erniedrigte.

„Ja, mir geht eff gut. Können wir weitermaffen, bitte?“

Bewertung

Votes with an average with

Kommentare

der Teil ist jetzt zwar nicht so prickelnd, trotzdem finde ich die ganze Geschichte schon sehr heftig und ideenreich, wenn auch ziemlich technisch!

Mit gefällt allein diese Vorstellung, dass sich jemand so hingibt oder aufgibt

... ist bekanntlich eine Frage individueller Vorlieben. Meine werden hier bedient, aber vor allem bin ich erleichtert, dass diese vorzüglich geschriebene Geschichte jetzt fortgesetzt wird. Die vielen, guten Bewertungen in kurzer Zeit lassen mich hoffen, dass in diesem Archiv die Phase des Fremdschämens bald wieder vorbei ist. Vielen Dank, Absolutist.

...lese ich diese Fortsetzung. Du hast so einen ausdruckstarken Stil, dass man gewissermassen mittendrin steckt. Und doch... das übertriebene Metall reizt mich dann wieder zum Lachen. Zum Beispiel, wenn ihre Brüste klirrend auf den Tisch fallen. Man stelle sich vor, sie erleidet einen Autounfall, fällt in den Gurt und die Metallstäbe bohren sich in ihr Herz. Erdolcht von den eigenen Piercings. Und man mag sich gar nicht vorstellen, was an der Sicherheitsschleuse los ist, wenn sie mal ein Flugzeug besteigen will.

Also wenn ich es mir recht überlege: Ich finde diese "endgültigen Verstümmelungen", so schrecklich, dass ich sie in ihrer Absurdität schon wieder irgendwie lustig finde. Und ja, ich empfinde es als Verstümmelung, wenn jemand zum Beispiel nicht mehr normal sprechen kann.

Viktor ist ein rücksichtsloser Arsch, da helfen die salbungsvollen Worte von Alex nichts, und interessanterweise realisiert ja auch Elena hier, wie sehr sie unter Druck gesetzt wurde.

Wieso rege ich mich überhaupt auf? Ganz einfach: Weil die Geschichte so gut geschrieben ist, dass sie irgendwie fast "echt" wirkt, wenn auch, wie gesagt, etwas ins Absurde überzeichnet. Aber ich glaube, die Frau, deren Hingabe von einem Arsch ausgenutzt wird, um sie letztlich zu zerstören, ist nicht so sehr unrealistisch.

Naja, für 6 Sterne reicht es.

In reply to by Salomé

Ich muss mich dir anschließen Salomé

mit deiner Aussage : "Also wenn ich es mir recht überlege: Ich finde diese "endgültigen Verstümmelungen", so schrecklich, dass ich sie in ihrer Absurdität schon wieder irgendwie lustig finde. Und ja, ich empfinde es als Verstümmelung, wenn jemand zum Beispiel nicht mehr normal sprechen kann."

Solche Verstümmelungen oder ähnliche Modificationen finde ich, nicht nur bei den in den Geschichten beschriebenen hübschen Frauen grausam. Aber die Geschichten von Absolutist und auch deinem vorschreiber Chris Dell sind einfach zu spannend geschrieben, um sie nicht zuende zu lesen. Ich hoffe ja immer auf ein Happy End und diese " Verstümmelungen " sind die Empfindungen in einem Albtraum oder einer OP zb. nach einem Unfall die man im Koma oder Narkose erlebt. Leider lassen beiden Autoren das Ende immer offen.

Karl

absolutist

In reply to by Salomé

wie negativ Viktor in Deiner Betrachtung wegkommt, dabei hat er sich noch gar nicht aktiv ins Geschehen eingemischt. Ist Elena als erwachsene Frau nicht in der Lage, die Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen zu tragen? Ist sie etwa nicht „frei“ in ihrem Willen? ;-) Ich habe etwas gezögert, Deinen Kommentar zu kommentieren, da ich natürlich auch den Vorteil habe, meine Figuren schon etwas näher zu kennen...

Bei Elenas Ausstattung bin ich im verzweifelten Bemühen um Originalität zugegebenermaßen übers Ziel hinausgeschossen, aber ich wollte in diesem Fetisch-Märchen mal das extreme Ende der Skala austesten. My bad.

In reply to by absolutist

...sagen. oder etwas ganz Langes...

Natürlich ist es mir klar, sass dies keine Dokumentation, sondern eine Geschichte ist. Ich gehe auch nicht davon aus, dass in deinem Keller tatsächlich entrechtete, entstellte Sklavinnen vo sich hin darben.
Und natürlich ist es schwierig, sich mit einem Autor über die inneren Motive seiner Figuren zu streiten ;).

Trotzdem, du weckst meinen Widerspruchsgeist. Endet die Gefahr, falsche Entscheidungen zu treffen, die man später bereut, automatisch am 18. Geburtstag eines Menschen? Wenn nein, wieso betonst du, dass Elena eine "erwachsene Frau" ist? Macht es für Viktors Verantwortung für das, was er ihr antut, einen Unterschied, ob sie 17,9 oder 18,1 oder 38 Jahre alt ist?

Die Antwort ist natürlich: Nein. Entscheidend ist nicht nur das Alter, sondern auch, und in diesem Fall entscheidend, das Machtgefälle. Ist es zulässig, seine Macht über jemanden auszunutzen, um ihm zu schaden? Nein, ist es nicht. Die Ausrede, die Person in der schwächeren Position sei schliesslich erwachsen, und damit entfalle jegliche Verantwortung der stärkeren Person, ist eine böswillige Ausrede.

Elena ist offensichtlich eine abhängige Persönlichkeit in einer Ausnahmesituation. Sie würde zur Zeit alles tun, um von Viktor, an den sie sich gebunden fühlt, wieder akzeptiert zu werden (beachte: "Zur Zeit" bedeutet keineswegs zwangsläufig: "Für Immer" Vielmehr zeigt die allgemeine Lebenserfahrung, dass totale Hingabe nicht selten an den Klippen der Realität scheitert.) Viktor aber nutzt das aus, um sie zu entstellen, damit kein Anderer sie jemals mehr attraktiv finden kann. Irgendwann ist ihm das ganze Blech zuviel und er wirft sie zum Altmetall. Was dann?

Natürlich sollte man nur auf die inneren Werte achten, aber trotzdem ist es eine Tatsache, dass wir unsere Selbstwertgefühl zu einem guten Teil aus dem Äusseren beziehen. Frauen vielleicht noch etwas stärker, als Männer. Elena hat ohnehin nicht allzuviel Selbstwertgefühl. Die Entstellung wird sie vernichten, sobald die Beziehung mit Viktor nicht mehr ihren Hoffnungen entspricht.

So, jetzt kannst du mich mit deiner tieferen Kenntnis deiner Figuren natürlich widerlegen. Ich kann nur auf das reagieren, was bei mir ankommt....

Wie gesagt: Rein erzähltechnisch finde ich die Geschichte ja toll gemacht. Wäre sie hanebüchen, würde ich sie nicht ernst genug nehmen, um mich darüber "aufzuregen".

absolutist

In reply to by Salomé

jetzt verstehe ich genauer, wie Du zu Deiner Einschätzung kommst. Und wie befürchtet, hätte es tatsächlich mehr Sinn gemacht, diese Diskussion zumindest bis zum achten Teil der Geschichte aufzuschieben, wann immer ich den fertig übersetzt haben werde...

In reply to by absolutist

ich bin ohnehin verblüfft, dass jemand so maso ist, auf die Übersetzung zu warten, statt die englische Version, auf die ja früh hingewiesen wurde, aufzuspüren und zu verschlingen :o

BTW: auch wenn die Übersetzung fraglos sehr gelungen ist, verstehe ich auch, dass das schwer fällt, wenn man das einmal auf englisch gedacht hat. Um so mehr Kudos.

Sie sind schon sehr speziell, deine Fantasien. Ein Leben in dieser Art ist sicher nur noch auf einer einsamen Insel möglich, bei den Veränderungen.
Und Happy End? Ist es wohl immer dann, wenn die Hauptpersonen im Gegensatz zu vorher glücklicher sind. Nix für mich, zu langweilig. Aber es ist auch nicht meine Fantasie.