Wolfsbraut – finaler Teil 7

 

SM-Roman (Textversion)

Exposé-Auszug: Michelle, Jurastudentin in Köln, eine selbstbewusste und durchsetzungsfähige Frau, gerät bei einer Aktion zur Unterstützung eines Frauenhauses an eine seltsame Fremde. Aus Neugier begleitet sie diese zu einer nicht minder seltsamen Veranstaltung und lernt dort den Mann ihrer (geheimen) Träume kennen. Schon bald begreift sie, dass die Forderungen ihres neuen Geliebten nicht auf Äußerlichkeiten beschränkt bleiben. Sie spürt zunehmend, dass die Veränderungen, denen sie ausgesetzt wird, alle ihre körperlichen und psychischen Möglichkeiten in Anspruch nehmen. Auch ihr Umfeld reagiert scheinbar besorgt. Hin und her gerissen zwischen Angst, Aufregung, Sehnsucht und Willenskraft begibt sich Michelle auf eine Reise, für die es keine Rückfahrkarte zu geben scheint.

 

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54.

Ich fühlte mich pudelwohl mit Malte. Irgendwie waren wir erst an diesem Tag „richtige“ Freunde geworden und das sagte ich ihm dann während der Weiterfahrt auch.

„Ja. Eigentlich komisch, oder? Ich weiß ja nicht, wie Conny das gemeint hatte, aber ich finde, Du bist wirk­lich ein total anderer Mensch geworden.“

„Ich fand mich früher gar nicht unnahbar.“

„Das war auch nicht das richtige Wort. Tut mir leid. Ich hatte nur immer bei Dir das Gefühl, dass Du bei al­lem, was Du gemacht hast, so eine gewisse Distanz hat­test. Es war nie so wie jetzt, dass ich der Meinung war, man könnte mit Dir Pferde stehlen.“

„Ich glaube, ich weiß, was Du meinst.“

„Sag mal, Michelle, ich meine, Du musst das nicht sa­gen, aber … das liegt an Deiner Beziehung, oder?“

„Ja.“

„Conny hat ein Problem damit.“

„Ich weiß.“

„Peter und Bettina auch.“

„Ach ja?“

„Ja. Weil Dein Verlobter viel älter ist als Du.“

„Pffft.“

„Genau. Aber da ist noch was.“

„Was?“

„Conny hat erzählt, es gab eine ‚unerfreuliche’ Begeg­nung zwischen Euch im letzten Jahr.“

„Ja. Leider.“

„Sie hat einen Haufen Zeugs danach gelesen und … etwas … komische Themen diskutieren wollen.“

„Komische Themen?“

„Sadomasokrams, um genau zu sein.“

„Hat sie darüber gesprochen?“  

„Nicht direkt. Aber die zeitliche Reihenfolge lässt darauf schließen, dass es etwas mit Eurer Begegnung zu tun hat und … na ja, Du hast Dich ja auch äußerlich verändert und zwar ziemlich heftig. Was bringt eine Frau, die eigentlich sowieso eine Schönheit ist, dazu, sich der­artig aufzustylen, wenn nicht ein Mann. Der hat dann ja anscheinend einen besonders starken Einfluss und …“

„Warte mal“, unterbrach ich ihn, „warum fragst Du nicht einfach?“

„Weil das Deine Privatsache ist. Ich wollte Dir nur sa­gen, was Conny meiner Meinung nach umtreibt.“

„Du siehst das schon ganz richtig. In meinem Über­schwang und meiner Unsicherheit hatte ich Conny ein­fach die Art meiner Beziehung vor den Latz geknallt und sie damit total überfordert.“

„Das mag sein, aber Ihr wart gute Freundinnen. Nur weil Du vielleicht auf Fesselspielchen stehst und anders rumläufst als früher, muss Conny ja nicht gleich durchdrehen.“

„Malte, das unterschätzt Du, glaube ich, ein wenig. Da gehört mehr dazu. Du warst dabei, wenn wir alle über Tussis abgelästert haben. Sieh’ mich an! Was siehst Du?“

„Ne ziemlich scharfe Supertussi, so sagt man wohl dazu.“

„Aha. Dann kommt da noch die Sache mit dem Geld. Ich denke, das ist auch nicht immer ganz einfach. Das Hauptproblem liegt aber noch ganz woanders. Malte, würdest Du mir versprechen, dass Du die Klappe darüber hältst, wenn ich Dir was sehr Privates erzähle?“

„Versprochen.“

„Was würdest Du sagen, wenn man Dir erzählt, dass Deine beste Freundin von Ihrem … Partner geschlagen wird?“

„Ich würde versuchen, ihr irgendwie zu helfen, aber … hey, Michelle, ist das wirklich Dein Ernst?!“

„Warte! Nehmen wir mal an, Du erfährst es direkt von Deiner besten Freundin.“

„Oh shit! Das war Euer Gespräch!“

„Ich bin noch nicht fertig. Du bist natürlich total be­stürzt, richtig?“

„Klar.“

„Du sorgst Dich. Du willst ihr helfen. So, wie wir das mit dem Frauenhaus machen. Richtig?“.

„Genau.“

„Tja, mein lieber Malte, Deine ganze Hilfsbereitschaft führt überhaupt nicht weiter, wenn sich besagte Freun­din gar nicht helfen lassen will. Das kennen wir doch auch von vielen misshandelten Frauen. Sie geben sich selbst die Schuld für ihre Situation und versuchen so­gar, ihre Peiniger in Schutz zu nehmen. Dann wird es schon schwer, zu helfen, nicht wahr?“

„Ja, schon, aber …“

„Nur haben wir im vorliegenden Fall noch eine ganz andere Sachlage: Besagte Freundin erklärt einfach, dass sie geschlagen werden will, dass sie darauf steht, dass es sie unendlich geil macht, dass sie glücklich dabei ist, dass alles absolut richtig ist. Was machst Du dann?“

„Keine Ahnung. Ich könnte jetzt sagen, ich bin tole­rant und wenn meine beste Freundin darauf steht und damit glücklich ist … dann ist das schon in Ordnung so, aber ob ich das wirklich so einfach schlucken würde … ich kann es Dir nicht sagen.“

„Danke, dass Du so ehrlich bist. Also stimmst Du mir zu, dass das schon starker Tobak für Dich wäre?“

„Ja, klar. Und Du bist … eigentlich wollte ich ja nicht fragen … Du bist echt schmerzgeil?“

„Ja. Wobei ich das seinerzeit noch gar nicht so genau wusste. Das ist auch noch nicht alles.“

„Was? Was denn noch?“

„Bleiben wir noch mal bei unserem Beispiel. Mit viel Überwindung hast Du es also erst einmal hingenommen. Deine Freundin wird geschlagen und sie findet es toll. Nun möchtest Du Dich mit ihr treffen und sie sagt ein­fach: ‚Da muss ich erstmal meinen Herrn fragen’. Was denkst Du dann?“

„Das ist wirklich abgedreht. Ich meine das jetzt nicht böse, also wirklich nicht, aber … bist Du echt so ein per­verses Luder?“

Er lächelte mich bei dieser Frage offen an. Er meinte es wirklich nicht böse. Also antwortete ich, seiner laxen Fragestellung angemessen: „Ich bin ein perverseres Lu­der, als Du jemals ahnen kannst.“

„Na ja“, meinte er, „vielleicht kannst Du mir mal ein paar Tipps geben. Entschuldige. Ich sage das nur, um die Spannung zu lösen und weil ich jetzt verstehen kann, was zwischen Dir und Conny abgegangen sein muss. Was Du da treibst, ist ja so ziemlich das genaue Gegenteil von allem, was Conny heilig ist und ihr das so einfach vors Gesicht zu knallen, war schon ein wenig unklug von Dir, das muss ich sagen.“

„Du hast absolut recht. Meinst Du, das kriege ich wieder hin?“

„Ehrlich?“

„Ehrlich. Bitte.“

„Du hast das alles gesagt, ja? Du nennst Deinen Freund ‚Herr’?“

„Ja.“

„Das kann Conny nie akzeptieren. Das schmeißt ihr komplettes Weltbild über den Haufen. Selbst wenn Du eine völlig Fremde wärst, aber das bist Du nicht.“

Ich schwieg. Wir standen schon eine ganze Weile vor einer etwas vergammelten Villa mit überwuchertem Garten und bröckelnder Fassade (so toll war das mit dem „gut verdienenden“ Freund offenbar doch nicht). Wir machten keine Anstalten, aus dem Wagen auszu­steigen. Malte, der mich an diesem Tag fast ständig (positiv) überrascht hatte, sprach aus, was schon längst meine Überzeugung geworden war: Da war nichts mehr zu kit­ten.

„Das behältst Du für Dich, was wir gerade bespro­chen haben, nicht wahr?!“

„Michelle, Du kannst ganz schön naiv sein. Natürlich sage ich nichts, aber glaubst Du denn, nur ich hätte meine Schlüsse gezogen? Ich war sogar noch relativ weit weg. Die sind doch alle inzwischen der Meinung, dass mit Dir was nicht stimmt. Aber es sind auch Deine Freunde. Conny ist eben besonders fanatisch, was sol­che Dinge wie Sado-Maso angeht. Das muss nicht für alle gelten. Für mich gilt es zum Beispiel nicht. Trotzdem kursieren die wildesten Gerüchte.“

„Und was soll ich Deiner Meinung nach tun?“

„Du kannst gar nichts tun. Lass es einfach auf Dich zukommen. Wenn Du abhauen willst, solltest Du mir nur Bescheid sagen. Du musst mich nämlich noch zu meinem Rad fahren.“

Mit dem Gefühl, meinen ersten Freund (wieder-)ge­wonnen zu haben, betrat ich die Höhle der Löwinnen und Löwen.

 

55.

Wir waren noch nicht ganz durch die Haustür ge­kommen, da stürzte Bettina auf mich zu. Sie war einfach am nächsten an der Tür gewesen, als wir geklingelt hatten. Sie umarmte mich …

… und griff größtenteils ins Leere.

Bettina trat einen Schritt zurück und starrte mich fassungslos an. „Mein Gott, bist Du dünn geworden!“

Ich hätte ja sowieso meinen Mantel ausziehen müs­sen, also machte ich das gleich. Bettinas Augen quollen hervor. Sie war sprachlos.

Wir gingen in ein Nebenzimmer, in welchem Conny, Peter und Anh Thi an einem einfachen Esstisch saßen und darauf warteten, sich endlich über die bereitliegen­den Wurst- und Käsebrötchen hermachen zu können.

Absolut synchron sahen alle zuerst auf meine Brüste, dann auf meine Taille (ich konnte geradezu ihre Gedan­ken hören: „Das ist nicht real, so kann niemand ausse­hen!“). Ihre Münder standen offen.

Zum Glück hatte ich Malte, der das Schweigen brach: „Wo soll ich die Getränkekisten hinstellen?“

Anh Thi antwortete mit beträchtlicher Verzögerung: „Hier links in die Küche.“ Dann stand sie auf, um mich zu begrüßen: „Hallo, Michelle, wir haben Dich vermisst.“

Wir gaben uns gegenseitig ein Begrüßungsküsschen.

Dann fasste sie (so war sie eben) an meine Taille und meinte: „Du trägst ein Korsett. Das kenne ich nur aus Filmen. Zeigst Du mir das mal?“

„Vielleicht später“, antwortete ich, „dazu ist mir noch zu kalt.“

Dann drehte sie sich zu Peter und Conny um und sagte: „Das müsst Ihr mal anfassen! Hart wie Stein.“

Ich setzte mich an den Tisch. Malte und Bettina, die ihren ersten Schock zu überwinden schien, kamen auch dazu. Conny saß nur schweigend da.

Diesmal war es Peter, der ein Gespräch suchte: „Also, nun erzähl mal, Michelle! Du willst heiraten.“

„Ja. Am 3. Juni. Und ich wollte Euch einladen. Per­sönlich.“

„Conny und ich haben uns schon überlegt“, schaltete sich die wiederbelebte Bettina ein, „wo wir passende Abendkleider herbekommen. Du kennst Dich doch be­stimmt inzwischen bestens damit aus. Hast Du einen Tipp?“

„Ihr müsst Euch wirklich nicht überschlagen“, ant­wortete ich vorsichtig, „ein langer Rock und ein Blazer reichen völlig aus.“

„Das glaube ich aber kaum“, meinte Peter, „unter Fürstens geht es doch sicher anders zu.“

Er war ein Arschloch und er würde ein Arschloch bleiben, beschloss ich. Auf solche „Freunde“ konnte ich gern verzichten. „Mein zukünftiger Ehemann ist kein Fürst, sondern ein Baron. Das ist ein weniger wichtiger Adelstitel. Aber das macht nichts, denn selbst wenn er ein König wäre und ich sagen würde, dass Rock und Blazer reichen, dann reichen Rock und Blazer.“

„Ach. Ist das so?“ Das waren gewissermaßen Connys Begrüßungsworte.

Das reichte mir. Ich warf all meine guten Vorsätze über Bord. Wer eine Konfrontation haben wollte, der sollte auch eine bekommen. „Ich schätze, Ihr habt Euch ein paar falsche Vorstellungen gemacht. Mein Mann ist ein ganz normaler Mensch. Er ist reich, okay. Er lebt in einem Schloss. Auch gut. Gibt es daran irgendetwas auszusetzen?“

„Warum reagierst Du so empfindlich“, meinte Bettina, „wir wollen Dich doch nur nicht blamieren.“

„Nett“, erwiderte ich, „aber meinst Du nicht, dass ich schon selbst weiß, wie ich mich blamieren kann?“

Wieder war es Malte, der mir zur Seite sprang: „Ich verstehe das nicht. Michelle hat doch gesagt, dass es nicht um Gala-Klamotten geht. Dann ist es doch gut. Vielleicht wäre es fairer, alles, was wir so in letzter Zeit hinter Michelles Rücken über sie diskutiert haben, ein­fach mal direkt mit ihr zu besprechen?“

Peter sagte: „Wieso hinter ihrem Rücken? Sie war doch nicht da.“

Ich schüttelte den Kopf. „Tolle Logik, Peter! Ich finde Maltes Vorschlag gut. Also. Ich bin da. Was wollt ihr wissen?“

„Machst Du wieder in der Gruppe mit?“ Das war Anh Thi.

„Ganz sicher nicht bis zur Hochzeit. Danach sind noch Flitterwochen und dann muss ich sehen, wie ich Zeit habe. Wenn es geht, würde ich gerne wieder mitma­chen.“

„Glaubst Du, dass Du das noch kannst?“, meinte Bettina.

„Wieso nicht?“

„Na ja … äh … es sieht ja so aus, als würde Deine Ehe … äh … also … es geht ja nun mal um misshandelte Frauen und da ist es ja wichtig, dass man auch … also … ein Vorbild gibt und …“

Hätte ich doch nur Luft genug gehabt, loszubrüllen!

Gut, dachte ich mir, leise geht es auch: „Du denkst, ich könnte ein schlechtes Vorbild sein. Na ja. Mein Mann betrügt mich jedenfalls nicht.“

Peter glotzte betreten vor sich hin und Bettina kamen die Tränen. Dann schluchzte sie: „Mein Mann macht aber auch keine Barbie-Puppe aus mir!“

„Schade“, meinte ich lapidar, „das wäre doch eine Verbesserung.“

Heulend rannte Bettina aus dem Zimmer. Peter folgte ihr.

Malte und ich sahen uns an und zuckten gleichzeitig mit den Schultern, woraufhin wir grinsen mussten.

Conny, die schweigend zugesehen hatte, ergriff nun das Wort: „Ich glaube, ich habe in letzter Zeit etwas zu ­viel von SM gesprochen. Ich möchte, dass Ihr wisst“, sie sah Malte und Anh Thi an, „dass es dabei nicht um Michelle ging. Es tut mir leid, Michelle. Ich habe nichts gegen Bettinas blühende Phantasie unternommen.“

„Ist schon okay, Conny. Bitte sag nicht meinetwegen etwas, das nicht stimmt. Malte weiß Bescheid. Natürlich ging es um mich. Ich habe den unverzeihlichen Fehler begangen, Dich zu überfahren. Du konntest das nicht verkraften und hast versucht, Dich theoretisch mit der Sache zu beschäftigen. Das haben dann alle früher oder später mitbekommen. Ich weiß, dass Du nichts weiterer­zählt hast. Es wäre mir inzwischen auch egal. Ich mache Euch jetzt mal einen Vorschlag: Wir vergessen die ganze Sache. Ihr bleibt herzlich eingeladen, zu meiner Hochzeit zu kommen. Wer ein Problem damit hat, dass ich eine devote Frau bin und als solche in einer entsprechenden Beziehung lebe, muss natürlich keinen Umgang mit mir pflegen. Ich lade Euch ein, meine Freunde zu sein. Ent­scheidet selbst. Wer etwas über mich und mein Leben erfahren will, kann mich fragen. Das muss reichen. Das mit der Gruppenarbeit lassen wir lieber. So.

Malte, sorry, dass ich jetzt schon aufbreche, aber Du kannst mit­kommen oder Dich irgendwie anders später zu Deinem Rad bringen lassen. Ich gehe jetzt jedenfalls. Conny, es tut mir leid. Ich lebe in einer anderen Welt als Du. Es gibt keine Gemeinsamkeiten mehr. Wenn wir eines Tages neue fänden, wäre das sehr schön. Macht et jut.“

Ich nahm meinen Mantel.

„Ich komme mit“, meinte Malte.

Dann verließen wir das Haus.

Ich war nicht traurig.

    

56.

Im Auto angekommen, meinte Malte: „Was hältst Du davon, wenn wir noch irgendwo einen Kaffee trinken.“

„Gute Idee, aber eigentlich habe ich jetzt gar keine große Lust, unter Leute zu gehen. Gegenvorschlag: Du kommst einfach mit zu mir und ich bringe Dich dann wieder nach Köln.“

„Ja, gern, da sehe ich mal, wie Du jetzt so lebst.“

„Ist das in Ordnung?“

„Ja, natürlich“, ertönte die Stimme meines geliebten Herrn in meinem Ohr. Ich wusste, er hatte die Ereig­nisse „live“ verfolgt.

„Was meinst Du?“, wollte Malte wissen.

„Schon gut“, sagte ich, „Selbstgespräch.“

Malte blickte mich etwas verständnislos an, aber in­sistierte nicht weiter.

Nach einer Weile sagte er dann: „Du hast Dich gut gehalten.“

„Findest Du?“

„Auf jeden Fall.“

„Ich war auf einmal so wütend. Bettina weiß gar nichts und behauptet dreist, ich wäre ein schlechtes Vorbild für misshandelte Frauen.“

„Darum ging es doch gar nicht.“

„Nein?“

„Nein. Bettina hat Probleme mit Peter. Es geht ihr nicht gut, aber sie kommt irgendwie nicht von ihm los. Sie ist nicht glücklich. Dann tauchst Du wieder auf. Bettina denkt: Die arme Michelle, die wird wer weiß wie schlimm unterdrückt und was man sich noch so alles ausmalen kann; da geht es mir doch viel besser. Dann stöckelst Du zur Tür herein: Das blühende Leben, offen­sichtlich überglücklich, mit Deiner unglaublichen Figur, Deinen Designerklamotten und dem großen Halsband, das wohl echtes Edelmetall ist, sagst etwas über Deine Hochzeit und dass Deine Freunde gar nicht so aufgeta­kelt dort erscheinen müssen wie die ganze High Society, die sonst noch so da sein wird. Ich übertreibe mal ein wenig. Jedenfalls sitzt Bettina da und merkt, dass sie die Arschkarte gezogen hat und Du den Joker. Was will man da erwarten?“

„Hm.“

„Alles Weitere war doch nur ganz normale Gruppen­dynamik. Conny konnte Dich nicht unterstützen, weil das für sie die Gefahr bedeutet hätte, womöglich positiv bewerten zu müssen, was Du tust. Anh Thi ist viel zu nett, um zu begreifen, was ablief. Peter ist sowieso das personifizierte schlechte Gewissen und muss auf Bettinas Seite stehen. Und Du? Du hättest klein beige­ben können und so tun, als wäre alles noch so wie früher. Zu Deinem Pech muss man Dich aber nur anse­hen und dann kann man gar nicht mehr umhin, zu be­greifen, dass nichts mehr so ist wie früher. Also wäre es eine Lüge gewesen. Das kam auch nicht in Betracht.“

„Malte, Du verblüffst mich. Wo hast Du das alles her?“

„Denkst Du, nur Du entwickelst Dich weiter?“

„Scheint so. Sorry.“

„Schon gut. Sag’ mal: Das ist ja schon ganz schön extrem, wie Du rumläufst. Du findest das aber selbst toll, oder?“

„Ach, Malte! Das bisschen Make-up und die High-heels sind doch nicht alles. Natürlich finde ich das toll. Viel toller finde ich aber, was in mir drin passiert, was sich da verändert hat.“

„Das kann man aber leider nicht sehen. Und man kann nur beurteilen, was man sieht.“

„Wer will, kann auch sehen, was in mir ist.“

„Wie denn? Mir gibst Du die Möglichkeit, aber die an­deren hatten doch bis jetzt keine Chance.“

„Jetzt widersprichst Du Dir aber.“

„Nein, denn in einer Gruppe geht das nicht. Aber wenn Du mit Conny oder Anh Thi oder vielleicht sogar mit Bettina allein wärest, könntest Du versuchen, mit denen genauso zu reden wie mit mir.“

„Hm.“

„Wenn Du willst.“

„Wenn ich will.“

Als wir am Schloss angekommen waren, sagte Malte nur: „Oh“.

Ich ließ den Wagen vor der Einfahrt stehen und wir betraten die Eingangshalle.

„Das ist ein Hammer“, sagte Malte.

„Ich war auch ganz erschlagen, als ich zum ersten Mal hier war.“

„Tja, und jetzt wohnst Du hier. Das ist also Deine Bude.“

Wir grinsten.

Ich führte Malte in den Salon. Der Kamin brannte. Malte ging herum und sah sich die Gemälde an den holzgetäfelten Wänden an. „Die sind natürlich alle echt“, war sein Kommentar.

„Nö“, sagte ich, „die habe ich bei Metzen für’n Euro das Stück bekommen.“

„Ach ja, hier hängt ja noch das Preisschild. Ist aber nicht von Metzen. Ist von einem anderen Laden. Vermeer. Sind die auch so günstig?“

„Vermeert günstiger“, antwortete ich.

So alberten wir noch eine Weile herum, bis Malte, plötzlich ernst, meinte: „Ich bin beeindruckt. Ich meine, Du weißt ja, dass meine Eltern jede Menge Kohle haben, aber so was wie dieses Schloss habe ich, außer als Mu­seum, noch nicht gesehen. Mich stört aber etwas.“

„Was?“

„Das war doch alles bestimmt schon da, bevor Du hier eingezogen bist. Wo ist da Deine Handschrift? Ich meine, Du wohnst hier. Woran sieht man das?“

Ich dachte kurz nach. Ja, das musste er so sehen. „Malte? Sag mal … Du weißt nicht viel über SM, oder?“

„Nicht wirklich. Was man so im Fernsehen sieht. Auch mal aus Büchern. Aber das sind eher Klischees.“

„Und Du hast auch nicht wirklich was damit am Hut.“

„Nein, ich glaube nicht. Mal was ausprobieren, okay. Aber ich habe auch nichts dagegen. Jeder soll seine Sexualität so ausleben, wie es ihm gefällt, solange es nicht auf Kosten zum Beispiel von Kindern geht.“

„Gut. Dann zeige ich Dir jetzt, wie ich eigentlich hier wohne. Vorher noch eine Frage: Sagt Dir das Kürzel ‚24/7’ etwas?“

„Nein.“

„Damit bezeichnet man eine dominant-submissive Be­ziehung, die 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche dauert. Ohne Unterbrechung ist ein Partner do­minant und der andere Partner ordnet sich unter.“

„Aha.“

„Dann los!“

Wir gingen durch die Stahltür über meinen Gardero­benflur in meine Räume. Ich blieb an der Tür stehen.

„Hey, die Möbel kenne ich doch aus Deiner alten Bude“, stellte Malte sofort fest. Dann sah er die kleinen Kameras. „Oh. Das ist heftig. Deshalb hast Du mir ge­rade das mit 24/7 erzählt. Du findest das gut?“

„Ja.“

Malte war irritiert, dass ich nicht hereinkam: „Was ist?“

„Wir müssen zurück.“

„Hier ist es gemütlicher. Warum kommst Du nicht herein?“

„Ich kann nicht.“

„Wieso?“

„Ich will nicht, dass Du mich nackt siehst.“

„Hä?“

„Anders darf ich mich in meinen Räumen nicht auf­halten.“

„Ach so. Na ja, ich finde, wir sollten hier bleiben. Nein, nein, nur ein dummer Scherz. Gehen wir zurück.“

Es war nicht schlimm gewesen. Es hatte nicht weh­getan. Es führte zu keinerlei Veränderungen in Maltes Verhalten mir gegenüber. Es war eine schöne Erfahrung. Jeder Jeck is anders. Mit diesem hatte ich einfach Glück gehabt.

 

57.

Es war schon Nachmittag geworden und ich hatte Malte zur Eisdiele gefahren. Wir saßen beide noch im Wagen

„Halt mal still!“, forderte ich ihn auf.

Ich beugte mich zu ihm herüber und drückte ihm einen dicken Schmatz auf die Wange. „Weil Du ein echt prima Kerl bist“, meinte ich.

„Danke.“

„Vielleicht können wir das mal wiederholen?“

„Unbedingt!“ Malte griff sich grinsend an die Wange. „Ach so; Du meinst den ganzen Mittag. Sehr gern.“

Wir tauschten unsere aktuellen Telefonnummern aus. Ich gab ihm auch die Festnetznummer. Ich war sicher, dass mein Herr nichts dagegen hatte. Er konnte ja jeder­zeit hören und sehen, was ich tat.

„Michelle, hättest Du was dagegen, wenn ich Dich mal mit Bernadette besuche?“

„Aber nein! Ich würde sie sogar gerne kennen lernen. Allerdings … äh … weißt Du … ich muss Dir noch etwas sagen: Du denkst, ich wäre im Moment, wie hast Du ge­sagt, ‚aufgestylt’ oder so. Das ist aber eher ein sehr de­zentes Outfit und es hängt nicht von mir ab. Ich weiß auch nicht, wie das gehen könnte, aber ich denke, Du solltest Bernadette irgendwie … ‚vorwarnen’. Ich möchte nicht, dass sie genauso überfordert wird, wie beispiels­weise Conny.“

„Du meinst, es könnte sein, dass wir Dich besuchen und Dich in Lack und Leder antreffen oder so?“

„So etwas in der Art. Das ist nicht wahrscheinlich, aber, wie gesagt, nicht ich entscheide das.“

„Ich verstehe. Du musst Dir da, glaube ich, keine Sor­gen machen. Wenn ich gesagt habe, Bernadette sei et­was spießig, dann bezog sich das eher auf ihre Erziehung. Internat, eigenes Reitpferd, feine Restaurants besuchen und so. Sie ist aber sehr offen und tolerant. Wir waren auch schon zusammen mit dem Zelt in den Alpen; also, sie macht schon alles mit – allein aus Neu­gier. Ich werde mal sehen, wie ich sie ein wenig darauf vorbe­reite, dass Du eine etwas … andere Lebensweise hast.“

„Das hört sich sympathisch an.“

„Das ist sie auch und ich bin echt verliebt in sie.“

„Das ist schön.“

„Ja. Also, ich geh dann mal und schwing mich auf mein Aluminiumross.“

„Gut. Töte einen Drachen für Deine Liebste!“

„Mach ich. War echt schön heute. Tschüss.“

„Tschüss.“

„Malte?“

„Ja?“

Ich reichte ihm ein Kleenex aus dem Handschuhfach. „Der Lippenstift!“

„Oh. Danke. Nichts als Ärger mit Euch Tussis“, be­schwerte er sich scherzhaft.

Wen meinte er wohl noch mit „Euch“? Ich schmun­zelte vor mich hin, als ich den Motor meines Wagens an­ließ.

Da mein Herr auch ein wenig arbeiten musste und nicht den ganzen Tag mit meiner Überwachung verbrin­gen konnte, erzählte ich ihm am Abend alles, was er nicht selbst gesehen und gehört hatte.

Ich kniete zu seinen Füßen, nackt, wie es sich gehörte und genoss die Unnachgiebigkeit, mit der das Korsett meinen Rücken in eine gerade Haltung zwang.

„Dieser Malte ist wirklich ein feiner Kerl“, meinte mein Herr, „aber musstest Du ihn gleich küssen?“ Er lächelte dabei und daher bedeutete es kein Problem.

„Ich hoffe, ich habe nichts getan, was Sie nicht billi­gen.“

„Nein. Ganz und gar nicht. Du hast alles richtig ge­macht.“

„Danke, Herr. Das freut mich sehr.“

„Da habe ich wohl gar keinen Grund, Dich zu züchti­gen“, sagte er mit einem Grinsen.

„Brauchen Sie einen Grund?“ Ich grinste zurück.

„Eigentlich nicht“, antwortete er und stand auf.

Ich begab mich auf alle Viere und streckte meinen Po heraus. Ich war nass.

Mein Herr nahm seine flache Hand.

Ich hörte erst das Klatschen und spürte dann, wie sich ein wohliger Schauer aus Schmerz und Lust von der Stelle ausbreitete, die mein Herr mit seinem ersten Schlag getroffen hatte.

Er verteilte seine Schläge sorgsam über meinen run­den Po. Als das Brennen immer weiter zunahm, erreichte ich den Punkt, an dem sich die Schmerzen in pure Geil­heit verwandelten. Ich stöhnte.

Dann beugte mein Herr sich herunter und leckte mein Poloch. Ich drückte ein wenig, um aufnahmebreiter für seinen harten Schwanz zu werden. Dann drang er in mich ein.

Diesmal verbrachte er besonders viel Zeit damit, die Nerven in meiner Rosette zu reizen und sorgte immer wieder für ausreichende Schmierung, in­dem er seine Finger vorsichtig in meine triefende Möse führte und meinen eigenen Saft dann um mein Poloch rieb. Nach einer Ewigkeit fickte er mich schließlich mit gleichmäßigen Stößen in den Po.

Nachdem er gekommen war, nahm er mich in seine Arme und streichelte zärtlich mein Gesicht.

„Bin ich Ihnen inzwischen wieder eng genug?“, wollte ich wissen.

„Fast schon ein wenig zu eng“, lautete die Antwort, „ich will Dich nicht verletzen.“

„Dann können Sie mich ja wieder dehnen. Ich müsste ja nur soweit geöffnet werden, dass es genau passt, um Ihnen Vergnügen zu bereiten.“

„Ich denke darüber nach.“

Ich spürte, wie mich dieser kurze Dialog schon wieder vorbereitete. Ich ließ meinem Herrn die benötigte Zeit und rutschte dann an seiner Brust herab. Er unterbrach jedoch mein Bemühen mit den Worten: „Nicht jetzt!“

Schade, dachte ich.

Dann fiel mir ein, dass ich den Schwanz meines Herrn noch nie nach dem Analsex mit Mund oder Möse verwöhnen durfte und dass dies etwas mit Bakterien zu tun hatte. Als ich sah, wie sich das Ziel meiner Bemühungen auch ohne besondere Behandlung wieder aufgerichtet hatte, wurde mir klar, dass auch mein Herr wieder voller Begehren war. Selbst in diesem Zustand übernahm er noch Verantwortung für mich, dachte ich und voller Rührung drehte ich mich herum, um ihm eine erneute Benutzung meines Poloches zu er­leichtern.

Er nahm diese Einladung an.

Als ich den Penis an meiner Hinterpforte spürte, sagte ich ohne jedes Nachdenken: „Danke Herr, dass Sie mich noch einmal ficken.“

So musste es sein.  

 

58.

Die Harmonie zwischen meinem Herrn und mir war vollkommen.

Längst war mein Gehorsam ein Automatismus gewor­den. Ich dachte nicht mehr darüber nach.

Bis auf eine einzige Ausnahme.

Es waren vielleicht zwei Wochen verstrichen. Das Sommersemester würde in Kürze beginnen. Als mir der Zeitpunkt angemessen erschien, brachte ich meine Bitte vor.

Ich bat darum, mein Studium abbrechen zu dürfen.

„Auf gar keinen Fall“, war die Antwort.

Normalerweise wäre es damit erledigt gewesen. Ich hätte nicht noch einmal nachgefragt, sondern, selbstver­ständlich wie immer, gehorcht.

Dieses eine Mal erschien mir das unmöglich. Ich glaubte, genau zu wissen, was mein Herr dachte. Ich meinte, dass er damit einem Irrtum unterlag. Ich tat das einzig Richtige: Ich stellte seine Entscheidung nicht in Frage. Ich erklärte, mich natürlich seinem Willen zu unterwerfen und bat darum, die Gründe für meinen Wunsch erläutern zu dürfen. Er gestattete es.

Ich versuchte, meine Bitte zu erklären: „Der Sinn die­ses Studiums ist, mich in die Lage zu versetzen, meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Mein Leben ge­hört Ihnen. Ich benötige kein eigenes Einkommen, da alle Ausgaben, die ich vornehme, Ihrer Disposition un­terliegen. Sie entscheiden, was ich anziehe. Wenn Sie wollen, bestimmen Sie, wo ich mich aufhalte, was ich esse, was ich tue. So ist das richtig. Anders kann und will ich nicht mehr leben. Für all dies brauche ich keinen Beruf. Ich brauche auch keinen Beruf aus Grün­den der Selbstverwirklichung, denn Sie entscheiden, was ich bin. Wenn ich mich weiterentwickle, dann geschieht dies auf die Weise, die Sie für mich vorgesehen haben. Davon abgesehen, steht mir nicht zuletzt dank der Mög­lichkeiten, die Sie mir geben, wenn Sie es wollen, die ganze Welt offen, denn Sie legen sie mir zu Füßen. Falls Sie meiner überdrüssig würden, könnte ich allein auf­grund meines eigenen Vermögens bis zu meinem Le­bensende ein Dasein fristen, was ich allerdings gar nicht täte, denn dann würde ich nicht weiterleben wollen. Ich sage dies alles nicht, um Sie umzustimmen, dann na­türlich können Sie entscheiden, dass ich das Studium fortsetze. Möglicherweise ist das in Ihrem Sinne, weil Sie wollen, dass ich mich auch dadurch entwickle. Sie kön­nen es auch aus Gründen, die ich nicht einmal kennen muss, einfach anordnen. Oder ohne Grund. Ich werde gehorsam sein. Immer. Ich vermute jedoch, dass Ihre Befehle dem folgen, wovon Sie glauben, dass es gut für mich ist, dass es meinem Wohl dient. Ich denke, dass es nur eine Art Maskerade wäre. Und schlechthin überflüs­sig. Nun wissen Sie, was ich denke. Das genügt. Ich bin Ihre Sklavin und werde alles tun, was Sie verlangen.“  

Er sah mich ernst an. Dann streichelte er meine Wange und meinte: „Du bist eine verblüffende Frau. So klug, so schön und so … unvergleichlich. Du weißt ge­nau, was und wie ich denke und manchmal kommt es mir vor, als würdest Du über mich und mein Leben bestimmen und nicht umgekehrt. Natürlich hast Du mich mit Deiner Bitte überrascht und ich habe spontan gesagt, was ich für das Beste halte und ja, ich dachte, es wäre gut für Dich. Manchmal fühle ich mich wie der Zauberlehrling und beobachte dann voller Staunen, welch perfekte Sklavin Du geworden bist. Dabei weiß ich ganz genau, dass ich nur Anstöße gegeben habe. Du bist Deinen Weg aus eigenem Antrieb gegangen. Ich kann nicht mit Worten ausdrücken, wie stolz ich auf Dich bin und wie dankbar, dass ich Dich unglaubliches Wesen mein Eigentum nennen darf. Deine Argumente kann ich nicht widerlegen. Es stimmt, ich habe mich geirrt. Aller­dings könntest auch Du Dich irren und es ist mir zu­tiefst ein Bedürfnis, Dich zu beschützen und Schaden von Dir fernzuhalten. Normalerweise würde ich jetzt meine Entscheidung korrigieren, aber es gibt eine kleine Unwägbarkeit. Du warst sehr lange nicht an der Uni. Dies alles ist so weit weg. Vor diesem Hintergrund er­scheint es allzu verständlich, dass es Dir wie eine Mas­kerade vorkommt. Deshalb befehle ich Dir: Du nimmst Dein Studium wieder auf! Für zunächst einen Monat. Du wirst mit der nötigen Ernsthaftigkeit studieren, als wäre es zum Abschluss bestimmt. Während dieses Monats kannst Du überprüfen, ob nicht der Abstand, den Du jetzt noch zu all diesen Dingen hast, Dich zu Schlüssen geführt hat, die unter anderen Bedingungen falsifizierbar sein könnten. Kommst Du nach diesem Monat zu einer unveränderten Einschätzung, dann werde ich Dir den Abbruch Deines Studiums erlauben.“

„Ja, Herr.“

Voller Dankbarkeit nahm ich seine Hand und be­deckte sie mit tränengetränkten Küssen. Ich liebte einen weisen Mann.

Zwei Tage vor Semesterbeginn – ich hatte mich vorbe­reitet, mir das Vorlesungsverzeichnis besorgt, etwas Ö-Recht gepaukt, denn das war meine Achillesverse – klopfte Bernhard, ein richtiger Butler, den mein Herr kürzlich eingestellt hatte und der natürlich in unsere Lebensweise eingeweiht war (er hatte vorher bei einem anderen Nemesis-Meister gearbeitet), an meine Zim­mertür. „Baroness“, so nannte er mich nicht ganz kor­rekt im Vorgriff auf die Heirat, was ich total albern, aber auch so putzig fand, dass ich ihn gewähren ließ, „ein Herr Genthin ist am Telefon. Im Arbeitszimmer. Darf ich ihm sagen, dass Sie mit ihm zu sprechen wünschen?“

Das war Malte.

„Ja“, rief ich, „sagen Sie ihm, dass ich mich freue und gleich komme.“

„Sehr wohl, gnädige Frau.“

Ich musste jedes Mal prusten, wenn Bernhard das sagte. Welch ein Klischee! Aber süß.

Schnell zog ich mir einen seidenen Morgenmantel über, der in letzter Zeit häufig an der Garderobe hing und trippelte auf meinen nackten Füßen ins Arbeits­zimmer.

„Hallo, Malte“, rief ich (was man bei meinem geringen Stimmvolumen so „rufen“ nennen kann) in den bereit­gelegten Hörer.

„Hi, Michelle. Wie geht es Dir?“

„Super. Und Dir?“

„Bestens. Ich wollte fragen, ob Bernadette und ich Dich morgen mal besuchen können.“

„Augenblick.“ Ich deckte die Sprechmuschel mit der Hand ab.

„Herr? Hörst Du gerade zu?“

Schweigen.

„Herr? Hallo? Ich hoffe, Du steckst nicht gerade in einer geschäftlichen Besprechung. Hörst Du mich?“

Dann, endlich, die vertraute Stimme in meinen Ohr­implantaten: „Ich hatte die Lautsprecher am Notebook leise gestellt, weil ich gerade ein Telefonat mit Dubai führe. Dann habe ich auf dem Monitor den Hörer in Deiner Hand gesehen. Was ist los? Antworte schnell!“

„Malte und seine Freundin würden mich gerne morgen besuchen. Okay?“

„Ja.“

„Danke, Herr.“

Ich nahm die Hand von der Sprechmuschel: „Das geht klar. Wann kommt Ihr?“

„Gegen Drei. Ist Dir … ist das in Ordnung?“

„Ja. Fein. Ich freue mich. Grüße an Bernadette!“

„Zurück. Sie steht neben mir. Also bis morgen.“

 

59.

Am nächsten Tag hatte mein Herr keine übertriebene Rücksicht bei der Auswahl meiner Kleidung walten las­sen. Ich fand ein blaues Samtkleid vor, welches sich eng um meine Wespentaille schmiegte, die inzwischen noch einmal gute zwei Zentimeter enger geschnürt worden war. Ein breiter, roter Gürtel betonte zusätzlich meine Sanduhrfigur. Strapse und schwarze Strümpfe mit Naht lagen bereit. Diesmal befanden sich die roten Halb­schuh-Ballerinas auf der „Zwangsseite“.

In diesem Outfit trippelte ich in den Salon. Bernhard hatte meine Gäste dort hinein geführt und Espresso an­geboten.

Bernadette ließ ihre Tasse fallen, als sie mich sah.

Der Butler kam sofort herbeigeeilt und räumte die Scherben weg.

„Das ist mir so peinlich“, meinte Bernadette.

„Ach was“, entgegnete ich und reichte ihr meine Hand, „ich bin Michelle. Schön, Dich kennenzulernen.“ Sie er­griff meine Hand und ich erblickte einen zartrosa Lack auf ihren kurzen, gepflegten Fingernägeln. Auch Bernadettes Gesicht war sehr dezent, aber doch erkenn­bar, geschminkt. Schau an, dachte ich, da hatte ich schon ganz richtig vermutet, wen Malte noch gemeint hatte, als er „ihr Tussis“ sagte. Sie trug Armanijeans und einen rosa Wollpullover mit Rollkragen von Strenesse. Schlicht, aber teuer. An ihren Füßen sah ich flache, hellbraune Stiefel.

Ich überragte sie auf meinen extremen Absätzen um eine halbe Kopflänge. Also war sie, bei gleicher Absatz­höhe, nicht sehr viel größer als ich. Sie hatte kurze, mittelblonde Locken mit rötlichem Einschlag, schöne, große, braune Augen und wirkte mit ihren kleinen Brüsten ein wenig mädchenhaft (kein Wunder, dass Malte sich früher auch mal in mich verknallt hatte – so war eben „sein Typ“).

„Hallo Michelle“, sagte Malte, „ich werde nie wieder behaupten, dass Du ‚aufgestylt’ bist. Versprochen.“

Wir lachten.

„Kommt“, meinte ich, „setzt Euch erstmal!“

Wir nahmen in den schweren Ledersesseln Platz. Bernadette schien sichtlich bemüht, sich nichts anmer­ken zu lassen, aber als ich meine gestreckten Füße übereinander legte und meine Beine wie vorgeschrieben seitlich abwinkelte, folgten ihre Blicke ganz genau jeder meiner Bewegungen.

„Euer Butler ist ja ne Schau“, meinte Malte, „wie eine jüngere Ausgabe von Anthony Hopkins in ‚Was vom Tage übrig blieb’. So schön steif, aber so müssen die wohl sein.“

„Ja, nicht wahr?“, sagte ich, „ich könnt mich jedesmal kringeln. Der nennt mich ‚Baroness’ und ‚gnädige Frau’. Wie im Film.“

Wir lachten wieder. Auch Bernadette, die sich allmäh­lich an meinen Anblick zu gewöhnen schien, amüsierte sich. Jetzt, nachdem sie (wenigstens hin und wieder) ihre Augen von mir losreißen konnte, sah sie Malte auf eine Art an, die zu meiner Freude deutlich machte, dass nicht nur er in sie verliebt war, sondern auch sie in ihn. Eine Frau erkennt das, behaupte ich einfach mal.

„Sag mal, Michelle“, wollte Malte wissen, „kriegst Du eigentlich noch Luft? Das sieht ja noch viel extremer aus als neulich, oder scheint das nur so durch Dein Kleid und den Gürtel?“

„Nein, nein, das ist jetzt wirklich noch enger. Das scheint nicht nur so. Luft? Na ja, das geht schon. Ich darf nur nicht versuchen, zu brüllen.“

Jetzt schaltete Bernadette sich ein: „In Filmen sieht man manchmal, dass Frauen in Ohnmacht fallen. Pas­siert Dir das auch?“

„Ja. Ab und zu.“

„Und dann kommt ein galanter Herr herbeigeeilt und reicht ein wenig Riechsalz“, feixte Malte.

„Mindestens“, entgegnete ich, „das würdest du doch auch für eine Dame tun, oder?“

Malte hielt sich die Nase zu und quäkte: „Sölbstverstöndlich, gnädige Frau, es wäre mir oin Ver­gnügen.“

Wenn es denn ein „Eis“ gegeben hätte (aber das war eigentlich von Anfang an nicht da), dann wäre es spä­testens jetzt gebrochen, denn wir lachten uns alle halb­tot über Maltes kleine Vorstellung.

Bernadette sammelte nun auch Pluspunkte, als sie ganz offen zugab: „Also ich könnte das nicht. Ich meine, so mal zum Spaß und aus Neugier, das wäre schon ganz nett, da würde ich auch mal ein Korsett anziehen, aber Malte hat gesagt, Du trägst das auch in der Öffentlich­keit. Die Leute glotzen doch bestimmt.“

„Die Leute finden doch immer einen Grund, zu glot­zen“ stimmte ich zu. „Als ich noch in Sack und Asche herumgelaufen bin, war das auch nicht immer zu ver­meiden. Du bist doch selbst sehr hübsch. Du kennst das doch auch, oder?“

Bernadette war geschmeichelt und Malte sah ganz stolz aus. Süß, dachte ich.

„Ja, schon“, sagte sie, „aber ich finde das Gegaffe wi­derlich. Man traut sich ja kaum noch, mal einen kurzen Rock anzuziehen, weil man gleich von irgendwelchen Ekelpaketen angemacht wird.“

Ich nickte. „Aber Malte darf schon mal glotzen, oder?“

„Na ja.“ Sie warf ihm einen verträumten Blick zu und wandte sich zu ihm, „aber nicht, dass Du denkst, ich laufe für Dich mit Minirock rum!“

„Warum eigentlich nicht?“, wollte ich wissen.

„Der wird sonst übermütig“, meinte Bernadette mit gespieltem Nachdruck.

Ich ließ es darauf beruhen.

Ich hatte schon bemerkt, dass Bernadette anfing, sich ganz wohl zu fühlen. Ich mochte sie und das schien auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Trotzdem war ich über­rascht, als sie ohne jede Scheu nachfragte: „Und Du würdest alles tun, was Dein Freund … Dein Mann … von Dir verlangt? Ich meine, Malte hat mir gesagt, dass Du SM machst. Damit ich nicht ‚schockiert’ wäre. Manch­mal denkt er wohl, ich sei naiv.“

„Ja. Würde ich.“

„Also, das könnte ich nicht. Wie kannst Du Deinem Mann so sehr vertrauen? Hast Du keine Angst, dass Du ausgenutzt wirst?“

„Nein. Aber Du vertraust Malte doch auch, oder?“

„Ja. Sicher. Aber ich treffe meine eigenen Ent­scheidungen. Woher soll Malte denn immer wissen, was für mich gut ist? Ich meine, das weiß ich doch selbst viel besser.“

„Bernadette, ich würde nie meine Art zu leben als Vorbild für andere hinstellen. Ich habe für mich ent­schieden, dass ich so leben will und, wenn ich genau überlege, dann wollte ich das schon, bevor ich meinen … Herrn überhaupt kennen gelernt habe. Mir hat immer etwas gefehlt und inzwischen weiß ich ganz genau, was das war.“

Dann geschah etwas höchst Bemerkenswertes:

Bernadette sagte: „Manchmal denke ich, dass das eigentlich allen Männern gefallen würde. Ich glaube, Malte auch.“

Er rutschte etwas unbehaglich auf seinem Sessel herum.

„Kann sein“, versuchte ich, die Situation zu entspan­nen, indem ich auf mich Bezug nahm und gleichzeitig verallgemeinerte, „aber der Preis ist enorm. Wenn ich mich meinem Herrn unterwerfe, weise ich ihm damit die denkbar größte Verantwortung zu. Die wenigsten Män­ner sind dem gewachsen.“

Bernadette schien zu begreifen. „Dein … ich kann das nicht sagen … Dein … entschuldige … Dein … ‚Herr’ … oh Gott … kann das aber und Du fühlst Dich wohl?“

„Pudelwohl.“

„Dann ist es gut … für Dich.“

Bernadette, Bernadette, dachte ich, was schlummert da alles hinter Deinem hübschen Mädchengesicht?!

Und Malte?

Der schwieg und überließ uns Frauen das Gespräch.

Er machte auch keinen seiner unterhaltsamen Scherze. 

Was hatte ich da wohl angerichtet?

„Sagt mal“, meinte ich, „mögt Ihr eigentlich Wölfe?“

„Wölfe?! Hier gibt es Wölfe?“, rief Malte begeistert.

„Ich liebe Wölfe“, sagte Bernadette.

„Gut“, meinte ich, „dann gehen wir zum Gehege“.

Ich hätte gern einen Mantel angezogen, aber ich hatte ja keinen an der Garderobe vorgefunden. Mein Samt­kleid war zum Glück nicht ganz ungeeignet und es war sonnig draußen, also musste es auch so gehen. Ein bisschen Frieren würde ich schon verkraften.

Wir verließen das Schloss und brachten den kurzen Waldweg hinter uns. Irgendwann sagte Bernadette nicht ohne Anerkennung: „Du kannst echt gut laufen in den Dingern.“

„Alles Übungssache“, meinte ich, „ich habe auch dafür trainiert.“

Es war nicht zu übersehen, dass Malte immer wieder zu meinen Füßen blickte. Auch Bernadette entging dies nicht.

Ich hatte schon so manche Stunde am Gehege verbracht und hoffte jetzt, dass sich der Alpha-Wolf, ein gewaltiges Tier mit weißem Fell, zeigen würde.

Meine Hoffnung wurde nicht enttäuscht.

„Malte, da!“, rief Bernadette, als der Wolf hinter einem Felsbrocken auftauchte.

„Wahnsinn!“, kommentierte Malte, „ist das der Chef?“

„Das ist er“, antwortete ich, „ist er nicht wunder­schön?“

„So ein schönes Tier habe ich noch nie gesehen“, flüsterte Bernadette ehrfürchtig.

Dann standen wir lange einfach nur schweigend da und beobachteten die majestätischen Bewegungen des weißen Wolfes.

Der Nachmittag war viel zu kurz.

Später verabschiedeten wir uns mit Küsschen. Als die beiden sich schon zur Tür gewandt hatten, drehte Bernadette sich noch einmal um und umarmte mich kurz.

„Ich hoffe, wir können den Nachmittag bald mal wie­derholen“, meinte ich.

„Das wäre schön“, sagte Bernadette.

Vor einigen Monaten hatte ich mit Sabrina eine große Schwester bekommen. Ich wurde das Gefühl nicht mehr los, dass ich bald auch eine kleine Schwester hätte.

 

60.

Das Semester begann.

Schon am ersten Vorlesungstag fühlte ich mich wie ein Fremdkörper. Das lag nicht an meinem Aussehen; es gibt unter Jurastudentinnen schon noch die ein oder andere Frau auf High-heels und mit auffälligem Make-up. Ich war auch nicht die einzige Studentin, die mit einem Achtzigtausendeuro-Auto zur Uni fuhr.

Es waren die Gespräche, die rund um das Hauptse­minar, vor und im Vorlesungsgebäude oder auf dem Campus abliefen.

Bei Juristen geht es in erster Linie immer um die ak­tuelle Klausur oder die aktuelle Hausarbeit. Muss man den § 231 BGB auch prüfen? Ist es richtig, nach Betrug und Urkundenfälschung auch noch auf Sachbeschädi­gung abzustellen, weil der Täter eine Schreibtisch­schublade aufgebrochen hat? Hat die Vereinigung der Toilettenwarte des Deutschen Bundestages die Aktivle­gitimation für eine Organklage vor dem Verfassungsge­richt? All that stuff! Das war ja noch irgendwie auszuhalten.

Dennoch spürte ich, wenn es denn doch mal um all­tägliche Sorgen und Nöte ging, wie weit meine eigene Welt von dieser dort entfernt war.

Natürlich waren das alles nur Dinge, die ich auf­schnappte. Ich selbst wurde eigentlich nur angespro­chen, um angebaggert zu werden. Das war früher auch der Fall, aber die Qualität der Männer hatte sich verän­dert (sofern man das Wort „Qualität“ in diesem Zusam­menhang überhaupt gebrauchen kann). Eine ganze Reihe von Typen traute sich einfach nicht mehr an mich heran. Das war auch gut so.

Dafür blieb es keine Ausnahme, wenn ein Dozent nach der Vorlesung noch auf mich zukam: „Ihre Frage war sehr interessant; wir sollten das noch erörtern.“ „Aber Herr Professor, ich hatte doch nur gefragt, ob Sie ihr Mikrofon etwas lauter stellen könnten.“ „Ja, genau. Das wirft doch sehr komplexe Problematiken hinsicht­lich der Behandlung von Vorsatz und Fahrlässigkeit auf. Das sollten wir in meinem Büro besprechen.“

Schönheit kann wirklich eine Strafe sein.

Aber ich hatte zu gehorchen. Also quälte ich mich durch.

Umstellen musste ich mich bei Infoständen politischer Studentenvereinigungen. Wurde ich früher auch von schlabberigen Linksalternativen in Strickpullis mit Pa­lästinensertuch um den Hals angequatscht, so machten diese jetzt meist einen großen Bogen um mich. Stattdes­sen wurde ich Opfer pickelgesichtiger Milchbubis vom RCDS oder gar feister Schmissträger irgendwelcher Bur­schenschaften.

Einer verfolgte mich sogar vom Eingang des Hauptge­bäudes über den gesamten Flur bis zum Hauptseminar. Ich hatte auf meinen Absätzen und mit meinen kurzen Schritten keine Chance, diesem Flugblattwedler zu entkommen. Ich verlor die Nerven: „Hör mal zu, Bursche! Wenn Du glaubst, Du könntest mich mit dem Anblick Deines allerersten Bartwuchses belästigen, bis mir schlecht wird, dann liegst Du falsch. Wenn Du eine Wichsvorlage für Deine Kumpels suchst, mit denen Du abhängst und schwanzlose Männlichkeitsrituale ze­lebrierst, dann kauf Dir ein Pornoheft. Und jetzt verpiss Dich!“

Das half. Vor allem meiner Laune.

Geladen, wie ich trotzdem immer noch war, sah ich, wie ein weiterer Milchbubi auf mich zu kam; allerdings einer im Öko-Outfit, was nicht weniger schrecklich war.

„Michelle?“, meinte der.

Scheiße, dachte ich, jetzt kennen die schon meinen Vornamen.

„Ja. Und? Kennen wir uns?“

„Ich bin Ralf. Conny hat mir gesagt, ich soll einfach nach der Frau mit den höchsten Absätzen und dem knalligsten Lippenstift suchen.“

„Schön“, meinte ich, „die hast Du ja jetzt gefunden. Und?“

Ralf war erstmal sprachlos.

Nach einer Weile meinte er: „Na ja, ich dachte, wir könnten ja mal einen Kaffee trinken gehen oder so.“

„Warum?“

Wieder Ruhe.

„Tja, ich dachte, Du und Conny, Ihr wart doch mal gut befreundet und da dachte ich …“

„Was dachtest Du?“

„Das ist doch schön, wenn man Leute kennt. Da kann man mal zusammen entspannen zwischen den Vorle­sungen.“

„Ach. Entspannen?“

„Ja. Beim Kaffee eben. Und quatschen.“

„Worüber willst Du denn mit mir quatschen?“

„Na, so alles eben. Was so anliegt. Conny meinte, Du hättest ein paar Probleme und …“

„Ah so. Natürlich, ja! Ich habe ein paar Probleme. Stimmt. Willst Du wissen, welche?“

„Conny meint, Du hättest so einen Freund, also … der Dich schlägt und so und ich bin in einer Gesprächs­gruppe, wo wir solche Fragen besprechen, also … so Fragen von Loslassenkönnen und Selbstverwirklichung, weißt Du?“

„Na, das klingt ja interessant. Und Du meinst, das könnte mir helfen? Bei meinen Problemen und so?“

„Bestimmt. Es ist immer erst mal gut, wenn man ein­fach darüber reden kann. Da muss man noch gar keine Therapie machen. Wir verstehen uns auch eher als the­rapievorgelagert.“

„Ich würde gern gleich hier und auf der Stelle mit Dir über meine Probleme reden. Ich weiß nämlich nicht mehr weiter. Das muss einfach raus, weißt Du?“

„Klar. Aber es wäre besser, wir hätten einen Raum und Zeit und so.“

„Nein. Jetzt. Pass auf! Problem Nummer eins: Leute, die behaupten, sie wären meine Freunde. Nummer zwei: Dicke, hässliche Frauen, die an mir ihre Komplexe abar­beiten wollen. Nummer drei: Neidzerfressenes Geschmeiß, das mein Glück nicht ertragen kann. Nummer vier: Deppen, die ich überhaupt nicht kenne und die glauben, sie könnten einfach so mit mir über meine Pri­vatangelegenheiten reden. Nummer fünf: Vollidioten, die zu blöd sind, sofort zu begreifen, dass ich sie verarsche. Reicht das? Trage das doch bitte Deinem Gesprächskreis vor. Die anderen Verklemmten haben dann auch eine Freude. Grüß Conny von mir. Tschüss.“

Ich lief los; drehte mich dann aber noch einmal um.

Ralf stand wie angewurzelt da.

„Ach, noch etwas, Ralf: Wage es nicht, mich noch einmal anzuquatschen!“

Dann ging ich.

 

61.

In dieser Zeit spürte mein Herr meine Unzufrieden­heit. Er tat das einzig Richtige: Er war besonders streng und züchtigte mich mehrfach, bis ich blutend und wim­mernd zusammenbrach.

Erstmalig machte ich Bekannt­schaft mit einer Bullenpeitsche. Diese Dinger haben eine enorme Wucht. Der Körper wird mit jedem Schlag regel­recht durchgeschüttelt. Ich hatte Angst, mein Korsett könnte Schaden nehmen, aber mein Herr beherrschte auch diese Form meiner Züchtigung meisterhaft: Jeder Hieb traf exakt sein vorbestimmtes Ziel.

Ich war über alle Maßen dankbar, dass mir so immer wieder mein wahrer Platz zugewiesen wurde. Genau das brauchte ich.

Das war die Peitsche. „Zuckerbrot“ bekam ich auch; nicht nur in Form von Aufmerksamkeit und Zuwendung sowie unendlicher Zärtlichkeit – mein Herr sorgte mit einem ungewöhnlichen Angebot für Zerstreuung:

Segeln.

„Im April?“

„Warum nicht. Am Mittelmeer ist es doch schon warm.“

Schön, dachte ich. Es gab nur ein Problem. Mein Herr hatte zwar eine Yacht, die in einem Hafen auf Malta lag, aber die war ziemlich groß und als Einhandsegler unge­eignet. Wir würden seinen Bruder und Sabrina mitneh­men müssen.

Ich freute mich schon darauf, mal wieder etwas mehr Zeit mit Sabrina verbringen zu können, als die Hiobsbot­schaft eintraf: Sie lag mit einer fiebrigen Erkältung im Bett und ihr Herr wollte nicht zum Segeln gehen, wäh­rend sie daheim allein vor sich hin hustete.

Sind sie nicht allerliebst, diese Herren?!

Da hatte ich eine Idee.

Ich wusste, wer noch segeln konnte. Das hatte ich nämlich schon früher mal erfahren: Extremsportler Malte.

Mein Herr war einverstanden. Also rief ich Malte kur­zerhand an und erzählte ihm von unserem Plan für ein verlängertes Wochenende auf See. Er war sofort Feuer und Flamme. Mit etwas Überzeugungsarbeit gelang es ihm dann auch noch, Bernadette davon abzubringen, an dem besagten Wochenende dem Wunsch ihrer Eltern zu folgen und mit ihnen in den Schwarzwald zum Besuch bei der Großmutter zu fahren.

Also trafen Malte und Bernadette (wieder) an einem Donnerstagnachmittag im Schloss ein. Beide sahen aus, als würden sie zum Überlebenstrai­ning reisen. Riesige Rucksäcke wölbten sich über ihre Rücken.

Ich empfing sie selbst vor dem Eingangstor. Diesmal ohne Ballerinas an den Füßen. Stattdessen trug ich meine gefütterten Stiefeletten zu einem beigen Hosenan­zug.

Wir begrüßten uns herzlich, als mein Herr aus dem Eingang heraustrat. „Schön, Euch kennen zu lernen. Ich bin Jürgen. Ihr seid ja anscheinend gut ausgerüstet. Kein weiteres Gepäck? Gut. Lasst einfach die Rucksäcke hier stehen. Bernhard bringt sie in den Wagen. Ich schlage vor, wir brechen gleich zum Flughafen auf. Re­den können wir in der Maschine.“ Dann ging er zur Ga­rage.

Bernadette starrte Malte an.

„Was ist?“, meinte der.

„Den habe ich mir irgendwie ganz anders vorgestellt.“

„Wie denn?“, wollte ich wissen.

„Na ja, nicht so … nett, so ‚normal’, sondern eher wie so einen richtigen Baron mit etwas näselnder Stimme.“

„So wie Malte neulich?“

„Genau.“

Lachend folgten wir meinem Herrn zum Bentley. Bernhard kam mit den beiden Rucksäcken hinterher und verstaute diese im Kofferraum.

Mein Herr fuhr selbst und während der Fahrt erfuhr ich von Bernadette, dass es durchaus nicht leicht gewe­sen war, sich vor dem geplanten Familienbesuch zu drücken.

„Meine Eltern sind ja solche Spießer!“, meinte Bernadette. Ich sah Malte an, der verlegen zu Boden blickte.

Bernadette konnte ganz schön in Fahrt geraten, stellte ich fest.

„Das muss man sich mal vorstellen“, regte sie sich weiter auf, „die waren total sauer, als ich ge­sagt habe, ich wollte lieber mit Malte wegfahren. Irgendwann habe ich dann erzählt, dass wir uns mit einer guten Freundin und ihrem Mann treffen wollen. ‚Welche Freundin denn? Kennen wir die?’ Puh! Als ob die das was angeht! Ich bin doch keine sechzehn mehr. Die sind so blöd, das glaubt Ihr gar nicht. Es war ganz ein­fach. Ich habe gesagt: ‚Die kennt ihr nicht, aber doch ganz bestimmt ihren Mann, den Baron von Denkwitz, dem das Jagdschloss draußen an der A4 gehört. Der be­rühmte Kunstsammler und Ga­lerist.’ Wisst Ihr, was die gesagt haben? Schlagartig? ‚Ach so. Baron von Denkwitz. Und den kennst Du? Das ist ja toll, dass der Euch einlädt. Frag ihn doch mal, ob er uns nicht mal ein schönes Gemälde empfehlen kann.’ Diese … diese … also, ich glaube das einfach nicht. Hätte ich gesagt, ‚der hat Wölfe und ich gehe dahin, da­mit die was zu fressen kriegen, die mögen besonders gern Töchter bescheuerter Eltern’, dann hätte es be­stimmt geheißen: ,Dann frag aber mal den Herrn Baron, ob wir nicht mal ein hüb­sches Wolfsfell bekommen kön­nen’. Ekelhaft!“

Wir lachten alle so laut, dass auch Bernadette grinsen musste. Durch meine Einschnürung blieb mir fast die Luft weg.

Malte sagte zu Bernadette: „Denen müsste man mal das Schloss zeigen. Dann erlauben die Dir künftig alles.“

„Ja“, meinte Bernadette, „vor allem müssen die den Vermeer im Salon sehen, dann fallen die nämlich tot um vor Ehrfurcht. Herr von De … Entschuldigung. Jürgen?“

„Ja.“

„Was ist denn der wert? Doch bestimmt ein Vermö­gen.“

„Schwer zu sagen. Der wurde ja noch nie versteigert. Die Versicherungssumme nach Wertgutachten liegt bei zwölf Millionen Euro.“

„Pffft“, machte Bernadette und Malte schluckte hör­bar.

„Sag ich doch“, meinte ich zu Malte, „alles von Metzen.“

Während des Fluges nach Malta ging die angeregte Unterhaltung weiter. Ich lernte eine neue Seite meines Herrn kennen. Er war ein wirklich unkomplizierter, ein­fühl­samer Plauderer. Nicht, dass mich das überrascht hätte, aber es war schön, zu erleben, wie er Malte und Bernadette behandelte. Sie fühlten sich sichtlich wohl in seiner Gegenwart und quetschten ihn bald auf eine Weise aus, die mir imponierte. Er ließ es zu und erzählte bereitwillig von seiner Familie, seinen Firmen, den Wöl­fen und meist sprach er von „wir“, was mich sehr stolz und glücklich machte. So fühlte ich mich kurz vor der Hochzeit bereits voll und ganz als seine Frau.

Vom Flughafen aus fuhren wir mit einem Mietwagen zur Anlegestelle. Ich beobachtete mit Vergnügen, wie Malte meinem Herrn nacheiferte und Bernadettes Ge­päck trug. Er hielt ihr sogar die Autotüre auf und das schien Bernadette durchaus zu gefallen.

Dann standen wir vor der Yacht.

„Geil“, war Maltes erster Kommentar.

 

62.

Die Segelyacht war das Flaggschiff der Bavaria-Bau­reihe. Ein 14-Meter-Boot mit gewaltigem Großmast und allem Luxus.

Die Männer brachten das Gepäck an Bord. Wir Frauen zogen unsere Schuhe aus und betraten das Deck.

Bernadette nutzte die Gelegenheit und sagte leise zu mir: „Der ist ja echt supernett – auch zu Dir.“

„Überrascht Dich das?“

„Irgendwie schon. Der trägt Dich ja regelrecht auf Händen.“

„Weil er mich liebt.“

„Ja, aber … das passt doch gar nicht … ich meine …“

„Zu einer SM-Beziehung, meinst Du.“

„Genau.“

„Doch. Das passt sehr gut. Anders würde es auch nicht funktionieren.“

„Ich glaube, da bin ich wohl etwas voreingenommen.“

„Das macht nichts. Das liegt daran, dass in den Me­dien soviel Blödsinn darüber verzapft wird und außer­dem sind die meisten Männer, die einen auf Dominanz machen, nur dumme, verhaltensgestörte Arschlöcher.“

„So hatte ich das gesehen, ja. Aber Jürgen ist ganz anders.“

„Ja. Ganz anders.“

Dann kamen auch die Männer an Bord. Gemeinsam gingen wir unter Deck. Dort strahlte alles in edlem Teak und poliertem Messing. Malte und Bernadette bezogen eine Kabine im rechten Vorschiff, mein Herr und ich die Eignerkabine im Heck.

Danach gingen die Männer wieder an Deck, um das Boot seeklar zu machen.

„Bernadette, komm, wir machen erstmal Kaffee“, sagte ich zu ihr, „ich hoffe, Du kannst ein wenig ‚klassische Rollenverteilung’ ertragen. Die Männer steuern das Schiff und wir kümmern uns um die Verpflegung und aalen uns später an Deck.“

„Aalen ist gut“, antwortete sie, „und der Rest muss eben sein.“

Während der Kaffee lief, meinte sie: „Du kennst Malte schon relativ lange, oder?“

„Ja. Schon. Aber erst vor kurzem sind wir wirkliche Freunde geworden.“

„Hm. Das hat er mir erzählt. Das muss ganz schön übel gewesen sein, was da bei dieser Anh Thi abgegan­gen ist.“

„Die konnte am wenigsten dafür.“

„Da hast Du ihm auch das mit dem SM erzählt, nicht?“

„Ja. Ging ja nicht anders, so, wie die sich alle das Maul zerrissen hatten.“

„Das ist so mies. Ich hätte denen auch ein paar pas­sende Worte erzählt.“

„Schön, dass Du es auch so siehst.“

„Sag mal, Michelle?“

„Ja?“

„Ich war mit Malte in der Videothek.“

„Ja. Und?“

„Wir haben uns einen Film ausgeliehen.“

„Ja?“

„Ja. Über SM.“

„Hoffentlich einen guten Film.“

„Malte fand ihn gut.“

„Und Du?“

„Ich weiß nicht.“

„Du solltest nichts überstürzen. Wenn Du etwas nicht mit Dir vereinbaren kannst, dann lass es. Wenn Dir was gefällt, probierst Du es einfach mal aus. Dann wirst Du schon sehen, ob es gut für Dich ist.“

„Meinst Du?“

„Ja.“

„Ich weiß nicht, wie ich das Malte sagen soll … ich meine … wenn ich was ausprobieren will.“

„Malte liebt Dich, Bernadette. Und er ist wirklich ein feiner Mensch. Sprich einfach offen mit ihm und dann wird er sich auch so verhalten, dass alles gut ist.“

„Danke.“

„Keine Ursache.“

„Ich glaube, ich gehe mich mal umziehen. Es sind be­stimmt 20° draußen.“

„Gute Idee.“

Das war wirklich eine gute Idee gewesen, aber ich musste erst einmal fragen. Ich hatte ja hier keine Garde­robe.

Mein Herr begleitete mich in unsere Kabine und holte aus einem Koffer hervor, was ich zu tragen hatte: einen dünnen, lachsfarbenen Badeanzug, extra für meine neue Figur angefertigt, hochgeschlossen (bis zum Halsband), aber mit freien Schultern, am Po als String gearbeitet. Sowohl die Verstärkungen als auch die Schnürung meines Korsetts zeichneten sich deutlich ab.  Darüber durfte ich, je nach Witterung, entweder eine wattierte, weiße Windjacke oder ein Chiffonjäckchen tragen. Schließlich reichte er mir noch mein goldenes Fußkett­chen.

Dann ging er wieder an Deck.

Als ich die Kombüse betrat, goss sich Bernadette, nun mit Shorts und T-Shirt bekleidet, gerade eine Tasse von dem frischen Kaffee ein. „Trinken die Männer jetzt auch Kaff …?“

Sie hielt bei meinem Anblick inne.

„Wir bringen ihnen am besten einfach zwei Tassen an Deck.“

„Okay. Was passiert eigentlich, wenn Du das Korsett ausziehst?“

„Im Moment noch nicht viel. Wenn ich es länger trage, werde ich eine Stütze für die Wirbelsäule brauchen, weil meine Muskeln sie dann nicht mehr halten.“

„Und dann?“

„Dann muss ich schnell wieder ins Korsett, weil das sonst lebensgefährlich wäre.“

„Also musst Du immer Korsett tragen?“

„Ja.“

„Heftig.“

„Aber schön.“

„Na, ich weiß nicht. Gut, ich meine, so eine Figur wünscht sich natürlich jede Frau, aber der Preis ist ganz schön hoch, oder?“

„Das kommt immer auf den Standpunkt an.“

„Malte hat gesagt, Du warst früher … äh … Du hattest früher …“

„Kleinere Brüste. Ja.“

„Silikon?“

„Ja.“

„Sieht toll aus.“

„Ich weiß.“

Wir brachten den Kaffee an Deck. Die Männer mach­ten gerade die Leinen los. „Lieb von Euch“, rief mein Herr, „aber das geht jetzt nicht. Wir sagen Bescheid.“

Ich zuckte mit den Schultern und meinte zu Bernadette: „Ich könnte ein wenig Sonne gebrauchen. Ich hole ein Handtuch und lege mich aufs Vorschiff. Kommst Du mit?“

„Ich habe keinen Badeanzug dabei.“

Malte, der das mitbekommen hatte, rief frech dazwi­schen: „Dann lass die Klamotten doch einfach weg!“

„Das könnte Dir so passen!“, bekam er als Entgeg­nung.

„Warum machst Du ihm nicht einfach die Freude?“, meinte ich und ging, um ein Handtuch zu holen.

„Bringst Du mir eins mit?“, rief Bernadette.

Ich nickte.

Wir hatten abgelegt und verließen mit Motorenkraft den Hafen. Bernadette und ich lagen auf unseren Bade­laken und genossen die schon wärmenden Strahlen der Aprilsonne über dem Mittelmeer.

Malte hatte das Ruder übernommen und mein Herr, der sich auch eine Badehose angezogen hatte, gesellte sich zu uns.

„Du hast keine Badesachen dabei?“, meinte er zu Bernadette.

Sie schüttelte den Kopf.

„Wir haben Glück. Es ist schon warm.“

„Zu warm“, meinte Bernadette.

„Mach es ihr leichter, Michelle“, sagte mein Herr zu mir, „zieh Dich aus!“ Dann ging er wieder nach hinten.

Ich begann, meinen Badeanzug abzustreifen.

„Michelle, quatsch, das brauchst Du nicht!“, meinte Bernadette.

„Mein Herr wünscht es so“, entgegnete ich, stand auf und ließ den Badeanzug herab. In dieser Position war es nicht zu vermeiden, dass Bernadette einen direkten Blick auf meine leuchtendroten Schamlippen und die vier goldenen, inzwischen schon fast verheilten Ösen darin erhielt.

„Das muss doch tierisch wehgetan haben“, sagte sie nur.

„Kaum. Ich hatte eine örtliche Betäubung.“

„Und danach?“

„Es war auszuhalten.“

„Michelle, das tut mir leid, dass Du Dich jetzt meinet­wegen ausziehen musstest.“

„Kein Problem“, meinte ich, „so fühle ich mich viel besser.“

„Ist das Gummi?“

„Das Korsett? Ja. So kann ich es ununterbrochen tra­gen.“

Ich setzte mich wieder hin.

Bernadette zog sich aus. „Aus Solidarität“, kommen­tierte sie.

Sie war wirklich hübsch, hatte gebräunte Haut, kleine, runde Brüste und einen festen Po. Ihr Scham­haar war, wie das Haupthaar, rötlich blond.

Nackt setzten wir unser Sonnenbad fort.

Irgendwann drehte ich mich auf den Bauch.

Nach einer Weile sah Bernadette mein Zeichen.

„Mein Gott“, rief sie und dann, ein paar Sekunden später: „Du willst mir aber nicht erzählen, dass das nicht wehgetan hat!“

„Nein. Das war richtig schlimm. Solche Schmerzen kannst Du Dir gar nicht vorstellen.“

„Und das alles aus Liebe?“

„Aus Liebe und weil ich sein Eigentum bin.“

„Oh.“

 

63.

„Warum sagt mir keiner was?“, ertönte wenig später Maltes Stimme. Er war gekommen, um nach Bernadette zu sehen.

Die meinte: „Weil das hier nichts für Spanner ist. Entweder Du ziehst Dich auch aus, oder Du verschwin­dest.“

Tja Malte, da hast Du den Salat, dachte ich und grinste. Mal sehen, was Du jetzt machst mit dem Stän­der in der Hose.

Wieder versetzte er mich in Erstaunen. Schnell zog er seine Sachen aus.

„Malte, Du bist ein Schwein“, meinte Bernadette, aber sie sagte es lachend.

„Ich bin kein Schwein. Ich bin ein Mann. Was soll ich denn machen, wenn Du hier nackt herumliegst?!“

Erst dann sah auch er das Zeichen.

„Michelle, Du hast ja ein Branding. Irre!“

Ich drehte mich um.

Malte wäre fast über Bord gegangen.

Er sagte nichts mehr.

Später rief mein Herr nach mir. Er meinte, es wäre Zeit für einen Imbiss. Bernadette begleitete mich. „Darf Michelle sich wieder etwas anziehen?“, fragte sie meinen Herrn ganz selbstverständlich.

„Nein“, antwortete er, „sie bleibt nackt. Das ist ihr natürlicher Zustand. Nachdem Ihr das jetzt wisst, gibt es auch keinen Grund mehr, dass sie sich bedeckt. Solange das Wetter es zulässt, wird sie keine Kleidung tragen.“

Wir gingen in die Kombüse.

Dort meinte Bernadette: „Der kann ja auch ganz anders. Einen Tonfall hatte der! Da würde ich auch lieber nicht widersprechen.“

Sieh an, dachte ich, das hast Du also auch bemerkt. Ich äußerte jedoch nichts dergleichen, sondern meinte: „Du kannst Dir aber etwas anziehen. Hier unten ist ja keine Sonne.“

Bernadette schüttelte den Kopf: „Nichts da! Wir un­terdrückte Frauen müssen zusammenhalten. Es ist ja warm genug.“

„Hast Du richtig verstanden, was mein Herr gesagt hat? Das galt für die ganze Zeit.“

„Ja, klar.“

Dann wandte sie mir ihr Gesicht zu. Sie grinste und sagte: „Hast Du nicht Maltes Reaktion gesehen? Ich wäre doch bescheuert, wenn ich das nicht ausnützen würde. Ich werde ihm sagen, dass ich das aus Solidarität mache. Der bekommt kein Stück Stoff mehr an mir zu se­hen. Nach diesem Wochenende geht der mit O-Beinen, das sage ich Dir.“

„Bernadette, Du bist ja eine ganz Schlimme!“

„Ha! Wer selbst im Glashaus sitzt … nicht wahr, Michelle?!“

Wir kicherten, während wir Brote schmierten und be­legten.

Dann kam es noch dicker.

Bernadette hatte ein Anliegen: „Machst Du das mit dem Rasierer?“

„Du meinst das?“ Ich deutete mit dem Finger in Richtung meiner Möse.

„Ja.“

„Nein. Das ist schon vor Monaten mit einem Laser gemacht worden. Da wächst nichts mehr.“

„Ach so.“

„Rasierer geht aber auch. Soll ich Dir helfen?“

„Würdest Du?“

„Gleich?“

Sie nickte.

„Komm“, meinte ich, „wir tun einfach so, als hätten wir beim Brote Schmieren herumgetrödelt.“

„Aber vorsichtig, ja?“

Wir gingen in ihre Kabine. Bernadette legte sich aufs Bett und spreizte brav ihre Beine. Ich nahm ein Hand­tuch und benutzte einfach Maltes Trockenrasierer mit Langhaarschneider. Zunächst schnitt ich damit den rot­blonden Schopf ganz kurz. Anschließend sorgte ich da­für, dass ihr ganzer Schambereich schön kahl und glatt wurde. Dann rasierte ich Bernadettes Möse gründlich aus. Schließlich holte ich aus meinem Kosmetikkoffer eine Tube Babypuder und benutzte es reichlich. Ich hoffte, dass Bernadettes Haut die Totalrasur einiger­maßen verkraften würde. 

„Komisches Gefühl“, meinte sie.

„Geiles Gefühl“, erwiderte ich, „Du wirst sehen.“

„Das sieht komisch aus, finde ich, aber ich glaube, Malte steht drauf. Der ist auch immer ganz … Du weißt schon was …, wenn ich meine Beine gerade rasiert habe. Leihst Du mir auch was von der Farbe? Wenn schon, denn schon, finde ich.“

„Tut mir leid, Bernadette. Das ist eine Tätowierung.“

„Unglaublich“, meinte sie.

„Ich mache Dir einen Vorschlag. Ich gehe jetzt hoch und sage Malte, Dir sei plötzlich schlecht geworden und Du bist in die Kabine gegangen. Dann wird er sicher nach Dir sehen und Du kannst ihm Deine neue Errungenschaft präsentieren.“

Bernadette nickte freudig. „Hoffentlich kommt es so gut an, wie ich erwarte.“

„Ganz sicher. Ich bleibe an Deck. Ihr seid ungestört. Viel Spaß!“

Mein armer Herr musste zwei Stunden auf das Essen warten, aber als ich ihm (in groben Zügen) erklärt hatte, dass es einem guten Zweck diente, trug er es mit Fas­sung.

Das Grinsen, das Malte zum Abendessen mitbrachte, wich lange Zeit nicht mehr aus seinem Gesicht.

Danach lud mein Herr ihn auf eine Havanna an Deck ein. Er fühlte sich erkennbar geschmeichelt.

Wir Frauen machten den Abwasch; zunächst schweigend.

Dann sagte Bernadette unvermittelt nur: „Danke.“

Ich lächelte sie an. „Und? Behältst Du es bei?“

„Es brennt ein wenig und ich glaube, ich kriege ein paar Pusteln, aber bei dem Erfolg? Männer sind ja so einfach gestrickt. Ist das schlimm mit dem Laser?“

„Gar nicht. Es dauert nur ziemlich lange. Und Du musst Dir klar darüber sein, dass es von Dauer ist. Soll ich Dir die Adresse von dem Studio geben?“

„Das wäre nett.“

„Gut. Mache ich. Dann bleibt Dir das lästige Nachra­sieren erspart.“

„Kann ich Dich noch was fragen?“

„Klar.“

„Bei Dir ist alles endgültig. Was machst Du, wenn Eure Ehe nicht hält? Ich glaube nicht, dass alle Männer auf rasierte Frauen stehen und auch nicht auf Brand­zeichen oder Intimschmuck.“

„Das stimmt. Auch nicht auf devote Frauen.“

„Was machst Du dann?“

„Eigentlich möchte ich das nicht sagen.“

„Musst Du auch nicht. Ich kann es mir schon denken. Ich hatte schon Beziehungen vor Malte, aber wenn ich mir ausmale, er würde Schluss machen … Ich kann es mir auch nicht mehr mit einem anderen Mann vorstel­len.“

„Weiß Malte das?“

„Ich habe es ihm nicht gesagt.“

„Ich finde, das solltest Du tun, damit er weiß, worauf er sich einlässt bei Dir.“

„Ich habe Angst, ihn zu überfordern.“

„Das verstehe ich, aber umso länger Du damit war­test, umso schwieriger wird es. Nicht für Malte, sondern für Dich. Außerdem glaube ich, dass Malte das Zeug zu einem guten Herrn hat.“

„Spinnst Du?!“

„Spinne ich?“

„Ich bin nicht so … wie Du … und Malte ist nicht wie Jürgen.“

„Nein?“

„Nein.“

„Sicher?“

„Nein.“

„Probier es doch mal aus!“

„Wie denn?“

„Verhalte Dich doch einfach mal ein wenig devot. Keine flotten Sprüche und Frotzeleien in Maltes Rich­tung. Bitte ihn darum, Dinge für Dich zu tun. Hole seine Erlaubnis ein; möglichst bei ganz banalen Angelegen­heiten, die für Dich eigentlich selbstverständlich sind und Du wirst sehen, wie er reagiert.“

„Das gefällt ihm bestimmt.“

„Vermutlich. Dann kommt das Entscheidende: Lass ihn Verantwortung für Dich übernehmen. Wenn er das schafft und es gern macht, dann hast Du einen domi­nanten Mann zum Freund.“

„Und dann?“

„Dann musst Du nur noch sehen, ob es Dir gefällt.“

„Und wenn es mir gefällt?“

„Tja. Dann haben wir da einen dominanten Mann und eine devote Frau, die sich lieben. Dann müsst Ihr nur noch entscheiden, mit welcher Konsequenz Ihr Eure Be­ziehung leben wollt.“

„Das klingt zu einfach.“

„Das ist einfach. Wenn Ihr ehrlich zueinander seid und Eurer Liebe alles, aber auch wirklich alles, unter­ordnet.“

„Du bist echt romantisch, Michelle. Weißt Du das?“

„Ja. Aber was gibt es Schöneres?“

 

64.

Am nächsten Morgen war es Bernadette, die nicht mehr aufhören konnte, zu grinsen.

Nach dem Frühstück bot erneut der gemeinsame Ab­wasch Gelegenheit für ein Gespräch unter Frauen.

„Du hattest recht“, meinte Bernadette.

„Inwiefern?“

„Er steht drauf. Auf devot, meine ich.“

„Ach ja?“

„Ich ziehe das jetzt durch. Wie Du gesagt hast.“

„Du stehst auch drauf, richtig?“

„Ach, frag mich nicht!“

„Okay.“

Über Mittag ankerten wir in einer Bucht. Bernadette und ich hatten Spaghetti gekocht und wir saßen alle gemeinsam in der Kombüse, als es passierte:

„Malte?“, fing Bernadette an.

„Ja?“

„Ich muss mal.“

Keine Reaktion.

„Darf ich zur Toilette gehen, bitte?“

„Klar.“

Mein Herr und ich sahen uns an.

Bernadette ging und Malte sagte zu mir: „Das hast Du eingefädelt.“

„Ich bin klein, mein Herz ist rein.“

„Von wegen! Schwarz wie die Nacht ist das.“

Alle grinsten.

„Du scheinst es aber nicht gerade zu bedauern“, meinte ich.

„Du bist … ach, ist egal.“

„Ich bin die gehorsame Sklavin meines Herrn. Das weißt Du doch. Du hast ja offensichtlich inzwischen auch eine.“

„Bernadette spielt doch nur rum. Sie probiert eben mal was aus.“

Mit seiner tiefen, druckvollen Stimme schaltete mein Herr sich ein: „Das war nicht gespielt und das weißt Du, Malte. Sei vorsichtig! Tu das nicht als Spielerei ab, sonst wirst Du sie tief verletzen. Natürlich testet sie Dich. Wenn es Dir nicht gefällt, dann sag es ihr, aber wenn doch … dann nimm es ernst. Spiele Du nicht mit ihr, sonst hänge ich Dich am Großmast auf.“

„Malte, ich glaube auch, dass …“

Mein Herr fiel mir ins Wort: „Schweig, wenn Herren sich unterhalten!“

War das eine Demonstration für Malte? Ich sah in die Augen meines Herrn.

Hart.

Scheiße, dachte ich, er meint es ernst. Ich blickte zu Boden und sagte leise: „Ich bitte um Verzeihung, Herr.“

Bernadette kam zurück. Sie sah meine Haltung. „Alles in Ordnung, Michelle?“

Mein Herr antwortete für mich: „Alles in Ordnung. Michelle hat sich unangemessen verhalten, das ist alles.“

„Oh“, sagte sie nur.

„Damit hier keine Missverständnisse entstehen“, meinte mein Herr, „werde ich jetzt mal mit Malte nachholen, was Ihr Frauen wohl schon ausgiebig getan habt: Ein ernstes Gespräch führen. Ihr bleibt hier unten bis Euch erlaubt wird, an Deck zu kommen, ist das klar?“

„Ja, Herr“, antwortete ich.

„Klar“, sagte Bernadette.

Die Männer gingen nach oben.

„Was geht denn hier ab?“, wollte Bernadette wissen.

„Ganz einfach“, meinte ich, „Malte ist sich nicht si­cher, ob Du es ernst meinst. Mein Herr wollte ihn er­mahnen, nicht mit Dir zu spielen und ich habe mich eingemischt.“

„Ist er jetzt sauer auf Dich?“

„I wo. Er hat mich zurechtgewiesen. Damit ist alles wieder in Ordnung.“

„So einfach?“

„So einfach ist das.“

„Verrückt. Kein aufgestauter Ärger, kein Frust, kein Geschrei. So läuft das immer zwischen Euch?“

„Immer.“

„Aber Du musst zurückstecken.“

„Nein, Bernadette. Ich stecke nicht zurück. Ich gehor­che. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Mein Herr respektiert immer meine Meinung. Er respektiert mich.“

„Aber er sagt, wo es lang geht.“

„Genau.“

„Und wenn Du anderer Meinung bist, gehorchst Du trotzdem?“

„Selbstverständlich.“

„Was nützt Dir dann Deine Meinung?“

„Mein Herr kann meine Meinung bei seinen Ent­scheidungen berücksichtigen.“

„Kann. Aber er muss nicht.“

„Natürlich nicht.“

„Macht er es denn auch mal?“

„Sicher.“

„Ich glaube, Malte hätte es auch gern so. Seit gestern versuche ich, mich ein bisschen so zu verhalten, wie Du gegenüber Deinem Herrn. Das ist total merkwürdig: Malte sieht mich irgendwie ganz anders an. Als wäre ich so eine Art Wunder. Ich meine, er war auch vorher schon verliebt in mich, aber jetzt ist er irgendwie ganz verrückt nach mir. Er ist aber nicht so wie Jürgen. Ich meine, wenn der so guckt und spricht wie gerade, dann möchte man am liebsten vor ihm strammstehen.“

„Möchtest Du gern vor Malte strammstehen?“

„Michelle, bitte!“

„Möchtest Du?“

„Ich wünschte, er wäre ein bisschen so wie Dein Herr.“

„Das wird er lernen, wenn Du ihn als Deinen Herrn betrachtest. Willst Du das?“

„Michelle!“

„Willst Du?“

Ich hatte es zu weit getrieben. Bernadette kamen die Tränen. Das tat mir leid und ich nahm sie in den Arm. Ihr nackter Körper zitterte.

Dann sagte sie mit leiser Stimme: „Natürlich will ich das. Das weißt Du genau. Das hast Du von Anfang an gewusst und deshalb hast Du uns eingeladen.“

„Ja.“

„Das ist gemein.“

„Nein. Das ist ein Angebot.“

„Was soll ich denn jetzt machen?“

„Das weißt Du.“

„Hilfst Du mir?“

„Wenn Du willst, dann bin ich Deine Schwester. Willst Du?“

„Ja.“

Wir umarmten uns lange.

Dann befahlen uns unsere Herren, an Deck zu kom­men.  

 

65.

„Coming out“, ein Begriff aus der Lesben- und Schwulenszene, trifft auch auf viele Menschen aus dem Bereich SM zu.

Auf jeden Fall konnte man damit beschreiben, was unser kleiner Segeltörn für Malte und Bernadette be­deutete. Sie waren echte „Naturtalente“. Ich kann nicht behaupten, dass ich das exakt vorausgesehen hatte. Es war eher eine Ahnung gewesen. Natürlich besteht immer mal wieder die Versuchung, in das Verhalten, den Ha­bitus eines Menschen etwas hinein zu interpretieren, was in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist. Vor allem in den folgenden Jahren stellte ich jedoch fest, dass die Untersuchungen, welche beispielsweise Sina-Aline in ihren Büchern zitiert, mit der Lebenswirklichkeit durch­aus korrespondieren. Aus meiner natürlich nicht wis­senschaftlichen Sicht der Dinge liegen einige Gründe, warum so viele Frauen devote Neigungen unterschiedli­cher Ausprägungen haben, auf der Hand. Wer allerdings behauptet, dies müsse grundsätzlich so sein und Frauen hätten sich allein aufgrund ihres Geschlechts den Män­nern unterzuordnen, ist nichts anderes als ein dummes Chauvinistenschwein (oder ein religiöser Fanatiker christlicher oder moslemischer Prägung). Unterstellen wir also einmal, es gäbe tatsächlich noch ganz viele Frauen wie mich, dann haben wir alle ein gemeinsames Problem: Den dominanten Mann. Würde man eine belie­bige Gruppe von Männern unter Wahrheitsdrogen setzen und sie fragen, ob es ihnen gefallen würde, eine gehor­same, dienende Frau zu haben, dann wären die Ant­worten weitaus überwiegend wohl sehr ähnlich. Wenn frau sich diese Männer allerdings näher betrachten würde, gäbe es nur eine Konsequenz: Ganz schnell, ganz weit weglaufen! Warum? Weil die Verantwortung, die einem Mann durch die Unterwerfung der Frau zuwächst, etwas ist, was nur eine winzige Minderheit von Männern bewältigen kann.

Das ist das Hauptproblem einer devoten Frau. Des­halb nehmen wir eben doch in aller Regel unser Leben selbst in die Hand (denn da ist es besser aufgehoben) und beschränken unsere wahre Lust auf unsere Träume.

Mein Dasein war ein gelebter Traum geworden.

Ich hoffte, dass auch Bernadette diese Chance be­käme.

Vieles sprach dafür.

Auch ich musste mich umstellen. Meine Freundschaft mit Malte konnte nicht mehr so sein, wie vor dem Co­ming out. Ich hatte ihm nun mit dem Verhalten zu be­gegnen, das mir als einer Sklavin angemessen war. Dabei stellte ich fest, dass er kein völlig anderer Mensch in meinen Augen geworden war. Das ist etwas, was mir vor allem später noch oft begegnete: Nichts wird weniger, wenn jemand beginnt, seine dominanten oder devoten Seiten zu leben – es kommt etwas hinzu.

Auch ich hatte nichts verloren; weder meinen Witz, noch meine Schlagfertigkeit und schon gar nicht meinen Verstand. So war es auch bei Malte. Wir lachten weiter­hin alle über seine Scherze, genossen seine manchmal jungenhafte Art.

Was ist „Selbstbewusstsein“?

Rotziges Auftreten? Großmäuligkeit? Herablassender Habitus?

Nein, das ist bestenfalls Dummheit und vor allem Ausdruck von Schwäche.

Es ist vielmehr die Tatsache, dass man sich seiner ganz bewusst ist, weiß, wer und wie man selbst wirklich ist und dies auch zulassen kann – vor sich selbst, vor anderen.

Das sorgt für eine große innere Ruhe und ein Gefühl von Zufriedenheit und Harmonie mit seiner Umgebung. So hatte ich es erlebt und so wurde es jetzt auch Bernadette und Malte zuteil.

Als wir uns nach einem wunderschönen Wochenende voneinander verabschiedeten, flossen viele Tränen. Wir alle, mein Herr eingeschlossen, hatten wahre Freunde gefunden.

Nur kurze Zeit danach hatten Malte und Bernadette sich eine gemeinsame Wohnung im Norden Kölns ge­sucht, mein Testmonat an der Uni war abgelaufen und ich durfte diesen Unsinn beenden, Sabrina war wieder fit und sie besuchte mich.

Wir saßen gerade bei einem Stück Sachertorte in meinem Zimmer, als sie meinte: „Claire ist zurück.“

„Nach vier Monaten? Wahnsinn! Wie geht es ihr?“

„Wie Du seinerzeit muss auch sie sich erst einmal wieder an das ‚normale’ Leben gewöhnen.“

„War es schlimm dort für Sie?“

„Ja. Sie hat erfahren, was es bedeutet, die Dinge nicht manipulieren zu können.“

„Weißt Du Näheres?“

„Etwas weiß ich schon. In den ersten Wochen lief es ähnlich ab wie bei ihrem Besuch in Kairo, als wir alle in Ägypten waren. Dann erklärte man ihr, ihre Dienste wären nicht mehr erwünscht und sie wurde für drei Wochen weggeschlossen. In einen Kerker. Nicht gerade an­genehm. Mit der Zeit kam sie zu der Überzeugung, dass ihr Herr sie nicht mehr wollte und sie dachte, sie würde in ihrem Verlies bleiben. Dann wurde sie versteigert. Das war natürlich fingiert und der Bestbieter nahm sie mit in eine kleine Oase. Dort musste sie Feldarbeit leisten. Da das nicht zur Zufriedenheit ihres „neuen Herrn“ ausfiel, sperrte der sie in einen Stall. Sie bekam Hormone ge­spritzt und wurde an eine Melkmaschine angeschlossen. Sie wurde als Milchkuh benutzt, bis sie sicher war, das würde für alle Zeit so weitergehen.“ 

„Hat sie dabei nicht Schaden genommen?“

„Ich denke, es war ihr eine Lehre. Ihren Herrn wird sie trotzdem früher oder später verlassen. Oder er sie. Wenn sie sich eingelebt hat, siehst Du sie sicher wieder.“

 

66.

Einige Tage später informierte mein Herr mich über einen bevorstehenden Besuch von Malte und Bernadette. Tja, das hatte ich nun davon: Ich wurde nicht mehr gefragt (von Malte), sondern in Kenntnis ge­setzt. Mein Herr hatte vor, mit Malte ein paar Loch auf einem nahe gelegenen Golfplatz zu spielen. Währenddes­sen hätten Bernadette und ich im Schloss zu bleiben. Ich musste in meinen Räumen auf Bernadette warten, während mein Herr und Malte bereits aufbrachen.

Als Bernadette etwas zögerlich in der Tür erschien, sah ich, dass auch ihr Aussehen bereits verändert war. Auch sie hatte stärkeres Make-up aufgelegt. Sie trug einen scharfen Mini und hübsche, etwa acht Zentimeter hohe Sandaletten, denn an diesem Tag im Mai war es schon recht warm. Ihre Zehennägel leuchteten rot.

„Hallo, Bernadette“, empfing ich sie, „Du siehst toll aus.“

Dann umarmten wir uns.

„Meine Eltern würden in Ohnmacht fallen, wenn sie mich so sähen“, meinte sie.

„Ach“, sagte ich, „haben die Dich noch nicht so gese­hen?“

„Nein, aber ich fürchte, Malte wird sich nicht über­zeugen lassen. Das blüht mir wohl noch.“

„Ich sehe, Malte macht seine Sache ganz gut.“

„Ja. Manchmal ist er mir fast ein wenig unheimlich. Aber das ist schön. Er guckt schon fast so wie Dein Herr.“

Ich musste grinsen. Ich bot Bernadette eine vorbe­reitete Tasse Kaffee an.

Sie sah sich um. Dann meinte sie: „Die Kameras sind immer an?“

„Natürlich.“

„Dann wird alles aufgezeichnet, was wir sagen?“

„Klar. Das wird es immer. Nicht nur von diesen Kame­ras, sondern auch von der hier.“ Ich deutete auf mein Halsband.

„Was?! Ich dachte, das wäre eine Art Edelstein.“

„Das ist eine Linse. Und das winzige Loch darunter ist ein Mikrofon.“

„Michelle, bitte sag das nicht Malte! Der kommt sonst bestimmt auf Ideen“.

„Ich muss es ihm nicht sagen. Das wird mein Herr wahrscheinlich früher oder später tun.“

„O je! Ich hatte ja geahnt, dass mir noch Einiges be­vorsteht.“

„Was Du natürlich ganz schrecklich findest.“

„Klar.“

Wir lächelten uns an.

Nach einer Weile wurde Bernadette wieder ernst. „Ich habe eine Menge gelesen in letzter Zeit“, erzählte sie mir, „aber es gab eine Sache, die in keinem Buch steht. Ich dachte, Du kannst mir das bestimmt sagen.“

„Mal sehen. Was denn?“

„Wenn man so weit geht, so konsequent ist, wie Du, … kann man dann überhaupt noch zurück? Ich meine, könntest Du Dich entschließen, wieder anders zu leben oder ist das so eine Art … Sucht, oder eine Gehirnwä­sche. Also … man verändert sich. Das ist klar. Das merke ich auch und zwar jeden Tag. Aber wie weit geht das? Bleibt da etwas übrig von dem, wie Du vorher warst, oder gibt es jetzt nur noch die Sklavin. Kannst Du überhaupt noch mit einer ‚normalen’ Frau etwas anfan­gen?“

„Gute Frage. Ich denke, das ist wie mit jeder ein­schneidenden Veränderung. Man behält seine Erin­nerungen und seine Vergangenheit und denkt doch manchmal: ‚wie konnte ich so sein, warum habe ich so und so gedacht und gehandelt; das könnte ich mir heute nicht mehr vorstellen’. Ich fürchte, es gibt nur eine we­nig befriedigende Antwort: Ich bin nicht mehr der Mensch, der ich einst war. Ich finde sowieso, dass ‚bleib so, wie Du bist’ ein Ratschlag von Deppen ist, denn jeder verändert sich ständig und das ist gut. Bernadette, Du solltest Dich nicht fürchten, neue Erfahrungen zu ma­chen und Dich zu verändern. Ob Du, so wie ich, Dich in erster Linie als Eigentum Deines Herrn siehst, ist nicht die einzige Frage. Es wird nicht ausbleiben, dass Men­schen, die Dir jetzt wichtig sind, auf Deinem Weg, egal welcher das ist, nicht mitkommen und zurückbleiben. Das ist doch Deine Sorge, nicht wahr? Es tut mir leid: Rechne mit dem Schlimmsten! Sucht? Wenn es eine Sucht nach dem Leben, nach Liebe, nach Erfüllung gibt, dann bin ich süchtig. Unheilbar. Gehirnwäsche? Oh ja! Die habe ich allerdings hinter mir. Irgendwann erzähle ich Dir mal davon. Jedenfalls – ja, ich denke mit dem Gehirn einer Sklavin und ich kann nicht mehr anders. Gruselt es Dich jetzt?“

„Ein wenig.“

„Aber es verursacht auch noch andere Gefühle?“

„Ja.“

„An einem Ort, den ich vor einiger Zeit mal rasiermes­serscharf gesehen habe?“

„Ja. Du bist unmöglich! Übrigens wächst da jetzt bei mir auch nichts mehr. Das war echt komisch und lang­wierig, aber ich spare jeden Morgen mindestens zehn Minuten.“

„Die aber fürs Schminken wieder drauf gehen, nicht wahr?“

„Malte steht auf Tussis. Das hat er neulich selbst ge­sagt.“

„Den blöden Begriff hat er, glaube ich, von mir.“

„Na, Du hast es nötig!“

Plötzlich hörte ich die Stimme meines Herrn in meinem Ohr: „Malte möchte seiner Sklavin eine An­weisung geben. Du wirst sie übermitteln!“

„Ja, Herr“, antwortete ich, „darf ich bitte Bernadette eben noch erklären, wie es funktioniert?“

„Ja.“

Ich wandte mich an meine Freundin. „Ich führe keine Selbstgespräche. Das Mikro hatte ich Dir gezeigt. In meinen Ohren sitzen kleine Implantate, über die mein Herr mit mir sprechen kann. Das hat er gerade getan. Ich bin jetzt bereit, Herr.“

Ich erhielt die Botschaft.

„Bernadette, Dein Herr wünscht, dass Du Dich sofort ausziehst und nackt auf seine Rückkehr wartest“, übermittelte ich.

Fassungslos schüttelte Bernadette den Kopf und zog sich aus. Dann meinte sie: „Er kann Dich nicht nur hö­ren, sondern Dir auch jederzeit Befehle geben?“

„Genau.“

„Kannst Du das irgendwie unterbrechen oder so?“

„Nein. Ich bin ständig unter seiner Kontrolle. So ist es doch richtig, oder was meinst Du?“

„Frag nicht! Malte weiß jetzt, wie das geht, nicht wahr?“

„Sieht ganz danach aus.“

„Ich glaube, mir wird schlecht.“

Die steifen Nippel ihrer kleinen Brüste und ein verrä­terischer Tropfen an ihrer nun auch für immer kahlen Möse zeigten, dass es ihr nicht wirklich schlecht ging. Meine ‚kleine Schwester’ stand mir überhaupt nicht nach. Ich konnte mir die Bemerkung nicht länger ver­kneifen: „Willkommen im Club, Bernadette.“

 

67.

Die Zeit bis zur Hochzeit verging wie im Flug.

Ich war mit den Vorbereitungen des Festes beschäftigt und sehr zufrieden mit den Ergebnissen, die mein kleines Team erzielt hatte. Alles war bereit.

Dann, von diesem positiven Stress befreit, wurde ich nervös. Ich glaube, es gibt nur wenige Frauen, denen das so kurz vor dem Ereignis nicht passiert. Auf der einen Seite war da eine kaum zu beschreibende Vorfreude. Auf der anderen Seite stand eine diffuse Ungewissheit: Wie ist das, wenn man verheiratet ist? Was ändert sich? Wie werde ich mich fühlen? Ich ver­suchte, mich schon einmal an meinen neuen Namen zu gewöhnen, denn für mich stand felsenfest (anders, als es beispielsweise bei Sabrina war), dass ich den Namen meines Mannes annehmen würde. „Michelle von Denkwitz“ würde ich künftig heißen. Das klingt doch nicht übel, oder?

Die Tatsache, dass ich überhaupt keine Ahnung hatte, wie denn die eigentliche Hochzeitszeremonie ablaufen würde, trug auch nicht gerade zur Gelassenheit bei.

Immerhin – wenigstens durfte ich mein Kleid anpro­bieren, welches ich (zumindest) während des Festes zu tragen hatte. Zu diesem Zweck sollte ein „Damenkränz­chen“ stattfinden, denn Sabrina hatte meinen Herrn so­lange becirct, bis der sein Einverständnis gegeben hatte, sich von meinem Outfit überraschen zu lassen. Ich glaube, er war zwar von Sabrinas Idee ein wenig ver­blüfft, aber es kostete ihn keine Überwindung. Ganz im Gegenteil.

Ich war gespannt.

Am Tag der Anprobe lief ich wie ein aufgescheuchtes Huhn in meinen Zimmern herum. Ich konnte einfach nicht stillsitzen. Bereits am Morgen (endlich, dachte ich, denn ich konnte schon seit sechs Uhr nicht mehr schlafen) kam zunächst Claire zu mir. Sie war die „zuständige Make-up-Sachbearbeiterin“. Die Wiedersehensfreude war groß und während wir den Schminkvorgang vorbereiteten, fanden wir Gelegen­heit, über unsere Ägypten-Erlebnisse zu sprechen.

„Etwas Erniedrigenderes kann ich mir schwer vor­stellen“, meinte Claire, „ich spürte, wie meine Milchdrü­sen arbeiteten. Meine Brüste wurden noch größer und hingen an mir wie Euter herunter und das waren sie ja auch. Ich war total von der Melkmaschine abhängig, denn wenn ich nicht gemolken wurde, spannten sich meine Brüste und es tat höllisch weh. Ich konnte selbst überhaupt nichts tun, denn meine Arme steckten in einem Fesselsack auf meinem Rücken. Das Ganze dau­erte über einen Monat. Zum Schluss war ich sicher, dass ich den Rest meines Lebens als Milchkuh zubrin­gen würde. Ich denke, ich habe meine Lektion gelernt. Und Du?“

„Für mich war es mehr als eine Lektion“, antwortete ich, „ich weiß jetzt, dass ich geliebt werde, auch wenn ich nicht sprechen kann und total unselbständig bin. Ich muss auch nicht wie ein Model aussehen, um von meinem Herrn begehrt zu werden. Dadurch hat sich für mich viel geändert. Ich habe mich geändert. Vieles von dem, wovon ich früher dachte, dass ich es unbedingt haben, tun oder sein müsste, ist jetzt nur noch nettes Beiwerk. Das kann, muss aber nicht mehr sein. Es ge­nügt jetzt, dass ich meinen Herrn liebe, von ihm geliebt werde und ihm vollkommen gehöre.“

Das Schminken begann. Ich prägte mir alles ganz ge­nau ein. Ich machte mir sogar ein paar Notizen, denn genau so sollte es ja auch am Tag der Hochzeit werden. Natürlich würde mir Claire auch am Hochzeitsmorgen assistieren, aber ich hatte halt einen gewissen Perfekti­onsanspruch.

Ist das nicht komisch: Ich kenne keine Frau, die sich an ihrem Hochzeitstag nicht in einen schönen Schwan verwandeln will (vielen gelingt es auch); egal, wie viel sie vorher von einem Entlein an sich hatte. An ihrem Hoch­zeitstag verwandeln sich Schlabberpulliträgerinnen in Göttinnen. Ich finde das bescheuert. Ich denke, jede Frau kann eine Göttin sein – an jedem Tag ihres Lebens.

Ich kann schon das Gejammer hören: „Aber die Kin­der! Der Beruf!“

Na und? Dann eben nach der Arbeit, wenn die Kinder im Bett sind oder am Wochenende! Es dauert nicht lange, einen verführerischen Lippenstift aufzulegen oder ein Stück Reizwäsche anzuziehen. Einwände? Klar: „Mein Mann reagiert gar nicht darauf. Der will lieber Sport­schau sehen.“ Manche Männer kann ich verstehen, denn viele Frauen glauben, sie sollten sich zurückhalten und gehen in ein Dessousgeschäft, kaufen sich einen „nicht so eindeutigen“ Baumwollslip und denken tat­sächlich, das würde eine Wirkung erzeugen. Blödsinn! Männer sind schlichte Gemüter. Da muss schon mal ein String­body aus dem Sexshop her, um die lustdämpfen­den Ef­fekte des Alltags zu besiegen.

Hilft auch nicht? Womöglich holt Mann sich seinen Kick sogar woanders?

Dann gibt’s nur noch eins: Weg mit dem Kerl! Das ha­ben wir Göttinnen nicht nötig, uns mit einem Kotz­brocken abzugeben, wo wir doch (fast) jeden haben können.

Nun, ich wollte an meinem „großen Tag“ jedenfalls so göttlich aussehen, wie es nur irgendwie ging.

Gelang mir das? Na logisch!

Nach zwei Stunden sah ich in den Spiegel und be­trachtete mich lange. „Weniger ist mehr?“ – Unfug! Ich war der Beweis des Gegenteils. Lecker, lecker, dachte ich. Diese Braut würde kein Mann von der Bettkante schubsen.

Dann trafen Sabrina und Bernadette (die längst „zur Familie“ gehörte) ein.

Erst einmal frühstückten wir. Wir tratschten und ki­cherten fröhlich vor uns hin, als Sabrina aufstand und meinte: „Es wird Zeit. Michelle, mach es Dir bitte be­quem. Das wird jetzt nämlich unangenehm für Dich.“

Hä? Ich war in Höchststimmung. Was sollte denn jetzt Unangenehmes kommen?

Ich begriff sofort, als Sabrina sich an der Schnürung meines Korsetts zu schaffen machte.

Wer noch nie wochenlang ununterbrochen in einem Korsett gesteckt hat, macht sich, glaube ich, vollkom­men falsche Vorstellungen von dem, was passiert, wenn die Einschnürung wieder wegfällt. Es ist nicht so, dass es plötzlich leichter wird, Luft zu holen. Das genaue Ge­genteil tritt ein.

Ich spürte regelrecht, wie meine hochgeschnürten Or­gane in den freigegebenen Bauchraum rutschten. Mir wurde schlecht. Ein starkes Schwindelgefühl setzte ein. Hätte ich nicht gesessen, ich wäre auf der Stelle zusam­mengebrochen. Mein Zwerchfell verlor seine Stütze und sackte geradezu weg. Ich bekam keine Luft mehr.

Zu meinem Glück wusste Sabrina um diese Konse­quenzen und behielt die Situation im Griff. Beruhigend sprach sie auf mich ein.

Ich hing japsend in meinem Sessel. Claire und Bernadette hielten meinen Oberkörper fest und drückten mit flachen Händen meinen Rücken nach vorn, um die Spannung, die mein Körper benötigte und nicht selbst herstellen konnte, aufrecht zu erhalten.

Dann holte Sabrina ein neues Korsett.

Auf den ersten Blick glich es dem, das ich getragen hatte.

Auf den zweiten Blick erkannte ich, dass keine Schnürung zu sehen war.

Transparentes Latex schimmerte metallisch.

Da begriff ich.

Als Sabrina näher kam und ich für einen Moment mein neues Korsett ganz nah vor Augen hatte, konnte ich eine leichte Netzstruktur in der dünnen Latexschicht (viel dünner, als ich erwartet hatte und höchstens halb so dick wie bei meinem alten Korsett) erkennen.

Das war das „Modell Dr. Mohren“ – bestimmt für eine lebenslängliche Tragezeit.

Ich wollte so schnell wie möglich hineingeschnürt werden, um endlich wieder atmen zu können und Übel­keit und Schwindelgefühle loszuwerden.

Ich bekam das Korsett angelegt.

Mit temporären Metallspangen wurde das Rückenteil zusammengezogen, bis eine Art Klicken ertönte.

Endlich! Ich bekam wieder Stabilität. Unvermittelt fühlte ich mich besser.

Dann hörte ich ein ratschendes Geräusch und spürte, wie der Druck auf meine Taille zunahm. Bernadette und Claire massierten meine Brüste in die nur angedeutet ausgebildeten Körbchen. Auch in diesem Korsett würde ich meine nackten Brüste emporgereckt und nach vorne gedrückt zur Schau stellen.

Das Material, das nun wieder meinen Oberkörper in die Haltung zwang, die jede meiner Bewegungen bestimmen würde, war zwar dünner, aber auch unnach­giebiger, als ich es bisher kannte. Es hatte, obwohl es durchsichtig war, eher etwas von einer „Rüstung“, was sicher auch von dem Schimmer des eingearbeiteten Stahlnetzes herrührte. Ich spürte jetzt am eigenen Leib, dass keine Schere und kein Messer der Welt eine Chance gegen dieses Gewebe haben würden. Ohne den Schlüssel, mit dem Sabrina inzwischen wieder meinen letzten Stand der Einschnürung erreicht hatte, gab es nicht die kleinste Möglichkeit, aus diesem Korsett herauszukommen. Den Schlüssel würde mein Herr erhalten und ich bliebe in meiner durchsichtigen Hülle gefangen – für immer?

Auf jeden Fall so lange, wie mein Herr es wünschte.

Dann war es geschafft.

Ich durfte aufstehen.

„Das ist der Wahnsinn!“, meinte Claire.

„Als wäre es ein Teil Deines Körpers“, bemerkte Bernadette.

„Deinem Herrn wird schwindlig werden, wenn er Dich sieht“, stellte Sabrina fest.

Ich strich mit meinen Händen über meine stahlharte Wespentaille. „Hoffentlich holt er sich keine blauen Flecken“, meinte ich.

Wir lachten alle über diese Bemerkung. Dennoch verblieb mir ein Rest Nachdenklichkeit. Ich wusste jetzt, was passierte, wenn ich ohne Korsett war. Vieles sprach dafür, dass Bernadette den entscheidenden Satz von sich gegeben hatte. Ein Teil meines Körpers. Vermutlich war es schon soweit.

Mein neues Korsett hatte noch eine kleine Besonder­heit: Zwei bügelähnliche Schlaufen konnten über meine Brüste gelegt und mit kaum sichtbaren Druckknöpfen am Korsett befestigt werden. Sabrina zeigte es mir. Der Effekt war unheimlich: Meine Brüste wurden noch weiter vorgeschoben und sahen gleichzeitig spitzer aus, als sie ohnehin schon erschienen. Damit trat eine ähnli­che Wirkung ein, wie bei Claires Riesentitten. Jeder Mann und wohl auch jede Frau würde zuerst meine Brüste und erst dann den Rest von mir bemerken. Es war mir nicht so wichtig, dass diese Bügel abgenommen werden konnten, denn darüber hatte ich ohnehin nicht zu befinden.

Bevor ich mich also in eine Braut verwandeln konnte, bekam ich so eine weitere Möglichkeit, zu zeigen, dass ich das Sexspielzeug meines Herrn war. Das fand ich durchaus angemessen (und prickelnd).

Danach verließen wir mein Wohnzimmer und gingen alle gemeinsam in den Salon, denn eine Anprobe in meinen Räumen hätte ja dazu geführt, dass ich dort nicht mehr nackt gewesen wäre.

Sabrina musste noch schnell zum Arbeitszimmer meines Herrn. Der hatte sich bereiterklärt, sein Note­book dort betriebsbereit zurückzulassen, damit Sabrina die Kamera an meinem Halsband für die benötigte Zeit ausschalten konnte – das hätte sonst womöglich die Überraschung verdorben. So wusste mein Herr nur, dass ich jetzt das neue Korsett trug.

Zunächst zeigte mir Sabrina danach meine Braut­schuhe.

„Geil!“, rief ich verzückt.

Es waren die Sandaletten mit den höchst möglichen Absätzen. Als ich sie angezogen hatte, war der maximale Winkel zwischen Zehen und Fuß erreicht. Mehr war anatomisch nicht möglich. Höhere Absätze waren nur noch mit Ballerinas zu erzielen. Ein weißer Fessel- und ein Zehenriemen waren alles, was an „Schuh“ vorhanden war. Beide waren mit Saphi­ren übersät. Diese Sandaletten waren eher Juwelen als Schuhe.

Dann brachte Sabrina das Brautkleid. Mir kamen die Tränen.

Weiße, schimmernde Seide.

Ich zog es an.

Es saß hauteng.

Ein kleiner Kragen endete unterhalb meines Halsban­des.

Meine Schultern blieben nackt. Dafür wurden mir lange Handschuhe angezogen.

Mein Rücken war bedeckt. Auf der Vorderseite erstreckte sich vom Kragen aus ein tropfenförmiger, mit Saphiren umsäumter Ausschnitt über einen großen Teil meiner Brüste. Mein Dekolleté sah atemberaubend aus. An meiner Wespentaille und über meinen Hüften gab es keinen Zwischenraum zur Seide meines Brautkleides. Jetzt wurde mir auch klar, warum der Korsettwechsel an diesem Tag erfolgt war: Das Kleid hätte nicht über das alte Korsett (insbesondere die Schnürung am Rücken) gepasst.

Oberschenkel und Knie wurden ebenfalls hauteng umhüllt. Das Kleid, das bis über meine Knöchel reichte, war auch unterhalb der Knie nur wenig ausgestellt, so dass ich darin die kürzesten Schritte meines Lebens machen musste. Selbst im Vergleich zu Ballerinas und an­gesichts meiner ohnehin antrainierten Trippelschritte war das hier das absolute Minimum. Ich würde Ewig­keiten brauchen, um auch nur vom Salon bis zu meinem Zimmer zu gelangen.

Sabrina holte einen Spiegel. Meine Silhouette war un­glaublich: Mega-Brüste, Mini-Taille, ein Po, auf dem man beinahe etwas ablegen konnte, Beine, die endlos lang schienen – so schön hatte ich mich noch nie gefühlt (und das will bei mir schon etwas heißen).

Dann wurde geklatscht.

Kein Auge blieb trocken. Ich hatte wohl mit der Heule­rei angefangen und alle machten mit. Ich wurde ge­drückt und geherzt und meine Freundinnen kriegten sich überhaupt nicht mehr ein.

Hey! Heiraten ist echt prima.

 

68.

Der Tag meiner Hochzeit war angebrochen.

Die Gäste waren eingetroffen (etwa 300).

Ich war bereit.

In Begleitung meiner Freundinnen (Sabrina und Bernadette in traumhaften, cremefarbenen Roben und Claire in einem lachsfarbenen, langen Latexkleid) trip­pelte ich mit meinen winzigen Schritten von meinem Zimmer zum Ballsaal. „Flau“ wäre ein schwaches Wort für das Gefühl in meinem Magen gewesen. Ich hatte mich vorbereitet, so gut es ging (einschließlich wasser­festem Make-up), aber es gibt Dinge, für die frau sich nicht wirklich präparieren kann.

Der Ballsaal war das Prunkstück des Schlosses. Stuckdecke mit Fresken, goldene Kronleuchter, barockes Mobiliar und riesige Spiegel an den Wänden – der Rah­men für die Hochzeit einer Königin.

Eine Königin – so fühlte ich mich auch.

Die großen, verzierten Türflügel öffneten sich vor meinem Eintreten. Eine Glocke bimmelte. Dann rief je­mand (Bernhard, glaube ich):

„Verehrte Gäste! Damen und Herren! Hoheiten und Exzellenzen! … Die Braut!“

Das war alles nicht Teil meiner Vorbereitungen gewe­sen.

Das hatte mein Herr arrangiert (mit Sabrinas Hilfe).

Vorsichtig machte ich einen (winzigen) Schritt in den hell erleuchteten Saal.

Musik erklang. Der Hochzeitsmarsch – natürlich.

Ich kann nicht beschreiben, was ich in diesem Mo­ment fühlte. Würde ich sagen „ich war überwältigt“, dann wäre das, als stünde jemand vor dem traumhaf­testen Sonnenuntergang und sagte: „Oh. Es wird dun­kel.“

In der im Ballsaal versammelten Menge der Hoch­zeitsgäste öffnete sich eine Gasse.

Am Ende der Gasse stand mein Herr.

Dieses eine Mal war er ganz der Baron.

Er trug einen Frack.

Er war der schönste Mann der Welt.

Er kam auf mich zu.

Er hielt etwas in seiner Hand.

Es war ein Diadem - mit den größten Diamanten be­setzt, die ich je gesehen hatte.

Er steckte es mir ins Haar.

Ich sah seine Tränen.

Er küsste mich auf meinen Hals.

Ich fiel nicht in Ohnmacht (aber es war knapp – sehr knapp).

 

Dann nahm er galant meine Hand. Wir brachten beide keinen Ton über unsere Lippen. Ich konnte beobachten, wie sehr er um Fassung rang. Sein Bruder reichte ihm ein Tuch, mit dem er die Tränen trocknete (erst meine, was zwecklos war, denn die kamen schneller, als er sie wegwischen konnte, dann seine). Allmählich bekam er sich in den Griff.

Er führte mich in die Mitte des Ballsaals und rief mit wieder fester, tiefer Stimme: „Liebe Freunde, dies ist die Frau, die ich heute zu meiner Gemahlin machen werde. Sie ist für immer mein und ich liebe sie mehr als mein Leben. Erweist ihr Respekt!“

Es war unheimlich: Alle Frauen knicksten und alle Männer (auch die Herren, die zweifellos zahlreich ver­treten waren) verbeugten sich vor mir.

Dann ertönte ein nicht enden wollender Applaus, un­terbrochen von Hochrufen.

Es war kein Traum.

Alles echt.

Ich verbrachte den Rest des Festes in einer Art Trance. Da kamen Leute auf mich zu und sprachen mit mir. Irgendwie antwortete ich auch. Massenhaft Hand­küsse. Ich durfte nicht knicksen (ausnahmsweise), wenn ein Herr mir vorgestellt wurde. Unbekannte Leute. Men­schen, die ich schon einmal gesehen hatte. Freunde. Malte im Smoking. Zwei Frauen. Die kannte ich. Die Sekretärinnen. Klar. Weit gereist, dachte ich. Oft fiel mir hinterher auf, dass ich den oder die schon mal im Fern­sehen gesehen hatte. Schöne Musik. Hatte ich selbst be­stellt. Ach ja. Essen. Auch von mir ausgesucht. Bloß nicht essen. Kein Hunger. Conny. Die traut sich was. Kein Lilazeug. Nett. Wie geht es Dir. Gut. Schön. Amü­siere Dich gut. Wir sehen uns. Bettina. Muss doch nicht sein. Tut mir ja so leid. Bedauerlich. Mir ist schlecht. Hilfe, Herr. Bitte mach was. Ich kippe um. Bitte Luft.

Ich fand mich auf der Terrasse wieder.

Ah!

Ich war nicht umgekippt, aber mein Herr hielt mich fest. Langsam, sehr langsam wurde ich wieder klarer im Kopf.

„Es tut mir leid. Ich bin wohl ein Weichei geworden“, meinte ich.

„Unsinn! Du bist einfach total aufgewühlt. Das geht mir auch nicht anders.“

„Das geschieht Ihnen auch ganz recht. So was mit mir anzustellen!“

„Oh. Verzeihst Du mir?“

„Niemals! Können wir das öfter mal machen?“

„Du bist … Du bist …“

„Ich bin die gehorsame Sklavin meines Herrn. Und seine Braut. Und seine Königin.“

„Und wie Du das bist!“

Wir küssten uns lange.

Dann, nach vielen Minuten, gingen wir zurück. Das Fest musste weitergehen.

Gegen vier Uhr am Nachmittag ertönte wieder das Glöckchen. Bernhard (jetzt sah ich ihn) rief:

„Verehrte Gäste! Damen und Herren! Hoheiten und Exzellenzen! Herr Baron von Denkwitz und seine Braut danken Ihnen für Ihr Erscheinen und wünschen Ihnen einen wundervollen Abend. Genießen Sie die Darbietungen, die für Sie ausgesucht wurden. Herr Baron von Denkwitz und seine Braut werden nun zum Traualtar schreiten, um im kleinen Kreise den Bund der Ehe mit­einander zu schließen. Es lebe das Brautpaar!“

Wieder wurde geklatscht und gejubelt.

„Der trägt ja dick auf“, flüsterte ich meinem Herrn zu.

„Stimmt. Ganz schön überzogen. Kitschig geradezu“, antwortete er.

„Ekelhaft.“

„Widerlich.“

„Lassen Sie uns hier abhauen“, schlug ich vor.

„Gute Idee“, meinte mein Herr.

„Wohin?“, wollte ich wissen.

„Weiß auch nicht. Nur weg. Schlage vor, wir gehen heiraten.“

„Ich bin dabei.“

Grinsend schritten wir (er schritt, ich trippelte) durch die Gasse der Menschen zum Ausgang des Ballsaales.

Nun war es soweit.

Mein Grinsen verschwand.

Jetzt würde mein Herr mich heiraten.

Ich bekam weiche Knie.

„Ich hab Angst“, flüsterte ich ihm zu.

„Ich nicht“, meinte er.

Ich sah ihn an.

Er lächelte mir zu.

Alles war gut.

Dann ging es los.

 

69.

Mein Herr führte mich …

… in den Keller.

Das große Gewölbe war von Fackelschein erleuchtet. Es war niemand zu sehen. Ich wurde in einen Nebenraum geführt und mein Herr meinte: „Ich lasse Dich jetzt für einen Moment allein. Du wirst gleich für die Zeremonie vorbereitet.“ Er küsste mich und ging. Er schloss die Tür hinter sich.

Ich hielt die Spannung kaum noch aus.

Dann öffnete sich die Tür wieder und vier Gestalten in langen Mänteln mit Kapuzen und Gesichtsmasken betraten den Raum. Sie führten einen Wagen mit allerlei Gerätschaften darauf mit sich.

Ich traute mich nicht, den Wagen näher zu betrach­ten.

Die Gestalten sprachen kein Wort.

Es war unheimlich und erregend.

Als mir mein Diadem ausgezogen und das Kleid geöff­net wurde, empfand ich für einen Augenblick großes Be­dauern. Dann obsiegte meine Neugier.

Ich musste sogar die Sandaletten ausziehen und der Boden war unangenehm kalt unter meinen Fußsohlen.

Nackt (das schließt mein Korsett natürlich ein) und leicht frierend stand ich zwischen den Gestalten, als einer (eine?) meinen Kopf in einen festen Griff nahm. Er öffnete meine Kiefer und ein anderer brachte einen Schlauch.

Nein! Nicht wieder das, dachte ich.

Wie sollte ich denn damit „ja“ sagen? Mein Entsetzen wuchs, als ich sah, dass dieser Schlauch (dessen Länge war mir nur allzu vertraut) offenbar aus Silikon bestand. Ich dachte an Dr. Mohren und mein Zittern nahm zu.

Es half nichts. Ich musste das Ding schlucken. Da ich wusste (jedenfalls bis dahin), was mich erwartete, fiel es mir diesmal relativ leicht.

Wieder wurde ein Ballon in meinem Mund aufge­pumpt. Wieder nahm man mir meine Sprache.

Diesmal jedoch wurde es schlimmer:

Zusätzlich bekam ich zwei dünne Silikonschläuche in meine Nasenlöcher eingeführt, die bis tief in meinen Ra­chen reichten und meine Luftröhre mit der Außenwelt verbanden.

Dann wurde die Maske gebracht.

Sie unterschied sich kaum von der, die ich in Ägypten getragen hatte, aber es gab eine Änderung. Wie mein neues Korsett, so war auch diese Maske recht dünn und von einem Stahlnetz durchwirkt. Mit einiger Erleichte­rung stellte ich jedoch fest, dass eine Schnürung am Hinterkopf vorhanden war.

Ich musste die Maske nicht gleich anziehen. Sie wurde mir zunächst nur gezeigt, denn jetzt mussten meine Haare (die doch gerade wieder so eine schöne Länge erreicht hatten – schnief!) weichen. Auch diese Prozedur war mir vertraut.

Als auch meine Augenbrauen verschwunden und die kahlen Hautpartien mit Epiliercreme bestrichen worden waren, wurde mein Kopf in die Maske gesperrt. Das Mundstück wurde festgeschraubt und die Maske danach festgezurrt. Dann kam das Acryl. Wieder wurde mein ganzer Kopf eingestrichen. Besonders genau wurde die Masse um meine Nase herum geschmiert, um die Atem­schläuche unverrückbar zu befestigen. Wieder härtete alles schnell aus.

Ich würde als Fetischding in die Ehe gehen.

Transparente Latexstrümpfe, Strumpfhalter und Bal­lerinas folgten. Die Schuhe waren glänzend weiß.

Auch mein Po wurde wieder versorgt.

Eine Manschette, ebenfalls aus Silikon, allerdings metallisch schimmernd, wurde in mein Poloch eingesetzt und aufgeblasen. Ich wurde nicht ganz so stark aufge­spreizt wie in Ägypten. Dafür wurde anschließend eine rote Substanz auf den äußeren Ring gepinselt.

Man hinderte mich nicht, als ich das Ding in meinem Po befühlte. Es war sehr glatt. Kein Ventil war zu er­tasten.

Es war versiegelt worden.

Dafür konnte ich kleine Wölbungen an der Innenseite meines Poloches erfühlen. Ich dachte an die rote Substanz.

Dann wurden mir zwei Spiegel so hingehalten, dass ich nicht nur fühlen, sondern auch sehen konnte, was mit mir geschehen war: Das rote Ding, das mein Poloch offen hielt, sah wie eine Möse aus. Es war eine rote Silikonmöse. Der Innendurchmesser war groß genug, um in mich hineinzusehen. Auch damit würde ich meinen Darminhalt nicht bei mir behalten können. Es war je­doch ein wenig aufgeschäumt und bot so viel Bequem­lichkeit für einen Schwanz. Dafür wurde mir nun klar, woher der Glanz gekommen war: Auch dieses Ding hatte ein Stahlgewebe, welches allerdings sehr dicht war. Man konnte es weder aufschneiden noch hinein stechen. In Verbindung mit dem versiegelten Ventil bedeutete das, dass diese, durch die Farbe der Versiegelung knallrote Analmöse nicht mehr entfernt werden konnte. Das Ding saß unverrückbar in meinem Po und spreizte mich auf.

Das war jedoch noch nicht alles.

Mein Halsband wurde entfernt und durch eines er­setzt, welches meinem Korsett glich: transparentes La­tex mit Stahlgewebe. Es war jedoch unvergleichlich breiter als das alte Halsband. An der Vorderseite reichte es bis unter mein Kinn, hinten bis hoch zum Hinterkopf und unten bis zum Schlüsselbein. Es war ein Halskor­sett (mit Kamera, versteht sich). Zwischen den Verstre­bungen ließ es Platz für Atembewegungen (die bei meiner flachen Atmung nicht mehr allzu ausgeprägt waren). Als es im Nacken analog zu meinem Korsett mit einer Me­tallschraube festgezogen wurde, konnte ich meinen Kopf nicht mehr bewegen. Mein Kinn war nun ein Stück nach oben gehoben, so dass ich nicht mehr meine Füße sehen konnte, wenn ich nicht den ganzen Oberkörper beugte (was ich ja sowieso durch das Korsett nur noch einge­schränkt konnte).

Ich konnte weder nicken, noch den Kopf schütteln.

Zum Schluss folgte die härteste Maßnahme.

Ich begriff nicht gleich, was es war. Das Material glich Korsett und Halskrause. Dann verstand ich.

Meine Arme wurden auf den Rücken gezogen. Ich musste sie anwinkeln, bis eine perfekte Back-prayer-Po­sition erreicht war. Das Material wurde zwischen Rücken und Arme geschoben, um die Arme herum gelegt und fest ver­schraubt. Schließlich wurde es mit einem Steg in meinem Nacken an der Halskrause befestigt.

Dann war es vollbracht.

Ich war nicht nur auf spezielle Fütterung angewiesen und meiner Darmkontrolle beraubt. Ich präsentierte ne­ben meinen großen Brüsten und meiner kahlen Möse mit den roten und geschmückten Lippen auch einen perfekten, einladenden Hintereingang. Nackter und in­tensiver zur Schau gestellt konnte man nicht sein. Ich war nicht nur ein Fetischding – ich war das perfekte Fe­tischding. Ich war stumm und absolut unfähig, irgend­eine Grimasse zu schneiden oder ein Zeichen zu machen. Meine Arme konnte ich nicht mehr benutzen. Ich war vollkommen hilf- und wehrlos. Ich war … restlos geil.

Ich weiß, dass es schwer vorstellbar ist, aber es schien mir so angemessen, so richtig.

In diesem Zustand wurde ich vor den Altar geführt.

Dort wartete mein Herr auf mich. Was ich in diesem Moment in seinen Augen las, machte mich glücklicher, als ich je zuvor gewesen war.

Sein Bruder war da. Sabrina, Claire, Bernadette und Malte sahen mich mit offen stehenden Mündern an.

Ein Standesbeamter vervollständigte den kleinen Kreis (natürlich ein Gemeinschaftsmitglied).

So war es richtig.

Nur so war es gut.

Während der gesamten Zeremonie liefen meine Trä­nen.

Ich wollte nicht, dass dieser Augenblick jemals vorbei ging.

Fast alles, was der Beamte sagte, hörte ich zwar, aber ich nahm es nicht wahr.

Bis auf die Frage der Fragen:

„Michelle, willst Du diesen Mann zu Deinem recht­mäßig angetrauten Ehemann nehmen und ihn lieben und ehren, bis dass der Tod Euch scheidet, dann ant­worte mit … dann antworte.“

Ich drehte mich ein wenig, um meinem Liebsten in die Augen zu sehen. Mein starker Herr und Gemahl weinte ebenso vor Glück wie ich. Ich durfte ihn nicht länger warten lassen.

Alle sollten es hören:

„Hn.“

 

ENDE

 

Nachwort:

„Dieses Buch mit einer pompösen Hochzeit und dem Jawort (bzw. dem Aliud dazu) enden zu lassen, ist ja wohl der größte Kitsch“, höre ich schon manche(n) Le­ser(in) sagen.

Stimmt. Und?

Junge trifft Mädchen, Junge verliebt sich in Mädchen, Junge heiratet Mädchen und dann leben sie glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.

Ist das Kitsch?

Mag sein. Offenbar aber ein Kitsch, den die meisten Menschen für sich anstreben. Also kann das ja wohl nicht gar so schlimm sein.

„Das läuft so nicht“, werden Sie sagen und damit eine verbreitete Lebenswirklichkeit beschreiben.

Na toll!

Und wer will so was lesen?

Ich nicht.

Sie etwa?

„Was geschieht denn jetzt? Bleibt Michelle in diesem Zustand? Für immer?

Oder wird sie wieder befreit?“

Tja, wer weiß?

„Eine Liebe, die davon geprägt ist, dass sich eine Frau einem Mann total unterwirft und sein allzeit gehorsames Eigentum ist – das taugt vielleicht als erotische Phanta­sie, aber das gibt es nicht und würde in der Realität überhaupt nicht funktionieren.“

Meinen Sie?

Meinetwegen.

Das ist ja auch nur ein Roman, oder?

 

Mehr Geschichten von Chris Dell gibt es kostenlos und ohne Anmeldung auf dellicate.com.

 

Bewertung

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Kommentare

Egal ob Roman oder nicht................. ich beneide Michelle!!!

Wie gerne wäre ich an ihrer Stelle, wenigstens mal für eine Woche, einen Monat................

wenn mir auch Dinge fremd sind in der Geschichte sehe ich die Freiwilligkeit der Beteiligten. Viele hier so hoch gelobten Geschichten handeln von Entführungen, Erpressungen, dem " brechen " des Willens und diesen Dingen. Dann darf man sich auch als offener BDSM´ler nicht wundern das es dieses Bild in der Öffentlichkeit gibt das es nur um perverse Rituale geht die Menschenleben nicht achten oder sogar gefährden.

 

S

Na, auf Dich, sanitarium, habe ich schon gewartet! Da ist meine Geschichte ja noch gut weggekommen. Warum? Wegen der Einvernehmlichkeit? Lass mal stecken! Die Achtung vor dem Menschen, die Du (immerhin mit Recht) einforderst, setzt vor allem voraus: Respekt vor der Freiheit des Gedankens. Ich würde mir wünschen, dass Kommentare Geschichten nach ihrer schriftstellerischen Qualität, der Idee, der konzeptionellen Ausführung beurteilen und weniger nach "ist das auch mein Fetisch?". Was wirklich KEINER braucht, ist moralische Belehrung. Wer Fantasie nicht von Realität unterscheiden kann, ist hier sowieso am falschen Ort und die Fantasie ist das letzte Refugium. In der Fantasie ist alles erlaubt! Hast Du Dich mal gefragt, warum die Schmutzpresse vor Geilheit triefend "perverse" Praktiken anprangert? Warum machst Du Dich mit diesen bigotten Moralaposteln gemein? Hast Du das nötig? Was hat das mit "Offenheit" zu tun? Gehe in Dich, mein Sohn (oder Tochter), tue Buße und sage Dich los von den satanischen Zensoren *grins*! Oder lass Dir meine Mailadresse geben, damit ich Dir erklären kann, warum Du (in unterstellt guter Absicht) so dermaßen danebenliegst.   

Ist als Text in seinen Teilen, wie in seiner Gesamtheit schriftstellerisch so ziemlich das Beste, was diese Seite hier zu bieten hat. Mein kleiner Versuch einer längeren zusammenhängenden Geschichte nimmt sich dagegen wie schlecht verhüllter Dilentantismus aus.

Ich kenne diese Seite und ihre Nutzer inzwischen ein wenig, so überrascht es mich nicht, dass Ihre Geschichte nicht die Würdigung erhält, die sie verdient: Eigentlich müsste diese Geschichte das "Ranking" dieser Seite mit einem Durchschnittswert von 4,5 bis 4,6 anführen.

10000sende Worte sind aneinandergereiht ohne Rechtschreibfehler, jederzeit flüssig geschrieben und ja... fesselnd. Wenn das "Nur noch dieses eine Kapitel"-Phänomen auftaucht, dann kann das nur für die Geschichte sprechen. Ich habe keine Logikfehler entdeckt. Alles war jederzeir innerhalb des Handlungsuniversums plausibel. Ja was will man mehr? Viele hier wollen schlicht eine pornographische Wichsvorlage.

Ihre Geschichte ist gut... (Wie der Nachfolger "Tollwut" den ich hinterher auch gleich verschlungen habe) ach was der Text ist ausgezeichnet. Aber das wussten Sie sicherlich... Was nicht bedeutet, dass sie es nicht immer wieder gerne bestätigt bekommen wollen würden, nicht wahr?

Mit besten Grüssen

Ihr M.M.M.

Wenn es mit Worten wie "logisch", "plausibel" und "fehlerfrei" (was nicht ganz stimmt - ich finde auch nach Monaten trotz aller Vorkehrungen immer noch welche) bestätigt wird , M.M.M., dann höre ich das immer wieder gern. Vielen Dank! Wo finde ich denn den "Versuch"?

Weil ich den Kommentar nicht bei der Story posten kann, auf diesem Wege (obwohl es hier nicht hin passt): Keine Spur von "Dillettantismus" - im Gegenteil. Originelle Idee, Fußball mit SM zu verbinden; gekonnter Kunstgriff, die Struktur an den Ligaspielplan anzupassen. Was das Lektorat angeht: Da könnte ich mich ausnahmsweise sogar breitschlagen lassen.  

In reply to by Chris Dell

Nanu? Ist die Kommentarfunktion nicht zu gebrauchen? Wäre eine Erklärung warum von 8000 Lesern nicht einer eine kurze Nachricht hinterlassen hat.

Naja was soll's.

Ich freue mich über jeden Gärtner der im Gestrüpp meiner Fehler jätet.

Ansonsten ist mir aufgefallen, dass ich die Fortsetzung zu meiner Geschichte wohl nicht veröffentlichen kann, weil sie Rückblenden auf Ereignisse enthält, als die Hauptpersonen minderjährig waren. In Deutschland geht der Jugendschutz so weit, dass man selbst frei erfundene 16 Jährige selbst in der Rückschau auf vergangene Ereignisse nicht ihre Sexualität entdecken lassen kann - zumindest nicht explizit.

Und die Geschichte nur auf amerikanischen Seiten zu posten ist mir zu blöd. So wird wohl "Die Beste - Teil 2" in meinem Schreibtisch bleiben, bis man sich irgendwann jugendschutztechnisch eines Besseren besinnt.

 

M.M.M.

Megs ·Administrator·

In reply to by triple_mBB

Leider wußte ich nicht, dass die Kommentarfunktion für "Das Beste - Valerie" defekt war. Der Fehler wurde behoben und ich bitte alle, die vorhatten ihre Meinung zur Geschichte zu schreiben, dies nachzuholen.

Für die Zukunft: bitte meldet mir Fehlfunktionen per Kontaktformular. Die Seite ist mittlerweilen so gross, dass ich es nicht mehr alleine kontrollieren kann, ob alles funktioniert.

für diese wirklich tolle Geschichte.

Habe sie gerne, und intensiv gelesen, und muß gestehen, war ab und an feucht.

Ich kann es gerade leider nicht besser artikulieren, da ich immer noch total aus der Fassung bin.
Dies ist wohl die beste Geschichte, die ich je gelesen habe.
Sie haben meinen vollsten Respekt für Ihr Schreibtalent, und ich hoffe auf weitere Texte von Ihnen.

Liebe Grüße,

MissWildchild

In reply to by MissWildchild

Vielen Dank für Respekt und Fassungslosigkeit. Es ist das schönste Lob für Autorinnen und Autoren, wenn sie erfahren, dass ihre Geschichten eine solche Wirkung entfalten können. Es existieren noch viele Texte von mir. Ein paar davon befinden sich in diesem großartigen Archiv hier - darunter auch "Tollwut", in dem es ein Wiedersehen mit Michelle gibt (allerdings nur in einer Nebenrolle).  

Dass diese großartig geschriebene Geschichte eine 3,8 als Durchschnittsbewertung aufweist, lässt mich ratlos zurück. Die bisher rund 100 BewerterInnen finden dieses Werk im Schnitt also nicht einmal "Gut"!

Wenn ich davon ausgehe, dass viele, wie ich, ohne zu zögern 5 Sterne vergaben, darf ich mir gar nicht vorstellen, welche unterirdisch tiefen Bewertungen nötig waren, um den Schnitt auf 3,8 zu drücken. Bei der Bewertung wird, so scheint es, die schriftstellerische Qualität des Gebotenen vielfach überhaupt nicht beachtet.

Wahrscheinlich ist es besser, nach dem Namen des Autors zu gehen als nach der Bewertung. Ich jedenfalls gratuliere zur Leistung.

In reply to by pvcbdsm

Dankeschön für das "großartig", aber Anlass zur Ratlosigkeit besteht nicht. Fasst man die drei Veröffentlichungsorte zusammen, wurde "Wolfsbraut" bisher ca. 80.000 x gelesen. 100 "Bewertungen" können da nur sehr bedingt repräsentativ sein. Ein Maßstab sind sie ganz sicher nicht. Um schriftstellerische Qualität zu "bewerten", müsste man sie ja annähernd beurteilen können. Viele Leser sind vor allem auf der Suche nach schneller "Erleichterung" und finden Geschichten wie "Wolfsbraut" langweilig. Das kann man ihnen nicht verübeln. Manche suchen Anregungen für ihr reales Leben, weil es ihnen da ein wenig an Ideen mangelt und können mit Fiktion nicht so viel anfangen. Andere sind von der Anzahl der Wörter, ihrer Reihenfolge und der Suche nach ihrer Bedeutung schlicht überfordert. Es gibt auch niedere Motive: Neid gehört dazu. Ganz Einfältige werten sogar gezielt ab, was nicht nach Wichsvorlage aussieht. Viele jedoch bewerten nach subjektivem Geschmack. Das ist nicht nützlich, aber legitim. Wir sollten nicht schreiben, um nach Bestätigung zu suchen, sondern um unsere Leser gut zu unterhalten. Das wird mir täglich attestiert und wenn es mal nicht gefällt, ist das doch kein Problem.   

Lieber Chris,

 

diese Deine Geschichte um Michelle & Co hat mir absolut aus der Seele gesprochen! Läge sie mir in gedruckter Form vor, so wären wahrscheinlich fünfzig Prozent angestrichen und mit Anmerkungen versehen. :)

Auch wenn ich Körperausscheidungen eher nicht so erotisch finde, so ist es doch der Gedanke hinter den Maßnahmen, den ich nur zu gut verstehen kann. 

Gestern abend habe ich meinem Herrn von "Wolfsbraut" erzählt, weil Michelle so ziemlich genau die Art von Beziehung erlebt, wie ich sie mir wünsche. Hochherrschaftliches Schloss und Anusring sind natürlich weit entfernt von unseren Möglichkeiten, aber ich denke Du weißt, was ich meine.

Übrigens hat Deine Art zu schreiben mir Mut gemacht, meine Story ebenfalls hier zu posten. In der Hoffnung dass es hier auch Leser gibt, die nicht nur einen geschriebenen Porno suchen...

Es ist ein Genuss beim Lesen zu sehen und zu spüren, dass hier jemand der deutschen Sprache mächtig ist!

Von Herzen sechs Sterne für Deine "Wolfsbraut",

Senara

In reply to by Senara

Senara, für das Lob und besonders für die Bemerkung übers "Mutmachen". Allein aus diesem Grund haben sich die Stunden an der Tastatur schon gelohntImage removed..

Vielen Dank für diese tolle Geschichte...ich war und bin hin und weg und konnte einfach nicht aufhören zu lesen, so fesselnd war diese Geschichte

vielen dank für die geschichte; wir haben nun alle teil gelesen und sind begeistert; schade dass sie mit der hochzeit zu ende sein soll, wir würden gern erfahren was aus der freundin und dem freund wurde; vielleicht ist das ja stoff für eine weitere geschichte

In reply to by petersexy66

für Lob und Begeisterung (übrigens auch an Verena - ich war ein paar Tage abwesend und habe den Kommentar zu spät bemerkt, aber ich will nicht unhöflich sein). Viele der handelnden Personen aus "Wolfsbraut" tauchen in "Tollwut" (habe ich auch hier veröffentlicht) wieder auf - allerdings nicht in Hauptrollen und das ist eine ganz andere Geschichte.

Da stosse ich im Vorwort von "Tollwut" auf den Titel einer weiteren Geschichte namens "Wolfsbraut", denk mir so - kannst ja mal gucken -  und dann das: der Haushalt liegt brach, die Familie lebt von Wasser und Brot, die Katze nagt am Türpfosten... nur weil ich drei Tage lang mit rotgeränderten Augen auf den Monitor starre!!! Und zu was führt das wohl? Richtig, zur extremen Schieflage unseres Hausfriedens! Aber, leider Gottes, diese Geschichte ist in jeder Hinsicht sooo verdammt gut geschrieben - da konnte ich darauf einfach keine Rücksicht nehmen:-)

Stimmig von Anfang bis Ende, ohne Durchhänger, absolut alles hört sich so natürlich an, dass man fast vergisst, das es Fiktion ist. Und ganz nebenbei auch noch das eine oder andere Statement untergebracht- wirlich große klasse! Dieser Fetisch ist (wie schon an anderer Stelle gesagt) ja nicht so meins aber ich hätt's wohl auch gelesen wenn es um Rosinenbrötchen gehen würde - einfach weil Du schreibst wie Du schreibst.

So, und jetzt versuch' ich hier mal wieder was gerade zu rücken :-)

Mit einem großen Kompliment und Dank

 

bell

In reply to by bell

... stelle ich doch glatt fest, dass ich den Kommentar übersehen und mich nicht dafür bedankt habe. Da beantrage ich wohl besser gleich eine Papst-Audienz für würdevolles Spanking. Sorry und ... danke! Für die Störung des Hausfriedens muss ich mich auch noch entschuldigen und denke zum Ausgleich darüber nach, demnächst mal etwas über Rosinenbrötchen zu schreiben - knackige, knusprige Brötchen, die feucht nach Butter glänzen und mit Rosinen gepierct werden.

sprachlos ... das hat so schnell noch niemand geschafft, meinen tiefsten Respekt und meine Dankbarkeit für eine solch wundervolle Geschichte.

Sicher ist sie in manchen Dingen "hart", weil es schwer ist, sich manche Dinge vorzustellen (selbst mit sehr ausgeprägter Fantasie) ... aber ich konnte nicht aufhören zu lesen ... es ging nicht, und sowas passiert mir wirklich extremst selten (<-- bekennende absolute Leseratte/Buchstabenvertilgerin).

Trüge ich einen Hut, zöge ich ihn vor dieser Leistung ... so verbleibe ich, mich in eine tiefe Referenz begebend, glücklich lächelnd. Danke!

In reply to by Kya

... müssen ja auch nich. Vielen Dank für das tolle Lob ... und das auch noch so ganz ohne Sprache ;-) Da bin ich wirklich stolz, dass mir das gelungen ist und stelle fest, dass ich auch mal etwas von dem zurückgeben konnte, was mir Schreiberlinge schon seit vielen Jahren schenken: Schöne Erzählungen, in die ich für eine Weile eintauchen und meine Umgebung vergessen kann und - wie der Kommentar zeigt - Ideen, die manchmal anregend sind und manchmal gar nicht "Meins", aber doch stets einen Blick über den eigenen Tellerrand ermöglichen (man muss ja nicht selbst dort hin wollen). Deshalb danke ich nicht nur für den Kommentar, sondern bei dieser Gelegenheit gleich allen Autorinnen und Autoren, die ihre verrückten Ideen hier präsentieren und Megs, der die Plattform geschaffen hat, auf der dies möglich ist.